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31. März 2009

Wir Post-Pessimisten

Die Balkan-Dub-Band La Cherga sorgte beim Konzert im Freiburger E-Werk für Partystimmung

  1. Die Musiker leben in Graz, sind aber keine Österreicher Foto: Milatovic

"Was ist denn das für eine Kluft?" fragte Nevenko Bucan irritiert, als er die Bühne im Freiburger E-Werk betrat. Vor sich sah er die leere Tanzfläche, während auf der Tribüne dahinter das Publikum den Beginn des Konzertes seiner Balkan-Dub-Band La Cherga erwartete. "Es ist nicht üblich, bei Konzerten von La Cherga zu sitzen", erklärte er höflich wie bestimmt. Erst als die Tanzfläche gut gefüllt war, begannen die sechs Musiker zu spielen.

La Cherga ist eine österreichische Band ohne Österreicher. Nevenko Bucan kam Anfang der 90er Jahre im jugoslawischen Bürgerkrieg nach Graz. "Ich wollte eine Woche bleiben, und jetzt bin ich immer noch da." Bucan ist heute 40, ein ausgebuffter Hase und Vater des Projekts. Die anderen Musiker sind viel jünger, eher Mitte 20. Auch sie stammen überwiegend aus Ex-Jugoslawien, sind aber zum Studieren nach Graz gekommen. Vor einem Jahr gründeten sie La Cherga, nahmen im Studio von Bucan eine viel versprechende CD auf und stehen vor dem Beginn einer internationalen Karriere.

Weltmusik – und selbst geschriebene Melodien

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Das Konzept von La Cherga ist originell. Die Bläser Kiril Kuzmanov (Saxofon) und Trajce Velkov (Trompete) liefern hochpräzise und äußerst virtuose Balkan-Soundlinien und verorten das Projekt klar im Weltmusik-Kontext – auch wenn die Melodien nicht traditionell, sondern selbst geschrieben sind. Gitarrist Muamer Gazibegovic und Bassist Michelle Montolli schlagen den Bogen zum Rock ’n’ Roll, während Nevenko Bucan moderne, oft dubbige Beats unterlegt. Gesungen wird auf Englisch.

Anka Iliasevic, die Sängerin, wohnt als einzige nicht in Graz, sondern in Kroatien. Sie sprang ein, als die ursprüngliche Frontfrau Irina Karamarkovic die Band verließ. Karamarkovic war eine Jazz- und Folk-Sängerin, die aus dem Kosovo stammte. Sie sah sich als Star der Band und setzte auch durch, dass ihr Name auf dem CD-Cover besonders herausgestellt wurde. Weil sie aber immer noch mehr Sonderbehandlung wollte und nicht immer bekam, stieg sie frustriert aus. Das veränderte auch den Sound von La Cherga. Statt der mädchenhaft-lakonischen Stimme von Karamarkovic singt Anka Iliasevic mit viel Soul und lässt die Band fast schon etwas amerikanisch klingen.

Das Konzert im E-Werk kam anfangs aber nicht so recht in die Gänge. Das vorgelockte und nicht übermäßig zahlreiche Publikum blieb reserviert, Sängerin Iliasevic hatte wenig Bühnenausstrahlung und der Sound der Band wirkte anfangs breiig und überladen. Es dauerte eine Weile bis die Luftigkeit des Dub zum Tragen kam.

Wendepunkt war "Fake no more", der Club-Hit von La Cherga, mit seiner unwiderstehlichen Balkan-’n’-Roll-Gitarrenlinie, dem federnden Off-Beat und dem leicht anzüglichen Text. Jetzt war das Eis gebrochen, jetzt war Party im E-Werk, das unter dem neuen Geschäftsführer Siegfried Dittler künftig häufiger Weltmusik-Konzerte veranstalten will. Party und gute Laune, das ist auch die Botschaft der Band. "Wir sind Post-Pessimisten, wir wollen Spaß haben, auch wenn das Schiff untergeht", rief Nevenko Bucan, der seinen schwarzen Kapuzenpulli längst abgelegt hatte.

Als Zugabe spielte die Band noch einen Gypsie-Funk ohne Beats, Trompeter Velkov sang mit hinreißender Stimme. Musikalisch war auch das große Klasse. Von La Cherga wird man noch viel hören. Das nächste Mal am 30. Juni beim Freiburger Zeltmusik-Festival.
– CD-Tipp: La Cherga: Fake no more (Asphalt Tango Records/Indigo)

Autor: Christian Rath