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21. Mai 2012

Rasanter Ritt auf Saiten und pure Leidenschaft

Gitarrist Ryan McGarvey bei der fünften "Weiler Bluesnacht".

  1. Der amerikanische Gitarrist Ryan McGarvey im Alten Rathaus Foto: Adrian Steineck

Die Erwartungshaltung ist mit Händen zu greifen. Bevor Ryan McGarvey bei der fünften "Weiler Bluesnacht" die Bühne im Gewölbekeller des Alten Rathauses betritt, sind zahlreiche Gesprächsfetzen – auf Deutsch, Französisch, Schweizerdeutsch und Englisch – zu erhaschen: Wird dieser 24-jährige Gitarrist, der sich 2010 beim renommierten, von Eric Clapton organisierten "Crossroads Guitar Festival" gegen 4000 Konkurrenten durchsetzte, seinen Vorschusslorbeeren gerecht werden? Erste Ungeduld macht sich breit, als nach 20 Uhr die Musik vom Band einsetzt und das baldige Kommen des als Shooting-Star gehandelten Musikers verheißt. Dann kommt Ryan McGarvey tatsächlich – und die Hölle bricht los.

Gleich beim ersten Stück des Abends, "Watch Yourself", entpuppt Ryan McGarvey sich als eine musikalische Urgewalt. Den 120 Besuchern im ausverkauften Gewölbekeller vergeht Hören und Sehen, als McGarvey seinem Instrument brachiale Soli entlockt und sich im Zusammenspiel mit dem Schlagzeuger seiner dreiköpfigen Band zu einem Höllentempo steigert. Andere Konzerte hören auf diesem Niveau auf. Ryan McGarvey aber ist nun erst richtig warm, startet sofort in die Stücke "Texas Special" und "Cryin’ Over You" von seinem Debütalbum "Back In Reverse". Ersteres ist ein rasanter Saiten-Ritt, Letzteres ein traditioneller und ungemein gefühlvoller Blues. Das Spiel des jungen Virtuosen ist dabei voller Leidenschaft, er scheint regelrecht mit seinem Instrument zu verschmelzen, ist ganz im Hier und Jetzt. Dabei weiß McGarvey bei seinen solistischen Höhenflügen seine Band immer hinter sich: Michael Chavez gibt am Schlagzeug den Rhythmus vor, und Bassist Justin McLughlin erdet viele Stücke mit seinem Tieftöner.

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Bei seiner Jimi-Hendrix-Hommage "Hey Jimmy..." indes braucht McGarvey diese Erdung nicht mehr: Er steht alleine auf der Bühne, steigert sich in elektrische Klangexkursionen von ungeheurem Tempo, fast meint man, seine rechte Hand müsse Feuer fangen. Dann wieder tritt er aufs Effekt-Pedal, erzeugt mit seiner Fender Stratocaster sphärische Synthie-Klänge und webt sogar das bekannte Thema von Beethovens "Für Elise" mit ein.

Dabei gibt McGarvey sich angenehm unaffektiert, selbst als er in der zweiten Hälfte des dreistündigen Konzerts zur Gibson Les Paul wechselt, tut er das ohne jedes Posing. Er muss nicht beweisen, dass er verschiedene Gitarrenmodelle virtuos beherrscht, er spielt einfach. Bei "Little Wing", einer von drei ausgedehnten Zugaben, erweist McGarvey schließlich noch einmal Jimi Hendrix seine Reverenz. Auch Erinnerungen an Bluesrock-Meister Joe Bonamassa, mit dem Ryan McGarvey schon einige Male auf der Bühne stand, werden immer wieder wach. Kurz nach 23 Uhr schließlich ist das Konzert zu Ende, und die Besucher sind überwältigt und lassen sich gerne McGarveys neues Album "Redefined" von ihm signieren.

Für Klaus Deuss von der Gruppe "exbluesive", die die Bluesnächte gemeinsam mit dem städtischen Kulturamt organisiert, war dieses Konzert das bisher Rockigste der Reihe. Als Veranstalter möchte er den Spagat wagen, dem Publikum bekannte Namen, aber auch Neuentdeckungen zu präsentieren. Ryan McGarvey fällt auf jeden Fall in letztere Kategorie.

Autor: Adrian Steineck