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09. Februar 2012

"Ein Tagebuch zum Tanzen"

BZ-INTERVIEW: Das Popduo Glasperlenspiel tritt heute im Freiburger Jazzhaus auf.

  1. Sie sind ein Paar – und ein Popduo: Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg nennen sich zusammen Glasperlenspiel. Foto: pro

Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg sind 20 und 22, kommen aus der Kleinstadt Stockach am Bodensee, sind ein Paar und als Duo "Glasperlenspiel" mit ihrer tanzbaren, deutschsprachigen Popmusik auf Erfolgskurs. Heute treten die beiden im Freiburger Jazzhaus auf. Zuvor sprach Steffen Rüth mit dem Duo über seinen Hit "Echt", das erste Album "Beweg dich mit mir" und natürlich über Hermann Hesse.

BZ: Carolin, Daniel, viele Leute haben Glasperlenspiel zum ersten Mal beim Bundesvision Song Contest im vergangenen Herbst gesehen. Sie haben dort gut abgeschnitten: Platz Vier mit dem Song "Echt". Haben Sie diesen Erfolg erwartet?
Carolin Niemczyk: Nein, eigentlich sind wir ohne Erwartungen hingegangen. Wir waren froh, dass wir von Stefan Raabs Produktionsfirma ausgewählt wurden und überhaupt mitmachen durften. Für uns war der vierte Platz so toll wie der erste.
BZ: Als Schülerband hießen Sie Crazy Flowers, dann Keine Zeit, jetzt Glasperlenspiel. Was war da die Entwicklung?
Daniel Grunenberg: Crazy Flowers, das war quasi unsere Kinder-Band, die wir mit 11 oder 12 gegründet haben. Mit Keine Zeit haben wir Songs gecovert. Dann fingen wir selbst an, welche zu schreiben und sind viel getourt. Vor zwei Jahren haben wir den Plattenvertrag bekommen. Das war für uns wie ein Neuanfang, mit neuem Namen und mit neuen Liedern.

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Niemczyk: Als es anfing, so ein wenig professioneller zu werden, habe ich mir natürlich überlegt, ob ich wirklich eine Sängerin sein will, ob das mein Beruf werden soll. Der Plattenvertrag kam genau zur richtigen Zeit, nämlich, als ich gerade mein Abi hatte und sowieso überlegte, was ich machen will.
BZ: Daniel, Sie haben da schon Informatik studiert.
Grunenberg: Genau, doch dann kam der Plattenvertrag, und ich habe nicht gezögert, das Studium ruhen zu lassen.
BZ: Sie machen Popmusik mit elektronischen Elementen. Sind Computerkenntnisse nützlich fürs Musikmachen?
Grunenberg: Da gibt es viele Schnittstellen. Ich war immer schon ein begeisterter Technikfrickler und produziere unsere Musik ja auch selber.
BZ: Ihre Lieder sind gleichzeitig melodisch, nachdenklich und tanzbar. Wie kam der Glasperlenspiel-Stil zustande?
Grunenberg: Carolin und ich hören gerne elektronische Bands wie die Ting Tings oder La Roux oder Robyn. Wir haben das dann kombiniert mit deutschen Texten, für die meistens Caro zuständig ist.
Niemczyk: Wir selbst bezeichnen unser Album gerne als ein "Tagebuch zum Tanzen".
BZ: Wie ist "Echt" entstanden?
Grunenberg: Da muss ich etwas ausholen. Es gibt ja den Roman "Das Glasperlenspiel" von Hermann Hesse, in dem eine zukünftige Gesellschaft beschrieben wird, in der es nichts Echtes und Wahrhaftiges mehr gibt. Da denken wir "Ja, aber das stimmt nicht ganz", denn es gibt immer noch diese echten Momente, die wirklich herausstechen und an die wir uns lange erinnern. Über diese Momente wollten wir einen Song schreiben.
BZ: Ein Anti-Generation-Facebook-Lied?
Grunenberg: Nein, wir wollen das nicht gegeneinander ausspielen. Die neuen Medien haben auch, wenn man sie mit Bedacht nutzt, ihre guten Seiten.
BZ: Sie haben auch die Band nach dem Buch benannt. Wieso?
Grunenberg: Ich habe ein Instrument gebaut, das war eine Art elektronisches Glockenspiel. Zufällig stießen wir auf den Roman, fanden, dass der Titel zu unserem Instrument passt und zu dem, was wir sagen wollen.
Niemczyk: Ich fand das "Glasperlenspiel" ein bisschen wie Kafkas "Der Prozess", den wir in der Schule gelesen haben. Dort gibt es ja auch keine richtige oder falsche Interpretation, und die Deutungen liegen im Kopf des Lesers.
BZ: Sie sind bereits sechs Jahre lang ein Paar, haben eine gemeinsame Wohnung und singen "Wir sind wie zwei Magneten". Ist das eher hilfreich oder hinderlich, wenn man sowohl Paar als auch Band ist?
Grunenberg: Wir finden das positiv. Wir sind zusammen unterwegs, und wenn wir mal daheim sind, macht auch jeder noch sein eigenes Ding oder trifft sich mit seinen eigenen Freunden.
Niemczyk: Wir werden total oft gefragt, ob es nicht schrecklich ist, dass wir uns dauernd sehen (lacht). Da kann ich nur sagen: Nö. Ist es nicht.
BZ: Ticken Sie beide ähnlich?
Niemczyk: Daniel ist der Organisatorische, ich bin verpeilter.
Grunenberg: Ach, wir ergänzen uns schon ganz gut (lacht).

– Jazzhaus Freiburg, heute, 20 Uhr.

Autor: rüth