Der Aufklärer

dpa

Von dpa

Do, 06. Dezember 2018

Rock & Pop

Musiker und Schauspieler: Marius Müller-Westernhagen wird heute 70.

Nein, ein alternder Popstar wolle er nicht werden. "Um Gottes willen, das ist unwürdig! Man darf eine Karriere nicht auf Ruhm und Erfolg bauen, die sind vergänglich", hatte Marius Müller-Westernhagen gesagt, als er vergangenes Jahr mit dem – inzwischen abgeschafften – Echo fürs Lebenswerk geehrt wurde. Dann gab er im Zuge der Antisemitismus-Debatte um den "Echo" alle sieben Preise aus Protest zurück. "Ich muss mich in meiner Arbeit erkennen, dann weiß ich, dass ich wahrhaftig bin, unabhängig davon, ob mich die Leute bejubeln oder verdammen." An Jubel hat es dem Rockstar nie gemangelt.

Ob Westernhagen zu seinem heutigen 70. Geburtstag auf seine Karriere blickt, auf die vollen Stadien und die Begeisterung seiner Fans, ist schwer zu sagen. "Der 6. Dezember ist für mich nur ein weiterer Tag in einem nach wie vor aufregenden Leben", hatte er an seinem 65. bekannt. Noch im August war Westernhagen bei seiner "Unplugged"-Tour durch Deutschland gereist. Ob "Alphatier" oder "Sexy" – die unverstärkten Versionen der Westernhagen-Hits kamen so gut an wie die elektrischen. Neben ihm ist auch Lindiwe Suttle aufgetreten, Westernhagens Frau, die er 2017 geheiratet hat.

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, da begann "MMW" seine Karriere. Der Sohn des Schauspielers Hans Müller-Westernhagen, der als Marius in Düsseldorf auf die Welt kam, als sein Vater im Drama "Marius" spielte, entdeckte die Theaterbühne. 1963 spielte er seine erste Hauptrolle in einem Fernsehfilm.

Bis 1987 spielte Westernhagen in 25 Filmen, etwa als Sprücheklopfer aus dem Ruhrpott in "Theo gegen den Rest der Welt". Mit einer Persiflage auf Paul McCartneys "Give Ireland Back to the Irish" sorgte er mit "Gebt Bayern zurück an die Bayern" für Aufsehen, 1975 folgte das Debütalbum und später die Empörung über sein Lied "Dicke". Mit Alben wie "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz", "Sekt oder Selters" und "Stinker" zeigte er Qualitäten als Textschreiber und Rock ’n’ Roller im Stil von Mick Jagger. Irgendwann fiel der "Müller" weg – Westernhagen wurde mit Alben wie "Westernhagen", "Halleluja", "JaJa", "Affentheater" und "Radio Maria" zum Superstar.

Auch nach den Sturm-und-Drang-Jahren sieht sich Westernhagen weiter als Aufklärer. Er habe sich stets als "Hofnarren" gesehen und wolle der Gesellschaft den Spiegel vorhalten, sagte er im vergangenen Jahr. "Das hat sehr viel zu tun mit Liebe und Empathie für die Menschen, die bereit sind, mir zuzuhören."