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01. Februar 2012
Verschmelzen diverser Stile
Das Pablo Held Trio trat beim Freiburger Jazzkongress auf.
Was anfangs als Abtasten leise und unspektakulär daherkommt, verdichtet sich dank des traumhaften Zusammenspiels zur intensiven Kommunikation. Die drei Musiker bilden als Brüder im Geiste ein gleichberechtigtes Trio, in dem es keine Begleiter und keine Solisten gibt – jedenfalls nicht ausschließlich. Beim Freiburger Jazzkongress stellte das Pablo Held Trio, eine der spannendsten jungen Gruppen im deutschen Jazz, erneut seine Klasse unter Beweis.
Manchmal zurückhaltend zwar, aber allseits von erstaunlicher Reife und frappierendem Tiefgang ist der Pianist bei seinen Vorgaben. Pablo Held, vor kurzem 25 geworden, braucht seine stilistische Bandbreite bei diesem intensiven Zusammenspiel nie auszuspielen. Seine Pianistik ist schnörkellos, bringt Wesentliches umstandslos auf den Punkt. Seine Virtuosität – man spürt sie, obwohl sie sich nicht exponiert – ist stets zweckgebunden und verkommt nie zu bloßem Kunsthandwerk.
Helds Eigenkompositionen bringen Swing, Impressionismus und Romantik auf einen gemeinsamen Nenner. Deren Felder lotet das Trio harmonisch und melodisch aus. Offen und spontan wird agiert, unkompliziert Neues ausprobiert. Held zur Seite steht ein versiertes Rhythmusgespann. Robert Landfermann ist von markanter Gestalt, der Bassist bringt sich mit tiefen, brummigen Con-Arco-Tönen ein, die ins Geräuschhafte gleiten, zupft auch eigene Melodien. Schlagzeuger Jonas Burgwinkel ist viel mit Akzenten zur Stelle, lässt die Becken scheppern und flirren, gelegentlich donnert die Basstrommel. Durchgehender Beat ist von gestern. Jazz und akustische und experimentelle Musik unterschiedlicher Provenienz, von Ravel über Debussy bis Strawinsky, verschmilzt dieses Trio in divergierenden Stilistiken und Genres zu etwas ganz Eigenem.
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Das Besondere beim Pablo Held Trio liegt nicht darin, dass der Chef so jung ist. Seine introvertierte Musik ist nicht auf schnelle Effekte bedacht, labt sich auch nicht am Abspulen bekannter Standards, sondern ist bei freiem Agieren von feiner Struktur und tiefer Bedeutung. Bei aller Diversität der Themen und Motive bleibt der packende Gesamtklang zwischen Free und Bop erhalten. Als Zugabe erklatscht das Publikum im gut besuchten Schützen "Birkenhahn", Helds neuestes Stück, das er einer anwesenden jungen Dame gewidmet hat.
Autor: Reiner Kobe
