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29. November 2011 15:38 Uhr
Interview
Tok Tok Tok: "Man kann auch das Deutsche weich machen"
Am Donnerstag treten Tokunbo Akinro und Morten Klein alias Tok Tok Tok im Freiburger Jazzhaus auf. Das Duo präsentiert seine neue CD "Was heißt das denn?", die erste auf Deutsch.
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Sängerin und Multiinstrumentalist: Tokunbo Akinro und Morten Klein sind Tok Tok Tok Foto: Britt Schilling
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Neuerdings komponieren und texten die beiden getrennt: Tok Tok Tok Foto: Britt Schilling
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Sie hat einen nigerianischen Vater, er eine dänische Mutter: Tokunbo Akinro und Morten Klein Foto: Britt Schilling
Das Freiburger Duo Tok Tok Tok verbindet seine Pop-Soul-Musik neuerdings mit deutschen Texten: "Was heißt das denn?", heißt die neue CD. Am Donnerstag präsentieren Tokunbo Akinro und Morten Klein sie im Jazzhaus. Zuvor sprach Thomas Steiner mit den beiden über das Album.
BZ: Nach acht Studioalben auf Englisch haben Tok Tok Tok jetzt eines auf Deutsch gemacht. Haben Sie keine Angst, dass das Publikum sagt: Was soll das denn?Morten Klein: Alte Fans mussten das ja schon öfter fragen. Zum Beispiel als wir auf dem dritten Album "Ruby Soul" anfingen, statt der Coverversionen nur noch eigene Stücke zu machen.
Tokunbo Akinro: Am Anfang war ich schon unsicher. Aber als wir es unseren Fans angekündigt haben, haben wir super Resonanzen bekommen. Ich glaube, die Leute freuen sich darauf, dass sie jetzt noch besser verstehen können, worum es in unseren Liedern geht.
Klein: Wir wurden auch früher oft angesprochen: "Macht doch mal was auf Deutsch!" Wir haben dann immer nein gesagt.
BZ: Warum jetzt dann doch?
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BZ: Aber es macht doch einen Unterschied?
Akinro: Das verfliegt mit der Zeit. Ich fand Deutsch immer zum Singen sehr sperrig. Man kann es aber genauso weich machen. Ich habe mich auch mit der Phonetik beschäftigt: Wie schafft man es, dass gewisse Laute nicht so rausknallen?
BZ: Wann haben Sie beide denn Deutsch gelernt?
Akinro: Ich bin zweisprachig aufgewachsen. Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Nigerianer, aber er spricht auch Deutsch. Und er ist ein ganz großer Fan von Reinhard Mey. Es gibt ein tolles Bootleg von einem Konzert von ihm in Helmstedt, auf dem meine Eltern zusammen waren. Mein Vater hat es mir überspielt, leider leiert die Kassette mittlerweile.
BZ: Reinhard Mey hat ja viel für das Deutsche als gesungene Sprache getan.
Klein: Er hat Wahnsinnstexte.
Akinro: Und eine eigene Art zu singen und zu phrasieren.
BZ: Morten, wie war es bei Ihnen mit dem Deutschen?
Klein: Ich habe es im Sandkasten gelernt, als ich in Hannover aufgewachsen bin. Meine Mutter ist Dänin, mein Vater ist auch Deutscher. Zu Hause haben wir Dänisch gesprochen, draußen beim Spielen habe ich Deutsch zum ersten Mal gehört.
BZ: Haben Sie auch mal Liedtexte auf Dänisch gemacht?
Klein: Nein, das klingt für mich absurd. Da habe ich eine noch größere Entfernung, als Tokunbo bisher zum Deutschen hatte. Sprechen tue ich es allerdings gern.
BZ: Bis jetzt war es bei Tok Tok Tok immer so, dass Morten Klein die Musik schreibt und Tokunbo Akinro die Texte. Diesmal sind die Lieder jeweils komplett von einem von Ihnen. Warum das?
Klein: Weil ich auf Deutsch auch die Texte zu meinen Stücken schreiben wollte. Und Tokunbo wollte umgekehrt auch ihre Stücke selbst komponieren.
BZ: Aber sie singt weiterhin alles, also mussten Sie ja für sie texten.
Klein: Das war mir natürlich bewusst. Aber es hat geholfen, dass wir uns so lange kennen und ich weiß, wo ihre Tabus sind. Der einzige Song, bei dem ich mich gefragt habe, ob das geht, war "Eifersucht"...
BZ: ... eine Kampfansage an einen "Clooney-Mann"...
Klein: ... aber dann habe ich an den Song "Run for your Life" von den Beatles gedacht, den wir ja gecovert haben und der sehr brutal ist, und mir gedacht, dann kann ich das auch machen.
BZ: Es gibt neben den Beziehungsliedern auch politische, und es gibt einen Song, "Du sagst", der zwischen beiden Genres wechselt.
Klein: Es ist ja nicht so, dass die Politiker böse sind, und man selber ist super. Die Strukturen, die da man erkennen kann, sind auch im Kleinen erkennbar. Wenn man sich vorstellt, dass die Familie, die Kinder verschiedene Länder sind, dann kann es eine Situation geben, in der man total ungerecht wird und einer weggebügelt wird. Das ist dann halt die dritte Welt. Ich sehe das gerne so in Parallelwelten.
BZ: Tokunbo, Sie texten in "Nicht mehr": "Wir sind gelähmt, wir sind gezähmt, wir sind beschämt und so bequem". Ist das Selbstkritik?
Akinro: Natürlich. Wir laufen immer wieder Gefahr in dieser schnelllebigen Zeit abgelenkt zu werden, zu versumpfen und nicht achtzugeben, was passiert.
BZ: In einigen der Lieder steckt viel Wut, etwa in "Safiya", das die Geschichte eines nach Simbabwe abgeschobenen Flüchtlingskinds erzählt. Warum aber ist die Musik dazu der bekannte Sound von Tok Tok Tok zwischen Pop, Soul und Jazz – stets wohlklingend?
Akinro: Man muss einen engagierten Text nicht mit disharmonischer Musik unterstreichen. Es gibt genug Beispiele aus dem Soul, wo die Musik groovend durchläuft, und darüber wird geschimpft.
Klein: Ich halte ich es da mit dem Song "Mr. President" von Pink. Sie macht darin einen Spaziergang mit dem Präsidenten, gemeint war damals George W. Bush, und fragt ihn ganz freundschaftlich: Wie kommt du damit klar, wie du Politik machst? Da wird in einer freundlichen Art etwas gesagt, während der Rest der Welt ihn beschimpft.
BZ: Letzte Frage zum Live-Repertoire: Wird es jetzt gemischtsprachige Konzerte von Tok Tok Tok geben?
Akinro: Nein, es sind ja so viele neue deutsche Lieder, dass es für einen ganzen Konzertabend reicht. Für uns wäre ein Hin- und Herspringen nicht so überzeugend. Aber wir haben das ja bei jedem Album gemacht und in den Konzerten das Neue in den Vordergrund gestellt.
– CD: Tok Tok Tok, Was heißt das denn? (Einstein Music/BHM). Konzert: Freiburg, Jazzhaus, Do, 1. Dezember, 20 Uhr, BZ-Kartenservice 0761/496 8888.
Autor: Thomas Steiner


