Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. November 2010

Die Szene lebt

Kleines Jubiläum: Die Freiburg Tapes erscheinen zum fünften Mal / Konzert morgen im Jazzhaus .

  1. Foto: Promo

Auch nach acht Jahren sind die
von der Musikervereinigung Multicore initiierten "Freiburg Tapes" noch eine charmante Idee: Rock- und Popmusiker aus dem Südwesten reichen anonym ihre Songs ein. Eine Jury kürt die besten Lieder – fertig sind die "Freiburg Tapes".

Das ist gerechter als jeder Bandwettbewerb vor Publikum, bei dem auch die Tagesform entscheidet und das größte Kontingent mitgebrachter Fans keine kleine Rolle spielt. Zudem verspricht die verdeckte Verkostung Chancengleichheit, auch wenn manche Teilnehmer aufgrund ihres eigenen Stils oder markanter Stimmen am Ende doch gleicher als gleich sind, nämlich wiedererkennbar.

Die fünfte Ausgabe der Klassenbesten-CD ist nun erschienen. 40 Vorschläge lagen auf dem Tisch, 14 Songs wurden von den neun Preisrichtern für gut befunden und finden sich nun auf einer CD, deren Cover die gute alte LH SM Cassette von BASF schmückt. Das nostalgische Motiv ist optisch schön, aber auch inhaltlich passend. Einige der vertretenen Musiker sind schon seit den Zeiten aktiv, als ein Tapedeck noch zur Grundausstattung in Sachen Hifi gehörte: Tim Beam, The Pleasure oder die Brothers. Die alten Hasen liefern wie erwartet Qualität – vornweg der Mann mit dem Bourbon im Nachnamen mit der hübschen Loser-Hymne "Hands" und The Pleasure mit ihrem refrainstarken, den Britpop der vergangenen 40 Jahre zitierenden "Baked Shame".

Werbung


Stark vertreten ist auf den fünften "Freiburg Tapes" die Ska-Fraktion. Auch hier trifft das Publikum alte Bekannte: Die Blue Babies und The Refrigerators haben die Tanzfläche fest im Blick, Skydive Naked flirten kräftig mit dem Genre und geben der rockigen Nummer "One More Tequilla" eine zweite Ebene.

Stilistisch gesehen frönen die "Freiburg Tapes" eher den traditionellen Rock- und Pop-Genres. Da macht es dann keine Ausnahme, ob die Songs in Englisch oder auf Deutsch vorgetragen werden. The Cornerstones präsentieren sich als Rocker reinsten Wassers, Maja Herbig schaffte es als Singer/Songwriterin auf das Album, Patty Moon mit gewohnt versponnenem Pop. Jonas Birthelmer, heute Mannheim, früher Student des International Music College in Freiburg, gibt als Einflüsse Rio Reiser und Hermann van Veen an. Energisch rocken Die Leute, Neo Rodeo liefern mit "Milchmann" den charmantesten Song des Samplers.

Beats, das Spiel mit Sounds und Elektronik und Härte bleiben die Ausnahme und jüngeren Musikern vorbehalten: Die HipHopper Buddah Woofaz setzen mit Cello, Querflöte und Fender Rhodes Kontrapunkte zur gerappten "Phantasie".

Livid Halycon – wie bei den Buddah Woofaz sind auch hier Geschwister am Werk – präsentieren poppigen Metal.

Acht der vertretenen Bands waren im übrigen bereits auf einer oder gar mehreren der vier früheren "Freiburg Tapes"-Folgen vertreten – das nehmen wir mal als Beleg dafür, dass die regionale Musiklandschaft von Beständigkeit geprägt ist. Dass die Szene lebt, zeigt sie auch live: morgen beim Release-Konzert im Jazzhaus. Elf der vierzehn Bands werden auf der Bühne stehen, jede wird ihren "Freiburg Tapes"-Song plus zwei weitere präsentieren.
CD: Freiburg Tapes Volume 5(Jazzhaus Records), 12 Euro, erhältlich im CD-Center in Freiburg und unter http://www.jazzhausrecords.com Konzert: Freiburg, Jazzhaus, Donnerstag, 25. November, 20 Uhr.

Autor: Peter Disch