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29. November 2011

Ritt durch die Jazzgeschichte

Joe Haider und seine Eleven im Jazztone in Lörrach.

Die Band, die am Freitag im Lörracher Jazztone spielte, ist während des Konzerts gewachsen: Ein Trio eröffnete den Abend, um wenig später zum Quintett anzuwachsen. Im zweiten Set schließlich standen neun Musiker auf der Bühne. Joe Haider war der Kopf dieser in punkto Besetzung und Stil vielseitigen Truppe, und mit ihm gastierte einmal mehr ein Musiker im Jazztone, der es ins Jazzlexikon geschafft hat. Haider, der mit Vornamen eigentlich Herbert Karl Anton heißt, ist in Darmstadt geboren und Stuttgart aufgewachsen, was sein Dialekt noch verrät, obwohl er schon lange in der Schweiz lebt. Er gehört zu den bedeutendsten Jazzpianisten in Europa und spielte mit Größen wie Benny Bailey, Nathan Davis, Dexter Gordon, Art Farmer oder Slide Hampton. Von 1984 bis 1995 leitete er die Swiss Jazz School in Bern.

Am 3. Januar wurde Haider 75 Jahre al, was er zum Anlass nahm, zurückzublicken, und zwar musikalisch. Mit der acht Stücke umfassenden Suite "Lebenslinien" komponierte er einen Spaziergang durch sein Leben, bei dem er vergangene Stationen besuchte, Einflüsse aufnahm, alles neu bewertete und in den Kontext der Gegenwart stellte. Haider scharte für dieses Projekt eine Reihe der besten Jazzmusiker der Schweiz um sich und nannte es in Anlehnung an Steven Soderberghs Gangsterfilm "Ocean’s Eleven" Joe Haider’s Eleven, denn es sind insgesamt elf Freunde, die miteinander spielen. Und das tun sie höchst beeindruckend.

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Das Konzert startete mit einer kleinen Besetzung, mit einem klassischen Pianotrio, das den Nukleus bildet. Dazu gehörten neben Haider am Flügel der groovende Bassist Raffaele Bossard und Daniel Aebi, ein vor Temperament sprühender Schlagzeuger. Mit dem Saxophonisten Andy Scherrer und dem Trompeter Bert Joris kamen schließlich die Bläser hinzu. Nach der Pause war die Band zur neunköpfigen Truppe erweitert. Haider räumte den Platz am Piano für Brigitte Dietrich und spielte Vibraphon. Dazu gesellte sich mit Matthias Spillmann (Trompete, Flügelhorn), Daniel Blanc (Saxophon, Querflöte), Thomi Geiger (Saxophon), Silvio Cadotsch (Posaune) und Fabian Beck (Bassposaune, Tuba) eine kleine Bigband.

Bestach das erste Set durch Eindringlichkeit, stilistischen Reichtum und die Brillanz der Musiker, entwickelte sich jetzt ein rasantes Spiel von orchestraler Fülle und sprühenden Soli. Knackiger Bebop drückte der Musik den Stempel auf, mal swingte es, dann groovte es in bester Latin-Manier, "A(n)ton al dente" griff atonale Muster auf, das Titelstück "Lebenslinien" hatte hymnischen Charakter. Joe Haider und seine Truppe zelebrierten einen berauschenden Ritt durch die Jazzgeschichte und durch Haiders Vergangenheit, immer wieder überraschend und auf höchstem Niveau. Dabei war es alles andere als ein Nostalgie-Trip, Haiders Jazz ist immer auf der Höhe der Zeit und ein Genuss, wenn man sich darauf einlässt. Das beeindruckende, aber mäßig besuchte Konzert endete indes recht abrupt, da der Schlussapplaus rasch versiegte und es keine Zugabe gab.

Autor: Thomas Loisl Mink