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21. November 2011

"Es ist eine echte Musikerfreundschaft"

BZ-INTERVIEW: Der Freiburger Pianist Johannes Mössinger über seine New-York-Ensembles / Heute Konzert beim "Jazzkongress".

  1. Ein Freiburger und drei Amerikaner: Johannes Mössinger (l.) mit seinem NY Quartett Foto: pro

New York ist für jeden Jazz-Musiker das musikalische Mekka. Der Freiburger Pianist Johannes Mössinger hat es geschafft, mit dortigen Musikern erst ein Trio und dann sein "NY Quartett" zu etablieren. Seit zehn Jahren gibt es das Ensemble, heute wird Geburtstag gefeiert, mit einem Konzert im "Jazzkongress", den Mössinger organisiert. Zuvor sprach Reiner Kobe mit ihm.

BZ: Herr Mössinger, wie hat es angefangen mit Ihrem NY Quartett?
Johannes Mössinger: Im Herbst 2001 hatte ich die Chance, mit dem amerikanischen Schlagzeuger Karl Latham, der sich gerade in Deutschland aufhielt, ein paar Konzerte zu spielen. Das Repertoire bestand aus Stücken von Thelonious Monk, am Bass war German Klaiber, ein Freund aus Studienzeiten. Nach diesen Konzerten sind wir ins Studio gegangen und haben den größten Teil des Monk-Albums direkt aufgenommen. Die Musik war gelungen, die Chemie zwischen uns Musikern stimmte.
BZ: Sie wollten dann aber noch einen Bläser hinzuziehen, um die Platte komplett zu machen?
Mössinger: Ja. Ich wollte schon immer mal mit dem Saxofonisten Joe Lovano zusammenarbeiten. Da ich ihn persönlich nicht kannte, schickte ich ihm einfach die Aufnahmen, um das Trio vorzustellen. Er war ganz angetan und sagte spontan zu, mitzumachen und das Album fertigzustellen. Ich wusste zunächst gar nicht so richtig, wie mir geschieht: Der große Joe Lovano hatte zugesagt.

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BZ: Und als er dann ins Studio kam?
BZ: Es war sensationell, mit ihm zu arbeiten. Joe Lovano war natürlich viel zu sehr beschäftigt, um mit uns unterwegs sein zu können. Auf alle Fälle war er eine wichtige Erfahrung für mich. Er hat mich darin bestärkt, mit eigenen Kompositionen weiterzumachen und meinen eigenen Weg zu gehen, eine Persönlichkeit zu formen.
BZ: Für die Aufnahmen mit ihm sind sie dann extra nach New York geflogen?
Mössinger: Der zweite Teil der Aufnahmen wurde tatsächlich ein paar Monate später in New York gemacht. Für German Klaiber kam Kermit Driscoll, der schon mit Bill Frisell gearbeitet hatte. Wir haben anschließend im Trio Songs aufgenommen und einige Zeit zusammen Konzerte gegeben. Das eigentliche New York Trio war geboren. Schwerpunkt des Programms waren Standards, allen voran von Monk. Ein paar markante Stücke von mir waren auch schon dabei.
BZ: Es gab dann diverse Besetzungen Ihres NY-Ensembles, seit wann existiert die heutige?
Mössinger: Ende 2008 war das neue Trio perfekt, als ich den Bassisten Calvin Jones kennengelernt hatte, dann kam der Saxofonist Joel Frahm hinzu.
BZ: Mit diesem Quartett geht es jetzt weiter?
Mössinger: Ja, denn wir sind gut zusammen, es ist eine stabile Formation. Eine neue Studioplatte ist bereits eingespielt, sie wird im Frühjahr veröffentlicht. Gleichzeitig wird es eine neue Trioplatte geben mit Karl Latham, Calvin Jones und mir. Es gibt also sowohl ein NY Trio als auch ein NY Quartett.
BZ: Ist denn das New York im Namen für Ihre Bands wichtig? Er könnte doch genauso gut weg bleiben.
Mössinger: Ist er ja auch schon: Auf vielen CDs steht einfach nur Johannes Mössinger Quartett. Der Name New York ist nicht zwingend, er bezeichnet nur den Ort der Entstehung. Es war damals eben eine markante Situation. Ich will keinen NY-Stil pflegen, was immer das heißen mag. Auch NY-Klischees sind mir fern. Die Idee ist schlicht, meine Musik mit anderen Künstlern umzusetzen. Das Besondere an den NY-Ensembles besteht darin, dass sie auf einer zehnjährigen Zusammenarbeit mit Karl Latham beruhen, die sich stilistisch weiterentwickelt hat. Daraus ist eine echte Musikerfreundschaft geworden. Wir kennen uns als Kollektiv so gut, dass meine Kompositionen als Themen gemeinsam erprobt und weiterentwickelt werden. Wir sind sogar so weit, dass wir auch aus dem Augenblick heraus gemeinsam Neues zu gestalten in der Lage sind.

– Johannes Mössinger NY Quartett, Freiburg, Jazzkongress im Gasthaus Schützen, heute, 20.30 Uhr.

Autor: kob