Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Dezember 2011

Rund um den Globus

Der Jazzchor Freiburg im zweimal ausverkauften Jazzhaus.

  1. Der Chorleiter und Conferencier: Bertrand Gröger Foto: pro

Diesmal musste kein Grundrhythmus und kein harmonisches Fundament herhalten: Erstmals trat der seit über zwei Jahrzehnten bestehende Freiburger Jazzchor a-capella auf, will sagen ohne Rhythmusgruppe. Was im 19. Jahrhundert als reinste Form des Chorgesangs galt, gelang an zwei ausverkauften Abenden im Jazzhaus Freiburg bestens.

Gleich einleitend wurde die Messlatte ganz hoch gehängt. Mit der Riff-artigen Konstruktion der "Shiny Stockings" ging’s gleich in die Vollen. Die glänzenden Damenstrümpfe, so die Übersetzung, erinnerten an den leichtfüßigen Stil der Count-Basie-Big-Band, aus deren Reihen jene Komposition von 1956 stammt.

Eine Frauengruppe und eine Männergruppe

Neueren Datums waren die Bearbeitungen aus dem "Vocabularies"-Repertoire von Bobby McFerrin, das der Chor mit dem amerikanischen Vokalkünstler vergangenes Jahr erarbeitete. Freilich ist von der einstigen Frische des Projekts nicht viel geblieben und der Chor tat gut daran, sich anschließend auf Neues zu konzentrieren.

Vorbildlich sind die beiden Gruppierungen, die sich aus dem Chor heraus entwickelten. Für ein fünfköpfiges Frauen-Ensemble hat Margret Horrer klassische Melodien und atemberaubende Chorarrangements des berühmten bulgarischen Frauenchors "Le Mystere des Voix Bulgares" nachempfunden. Mit dieser eindringlichen Interpretation vermochte das von Adam Szalkowski und Paul Dressler angeleitete neunköpfige Männer-Ensemble nicht mitzuhalten. Völlig unverständlich allerdings, warum die überaus engagierte Darstellung traditioneller Vokalpolyphonie aus Georgien (am Mittwochabend) im Publikum Gelächter erntete.

Werbung


Die Ausflüge des Jazzchors in ethnische Musikgefilde machten auch vor Afrika nicht Halt. Gab es schon bei besagten "Vocabularies" Anklänge an den schwarzen Kontinent, so fühlte man sich mit den beeindruckenden Gesängen bei der Eigenkomposition "African Calls" – mit der Solistin Michaela Nagl – gänzlich dorthin versetzt. Postwendend kam eine andere Seite des Globus in den Blick, wie überhaupt der Jazzchor an diesen Abenden auf unterschiedliche Stimmungen und Spannung schaffende Akzente setzte. Mit Brasilien kam die Samba ins Jazzhaus. Die Lied- und Tanzform des sonnigen Landes präsentierte der schlaksige Bassist Jürgen Göres-Petry in bester Tanz- und Sangeslaune glänzend. Deutlich wurde, dass sich Chorgesang aus aller Herren Länder speisen kann.

Die 31 Damen und Herren des Jazzchors Freiburg, mal schwarz-weiß, mal rot-weiß gewandet allesamt, gaben ihre Bestes. Die A-capella-Darbietung gelang nicht zuletzt dank Julian Knörzer, bekannt von Acoustic Instinct. Der Beatboxer gab mal den Bassisten, mal den Schlagzeuger. Über allem thronte einmal mehr Chorleiter Bertrand Gröger. Er lenkte wie gewohnt das Ensemble mit sicherer Hand um alle vokalen Klippen der kompliziertesten Stücke und führte das Publikum mit launigen Ansagen durchsProgramm. Große Begeisterung im Gewölbekeller.

Autor: Reiner Kobe