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12. März 2010

Mit leidenschaftlicher Müdigkeit

Die Schweizer Band Die Aeronauten stellt ihr neues Album morgen in Freiburg vor.

  1. Mitnehmen, was geht: Die Aeronauten Foto: pro

Ja, wo ist sie denn, die Leidenschaft? Reicht ein lapidares "Hallo", und schon ist sie wieder da? Nein, natürlich nicht, das wissen auch Die Aeronauten. Trotzdem haben die Schweizer ihr siebtes Album "Hallo Leidenschaft!" genannt. Mal schauen, was passiert: "Hey hallo Leidenschaft / ich warte hier Tag und Nacht darauf / dass du endlich reinkommst" , lauten die ersten Worte im Eröffnungslied, "Feuer der Liebe", "Hey hallo Abenteuer / ich warte auf das Feuer der Liebe". Wenn das nicht resignativ und müde klingt, so ganz nach Alterswerk. Immerhin gibt es die Schaffhausen-Zürcher Band bald 20 Jahre. Alles schon erlebt, da wird jeder müde.

Doch Vorsicht: Müdigkeit überkam Die Aeronauten schon früher immer mal wieder. Auf dem Album "Gegen alles" sang Olifr M. Guz "müde wie damals schon", und das war vor 15 Jahren. Ein komischer Haufen? Womöglich, doch eines geht den Aeronauten ganz gehörig auf den Wecker, heute wie damals: Rock ’n’ Roll als bloße Inszenierung von Leidenschaft. Wahrhaftig ist nur der Widerspruch. Denn die Musik von "Feuer der Liebe" spricht eine andere Sprache und vermittelt genau das, was im Text vermisst wird und was der Hörer in einem Eröffnungsstück erwartet: Leidenschaft. Ein Rockabilly-Beat mit Soul-Bläsern und Country-Twang-Gitarre. Das Leben kann ganz schön kompliziert sein – wie die Aeronauten.

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"Hallo Leidenschaft" ist mitnichten ein resignierendes Alterswerk: Nach der lauten und ruppigen Platte "Hier: Die Aeronauten" – 2006 mit launischer Punk-Attitüde hingerotzt – schöpfen die Schweizer mal wieder aus dem Vollen. Besonders hübsch das in Schweizerischem Idiom gesungene "Womunidura", das auf einen Latin-Beat gebettet eine seltsame Exotik verbreitet: Karibik am Rheinfall. Biestiger Punkrock dagegen in "Schatten", der eingedeutschten Coverversion eines Lurkers-Originals aus dem Jahr 1977. Mysteriös die Geschichte von "Isabelle", die schon Del Shannon vor mehr als vier Jahrzehnten erzählte: "Früher hieß sie Laura und heute Schwester Isabelle".

Alle anderen Lieder sind Originale – zusammengewirkt aus Ska, Bossa, Beat und Soul, mit zum Teil fiesen Texten wie man sie von Olifr M. Guz, dem "fröhlichen Pessimisten" schon kennt: "Maximum Future Investment" handelt vom modernen Erfolgsmann, dessen Credo selbstverständlich in Ich-Form verkündet wird, untermalt von einem sportiven Ska-Muster. In "Immer dasselbe" riecht es nach "Geld, Stadt und Sex" und nach zuckersüßem Sixties-Soul. Ironie oder nicht, das ist hier die Frage. "Ambiance Scandale" frönt der Aeronauten-Leidenschaft fürs Französische, kommt funky und folkloristisch. Die Spaghetti-Western-Fantasie "Herz" zeigt große Gefühle. In der Tat, schon wieder: Leidenschaft. So viel davon hatten Die Aeronauten selten, selbst in den Instrumentalstücken "Ehrenbär" und "Marvin" kommt sie nicht zu kurz.
– CD und Platte: Die Aeronauten, "Hallo Leidenschaft" (Richie Records/Rookie Records). Konzert: Morgen, Freiburg, Auditorium der Jazz- & Rock-Schulen (Vorgruppe Hawaii 2.0).

Autor: Joachim Schneider