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12. März 2010

"Der Humor muss schärfer werden"

BZ-INTERVIEW: Klaus Eberhartinger von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung.

  1. Kommen mit ihrem neuen Album am Montag nach Freiburg: Die Erste Allgemeine Verunsicherung. Sänger Klaus Eberhartinger vorn links Foto: pro

Sie wurde oft als Spaß-Band missverstanden, dabei sind ihre Lieder kritisch gemeint. Die Erste Allgemeine Verunsicherung aus Österreich feierte in den 80er Jahren große Erfolge. Mit ihrem jüngsten Album "Neue Helden braucht das Land" kommt sie am nächsten Montag nach Freiburg. Mit EAV-Sänger Klaus Eberhartinger sprach Wolf H. Goldschmitt.

BZ: Normalerweise werden Menschen mit zunehmendem Alter milder. Die Texte Ihrer CD "Neue Helden" kommen aber bösartiger daher als frühere Werke. Sind Sie mit 59 Jahren grantiger geworden?
Eberhartinger: Nein, das liegt nicht an meinem biblischen Alter (lacht). Das liegt einzig und allein an der heutigen Zeit. Wir leben in einer Zeit der geistigen und moralischen Krise, die letztlich das momentane Wirtschaftschaos ausgelöst hat. Diese geistige Krise brachte Banker hervor, die Gewinn ohne Arbeit als Ziel sehen. Genau solche Finanzsauereien haben die Welt an den Rand des finanziellen Abgrunds getrieben. Deshalb muss der Humor einfach schärfer und offensiver werden.
BZ: Auch die katholische Kirche kommt bei Ihnen schlecht weg, Sie attestieren Ihr sogar eine Nähe zu "dunkelbraunem Bodensatz". Warum?

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Eberhartinger: Wir haben lange diskutiert, ob das Thema vielleicht doch zu ernst ist, aber es passt in unsere Zeit. Die Kirche ist mein Lieblingsgegner. Und dieser konservative Papst, der in seiner Antrittsrede gleich die internationale Gesellschaft des Exorzismus begrüßte, erst recht. Und seine Empfehlungen für Afrika, auf Kondome zu verzichten, sind angesichts der dortigen Aidsrate aberwitzig.
BZ: Mit einem früheren EAV-Hit gefragt: Das Böse ist immer und überall?
Eberhartinger: Stimmt, was bei unserem Hit "Banküberfall" noch ironisch gedacht war, ist bitterer Ernst geworden.
BZ: Aber Sie spielen bei der aktuellen Tour auch noch die alten Klamaukstücke?
Eberhartinger: Ja klar. "Der Märchenprinz" oder "Copacabana" bleiben im Programm. Die Fans erwarten das von uns wie von Wolfgang Ambros "Schifoan", obwohl er es schon mindestens tausend Mal gesungen hat. Aber unsere Hits von früher kommen diesmal erst im letzten Drittel des Auftritts. Außerdem haben wir sie umarrangiert. Wir geben unserer neuen Produktion einen breiteren Raum.
BZ: Auf der neuen CD kritisieren Sie auch das "Trottel-TV" – und treten trotzdem bei Carmen Nebel auf.
Eberhartinger: Für mich passt das durchaus zusammen. Carmen Nebel ist nach "Wetten, dass?" die wichtigste Show im deutschen Fernsehen und gibt vielen Musikrichtungen eine Chance. Das ist ja kein stupider Musikantenstadl oder etwas Ähnliches. Hier haben schon Cliff Richard und andere wirkliche Stars gesungen. Das Ganze soll unterhalten, kann durchaus manchmal seicht sein, aber es trägt nicht zur allgemeinen Verblödung bei. Unter Trottel-TV verstehe ich die verrückte Jagd der Sender nach Quoten.

CD: Erste Allgemeine Verunsicherung, Neue Helden braucht das Land (Ariola/Sony). Konzert: Freiburg, Konzerthaus, Montag, 15. März, 20 Uhr. Info: BZ-Kartenservice Tel. 01805/556656*

Autor: wgo