Das Einsame und das Suchende

Reiner Kobe

Von Reiner Kobe

Sa, 07. Oktober 2017

Rock & Pop

Sebastian Stert alias Bax kommt mit seinem Knef-Programm zum Freiburger Jazzkongress.

Bax nannte ihn seine Mutter schon immer. Den Kosenamen hat Sebastian Stert längst zu seinem Künstlernamen gemacht: "ein eingängiger klarer Name". Mit diesem Markenzeichen schafft sich der Sänger ein eigenes Profil, was im hart umkämpften Sänger-Markt nicht schaden kann. Wenn Bax singt, so seine Ansicht, weiß man, dass es nicht um klassische Musik geht.

Dabei ist Stert in einer musikalischen Familie in Freiburg groß geworden und hat früh klassisches Klavier gelernt. Dem Vater, Professor für Kontrabass an der hiesigen Musikhochschule, war aber daran gelegen, dass sein Sohn "einen anständigen Beruf erlernen" sollte, wie es hieß. Sebastian Stert lernte Frisör, arbeitete ein Jahr lang nach seiner abgeschlossenen Lehre in einem Salon nah dem Bertoldsbrunnen. Seinen großen Traum, Schauspieler und Sänger zu werden, konnte er nur in der deutschen Hauptstadt verwirklichen. So begann er in Berlin 2000 seine Ausbildung an der Schule für Schauspiel, erhielt ein Engagement am Gorki-Theater. Es folgte ein dreijähriges Engagement am Theater Aachen, wo Stert seine alte Liebe für den Jazz entdeckte. Seine Mutter hatte ihm einst Ella Fitzgerald nahe gebracht und von Billie Holiday fühlte er sich, wie er sagt, "wahnsinnig angesprochen". In Aachen also nahm Bax Gesangsunterricht bei Sabine Kühlich, der renommierten Jazzsängerin. Die Schauspielerei war nun nicht mehr, bekennt er, "meine Hauptleidenschaft". Er verband nun nach der Rückkehr nach Berlin Schauspiel mit Gesang und trat beim Musical "Ein Käfig voller Narren" auf.

2015 zog es Stert in eine andere Hauptstadt, in die des Jazz. In New York nahm er weiteren Gesangsunterricht bei Jay Clayton, der renommierten Avantgardevokalistin. Das Klavierspiel verfeinerten Kirk Nurock und die 2016 gestorbene Lennie-Tristano-Schülerin Connie Crothers. Freilich begab sich Bax auch auf die Suche nach musikalischen Vorbildern, vor allem nach alten deutschen Standards. Er fand sie in Hildegard Knef ("Diese Frau mit der großen Brille"), die mit ihrer tiefen Stimme nach dem Krieg am Broadway große Erfolge feierte. "Was es mit ihr auf sich hatte", war Bax nicht ganz klar und er drang tiefer in ihre Geschichte ein. Zurück in Berlin stieß Stert auf "Songs, die man so nicht kennt. Das Einsame und das Suchende ihrer Songs faszinieren mich. Diese Themen sind immer aktuell".

Auch lernte Stert Menschen kennen, die Hildegard Knef, die ihre letzten Jahre in Berlin verbrachte, wo sie 2002 starb, persönlich kannten. Ein Projekt mit bekannten Jazzmusikern entstand rasch, bald war auch das entsprechende Knef-Album im Kasten. Ihre Lieder werden wieder lebendig und damit auch Bax’ eigenes Berliner Lebensgefühl. "In meiner Phantasie ringe ich in meinem Zimmer zwischen Tatenlosigkeit und Unternehmungslust, die mich antreibt, Sehnsüchte wie Freiheit, Liebe, Glück in der Großstadt zu stillen", erklärt Stert. Seine Platte "Zimmer bei Nacht" stellt er am Montag in seiner alten Heimat vor. "Freiburg ist eine schöne und erholsame Stadt", sagt der Sänger. "Auf Dauer würde mir aber ohne Berlin etwas fehlen".

Bax: Zimmer bei Nacht, Freiburg, Schützen, Mo, 9. Oktober, 20.30 Uhr