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18. August 2010 18:59 Uhr
Das Trio Rusconi tritt bei "Between the Beats" auf
Noise-Rock wird Klavier-Jazz
Das ist Jazz mit der Energie des Rock: Das Schweizer Trio Rusconi interpretiert Stücke der New Yorker Band Sonic Youth. Mit ihrem Album "It’s a Sonic Life" kommen die Drei auch zum Denzlinger Festival "Between the Beats" im September.
Sie sehen eher aus wie eine Band als wie ein Jazz-Trio. Stefan Rusconi, Piano, Fabian Gisler, Bass, und Claudio Strüby, Schlagzeug, sind das Trio "Rusconi". Tatsächlich spielen die Zürcher auf ihrer jüngsten CD Noise-Rock – aber umgewandelt in Klavier-Jazz: Sie interpretieren Stücke der New Yorker Band Sonic Youth. Damit kommen sie auch zum "Between the Beats"-Festival in Denzlingen.
"It’s a Sonic Life" ist das vierte Album von Rusconi. Dass sie darauf Stücke einer amerikanischen Rock-Institution spielen, könnte man für eine typische Konzept-Idee halten, für gewolltes Genre-Crossover. Doch da widerspricht Stefan Rusconi gleich: "Sonic Youth sind eine Jugendliebe von mir, ich höre sie, seit ich 14 bin." Heute ist er 31 und hört Sonic Youth noch immer.
Elf Kompositionen der Band aus den Jahren 1986 bis 2004 hat er für seine Aufnahmen ausgewählt. Es sind Interpretationen dabei wie die von "Hoarfrost", welche die typischen Steigerungen und Höhepunkte von Sonic Youth, diese Gitarren-Orgasmuswellen, auf dem Klavier nachmachen. Es gibt auch eine Interpretation von "Hits of Sunshine (For Allen Ginsberg)", die mit acht Minuten fast so lang ist wie das Original und genauso hypnotisch mit ihrer minimalen Bass-Figur. Die Sonic Youth’schen Verfremdungen der Gitarren überträgt Rusconi hier aufs präparierte Klavier. Es gibt aber auch Interpretationen wie die von "Karen Revisited", welche das Melodische herauspräparieren, das bei Sonic Youth oft unterm Lärm verborgen liegt. Im Original ist das Stück elf Minuten lang, mit lauten Drones, bei Rusconi ist es drei Minuten lang, mit einem poetischen Klaviersolo. Das Brachiale von Sonic Youth sei nicht jedes Mal sein Ding, sagt Stefan Rusconi.
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Zum Glück aber ist es oft genug dann doch sein Ding. Wenn das Trio in "The Destroyed Room" oder "Skip Tracer" einen hämmernden Groove spielt, wenn Klavier, Bass und Drums zu einer wuchtigen Einheit werden, dann ist das Jazz mit der Energie des Rock. Und man darf sich an ein anderes Trio erinnert fühlen, das Ähnliches bewerkstelligt hat: e.s.t.
Wie es bei den Schweden um den verstorbenen Esbjörn Svensson war, hört man auch bei Rusconi, dass dieses Ensemble lange, seit neun Jahren, zusammenspielt, dass Bassist und Drummer mehr sind als Mitmusiker des Pianisten. Intensiv hätten sich die drei die Stücke zusammen erarbeitet, berichtet Stefan Rusconi.
Drei eigene Kompositionen hat der Pianist den Sonic-Youth-interpretationen noch an die Seite gestellt, alle ausgehend von Textstellen oder auch einer Stimmung in Sonic-Youth-Songs. Besonders schön: die Ballade "Into the Heart", ein echter Kontrapunkt zu den Noise-Rock-Bearbeitungen.
Da wirken Rusconi fast schon klassisch. Aber sie wollen eben immer auch mehr. "Wir gehören schon dahin, aber nicht nur", sagt Fabian Gisler über ihren Bezug zum Jazz im engeren Sinne. Mit dieser Haltung passen sie bestens ins Programm des Denzlinger Festivals "Between the Beat", das im September erstmals über die Bühne geht und sich nicht an Genregrenzen hält. Dort treten die Schweizer im Doppelkonzert mit Medeski Martin and Wood auf, einem anderen experimentierfreudigen Trio.
– CD: Rusconi, It’s a Sonic Life (Sony). Festivalkonzert: Between the Beats, Denzlingen, Kultur- und Bürgerhaus, 23. September, Info: BZ-Kartenservice*
*01805: 0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 €/Min.
Autor: Thomas Steiner
