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05. Mai 2012

Vom Spiel ohne Grenzen

Schüler-Jazzorchester und Senioren-Salon-Orchester: Konzert der Generationen in Freiburg.

Ein Helikopter ist im Anflug. Zuerst hört man ihn aus weiter Ferne, näher kommt der Lärm der Rotoren, dann dröhnt er vorüber. Und das mitten im Großen Haus des Freiburger Theaters. Gesehen hat man ihn nicht. Man staunt. Acoustic Instinct macht’s möglich: Das Beatbox-Duo aus Freiburg imitiert Geräusche, Musik und insbesondere Schlagzeugbeats – mit dem Mund. Die Vielfalt verblüfft. Ob der Krach einer Bohrmaschine oder, für manchen Musikfan nicht weniger unschön, Phil Collins mit "In the Air Tonight" – Grenzen sind Paul Brenning und Julian Knörzer offenbar keine gesetzt. Ihre Darbietung ist auch pantomimisch ausgereift.

Ein Brüller: das Putzen eines imaginären Fensters, Quietschgeräusche und lästige Fliege inklusive. Sie zappen durchs Radioprogramm: Queen, James Brown, Electrobeats. Zappen, bis in ihrem ganz eigenen Rundfunk das Freiburger Schüler-Jazzorchester (FSJ) angekündigt wird. Dann übernimmt die Big Band höchstselbst in diesem gut besuchten Konzert der Generationen.

Für den musikalischen Leiter Herbert Schiffels ist es das letzte Konzert mit dem FSJ, das er 1984 gegründet hat. Es ist eine Erfolgsgeschichte. Auch diese Schülergeneration ist in Topform. Der Sound ist knackig und transparent. Die Rhythmusgruppe groovt, die Bläser fetzen. Punktgenau kommt die Wucht bei "Out of the Dog House". Schiffels achtet in Benny Goodmans Hit "Sing, Sing, Sing" auch auf melodischen Fluss. Die Soli überzeugen.

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Am Ende war man auch musikalisch vereint

Und Miriam Bienger gefällt mit schönem Gesang in "My Favorite Things" im Wechsel mit den "Elitekids", als welche Schiffels die Bandmitglieder zum Abschied bezeichnen wird. Einige Generationen sind hier vertreten. Das Alter der Mitwirkenden in diesem Konzert anlässlich des Seniorentags reicht von 13 bis – man staune – 91 Jahren. Auch das Freiburger Senioren-Salon-Orchester mischt mit. Der Älteste ist Maximilian Maier, mit verschnörkelter Klarinettenmelodie souveräner Solist in Chris Barbers "Petite fleur". Unter der Leitung von Gottfried Schrägle arbeitet das Ensemble die Kontraste in Johannes Brahms’ sechstem Ungarischem Tanz heraus; gelegentlich machen sich intonatorische Reibungen bemerkbar. Beim Potpourri mit Melodien des Operettenkomponisten Emmerich Kálmán hätten einige von den Älteren im Publikum wohl am liebsten das Tanzbein geschwungen.

Mit durchaus prägnanten und amüsanten Moderationen führten vier Schüler durch den kurzweiligen Abend. Stimmungsvoll war die wechselnde Farbgebung im Hintergrund der Bühne. Nur nach dem Dankeswort von Freiburgs Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach an die Adresse von Herbert Schiffels und der Überreichung von Geschenken war die Beleuchtung zu dunkel, standen Mitwirkende im Dunkeln, Blumen in der Hand im tosenden Applaus. Im Finale waren die Generationen dann auch musikalisch vereint: Man spielte den "Basin Street Blues".

Autor: Dennis Roth