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06. Dezember 2011
Rasant und expressiv – ein denkwürdiges Konzert
Der amerikanische Saxofonist Ernie Watts und sein "deutsches" Quartett im "bird’s eye" Jazzclub in Basel.
Der Andrang zum einzigen Konzert des Ernie Watts Quartetts in der Region war groß: Über den ausverkauften Basler "bird´s eye"-Club konnte sich der lokale Veranstalter "Jazz Katalyst" freuen, der die Szene auffrischen will. Mit Ernie Watts und seinem gut aufgelegten Quartett ist dies für’s Erste gelungen. Was der amerikanische Saxofonist bot – eine Parforce-Tour durch aktuelle Spielweisen – war Jazz allerhöchster Güte.
Dass Watts den ihm zweifellos gebührenden hohen Stellenwert nicht einnimmt, hat damit zu tun, dass er sich jahrelang kommerzielleren Spielweisen widmete. Der Tenorsaxophonist von der amerikanischen Westküste spielte mit bekannten Pop-Größen wie Aretha Franklin, den Rolling Stones oder Frank Zappa, aber auch mit Jazzmusikern wie Pat Metheny oder Charlie Haden, in dessen "Quartet West" er zuletzt einige Aufmerksamkeit erregte. Auch als Filmkomponist war Watts erfolgreich und wurde mit zwei Grammies geehrt. Im letzten Jahrzehnt wandte sich der 66-Jährige wieder verstärkt dem Jazz zu, dessen gesamte Stilvielfalt, allen voran zupackender Hardbop, er perfekt beherrscht. Seit über einem Jahrzehnt besteht neben dem "amerikanischen" sein "deutsches" Quartett, das er im "bird’s eye" präsentierte. Der Saxophonist steht im Mittelpunkt, glänzt ständig mit erfinderischen, ideenreichen Chorussen und Improvisationen, dabei gelegentlich seinen rechten Arm für die Einsätze hebend. Rasante Tonfolgen und boppige Geläufigkeit, die sich immer wieder expressiv zuspitzen, sind sein Markenzeichen.
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Gespielt werden weitgehend eigene Kompositionen des neuen Albums "Oasis", die recht abwechslungsreich und spannungsgeladen gestaltet sind. Jazz in allen Varianten liegt Watts am Herzen. Sein beseelter, warmer Ton verrät eine eigene Handschrift, die sich längst von Einflüssen Coltrane’s und Rollins’ frei gespielt hat. Mit dem Sound seines Instruments, der die Melodien und Motive stets aufraut und mit eigenem Flair versieht, lotet er unterschiedliche Stimmungen aus. Aufkommende Romantik geht in zupackendem Hardbop auf, wie überhaupt Watts nichts anbrennen lässt und sämtlichen Themen enormen Dampf verleiht.
Die Mitmusiker, dicht verstrickt im interaktionistischen Zusammenspiel, sind stets im Bilde und vermögen ihr solistisches Profil zur Geltung zu bringen. Vor allem Pianist Christoph Sänger gefällt mit perlenden Läufen, denen er mit repetitiven Figuren magische Kraft verleiht. Watts ausdrucksstarken Höhenflügen gibt Bassist Rudi Engel mit vollem Ton die nötige Erdung, während Heinrich Köbberling das rhythmische Fundament legt. Einmal geht Köbberling, der zurückhaltende Schlagzeuger, aus sich heraus, als ihn Watts regelrecht zum Duell herausfordert, indem er ihm fetzige Chorusse ins Gesicht bläst. Im Dialog entsteht Spannung pur, die sich auf das gesamte Quartett überträgt. Ein denkwürdiges Konzert mit einem zu Unrecht unterschätzten Saxophonisten und ein brillanter Einstand für den neuen Veranstalter. Begeisterung im "bird’s eye".
Autor: Reiner Kobe
