Die Genregrenzen ignorieren

Udo Andris

Von Udo Andris

Fr, 12. Oktober 2018

Rock & Pop

Im ambitionierten Crossover-Stil: GoGo Penguin traten im Freiburger Jazzhaus auf.

Auf der Bühne drei Musiker an Flügel, Kontrabass und Schlagzeug – die typische Besetzung eines Jazz-Trios. Doch wie die drei britischen Virtuosen ihre Instrumente behandeln, deren "Image" erweitern, ja mutieren lassen, erinnert dann nur noch in Ansätzen an den Charakter herkömmlicher Jazz-Piano-Trios. Das vertraute Instrumentarium wird auf hinreißende Weise in die extrovertierten Erlebnisräume, in die Sphären des Pop, Rock, der Electronica katapultiert.

Im sehr gut besuchten Freiburger Jazzhaus bannen und begeistern GoGo Penguin aus Manchester das Publikum. Die drei ehemaligen Musikhochschüler verzichten darauf, das Musizierideal bekannter Piano-Trios des modernen Jazz zu kopieren oder zu variieren. Da wird nicht – was leider häufig in der zeitgenössischen Szene geschieht – großen Namen wie beispielsweise Bill Evans, Chick Corea oder Keith Jarrett romantisierend und simplifizierend nachgeeifert: GoGo Penguin ignorieren Genregrenzen und schlagen auch eine Brücke zu einem eher jazzfernen Publikum mit Popsozialisation.

Und Chris Illingworth (Piano), Nick Blacka (Kontrabass) und Rob Turner an den Drums meistern die Wanderung zwischen den Welten mit Bravour. Ein klanglich-rhythmisch bezwingendes, durch eine imposante Light Show intensiviertes Event: Ein eklektizistisches Universum, aufgebaut aus Elementen des Pop, Rock, TripHop, Breakbeat, Minimalismus. Die gefeierte Crew kreiert ihre Kompositionen über Computer-Programme und Loop-Stationen, um sie dann live auf den akustischen Instrumenten zu intonieren.

Sehr effektvoll, wenn die Klänge des Klaviers und des Basses durch Electronics eine ungewohnte, neue Aura erhalten: Da tönen Nick Blackas auf dem akustischen Bass gestrichene Noten auch mal wie die schillernden Sounds einer E-Gitarre. Am Flügel setzt Chris Illingworth mit wiederholten Melodiekürzeln, dichten Blockakkorden und emotional gesättigten Harmonien auf eine körpernah-sinnliche Pianistik. Besondere Aufmerksamkeit weckt Rob Turner mit seinem vitalen, figurenreichen Drumming, das sich auch immer wieder wohltuend auf die treibenden Beats des Drum’n’Bass bezieht.

Sicher: Gogo Penguins Musik verdankt sich den Pionierleistungen des legendären schwedischen Esbjörn Svensson Trios (e.s.t.). Dennoch boten die drei mit ihrem ambitionierten Crossover-Stil ein Konzert der Superlative.