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02. November 2015

Ein Gipfeltreffen mit Virtuosen ihres Faches

Weiler Bluesnacht steht ganz im Zeichen der Bluesharmonika.

  1. Kashmar, Cumellas und Baker (von links) Foto: Adrian Steineck

Ein Blues Harmonica Summit, also ein Gipfeltreffen von Virtuosen auf der Bluesharmonika, erlebten die Besucher der zweiten Weiler Bluesnacht. Mit dem Spanier Joan Pao Cumellas, dem Briten Steve Baker und dem US-Amerikaner Mitch Kashmar standen drei Meister dieses Instruments auf der Bühne, die eigene Akzente setzten und sich im furiosen Finale zugleich kongenial ergänzten.

Den Auftakt in dem da noch nicht ganz ausverkauften Gewölbekeller des Alten Rathauses bestritt Cumellas, den Miguel Talavera an der Gitarre begleitete. Der Auftritt des Duos, laut Klaus Deuss vom Team Exbluesive ein seltener Gast in Deutschland, verleitet die Zuhörer schon nach dem ersten Stück zu anerkennenden Rufen. Es ist aber auch ein Genuss, wie sich die Dobro-Gitarre und die Bluesharmonika ergänzen, umspielen und zueinander finden. Bei "I’m just a Fool" singt Cumellas, und zwar von dem archetypischen Bluesthema der Liebe und der Furcht vor dem Verlust der Angebeteten. Meisterhaft verpassen die beiden Musiker dem Klassiker "Rollin’ and Tumblin’" ein Flamenco-Gewand. "Wir experimentieren gerne", sagt Cumellas lapidar, und so spielt der Bluesharp-Künstler mal ein Intro, das jedem Italowestern zur Ehre gereichen würde, mal er ein derart rasantes Solo, das viele Besucher zweimal hinschauen, um sich zu vergewissern, dass alle Triller-, Pfeif- und Jubellaute wirklich von ihm alleine erzeugt werden.

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Den nach diesem furiosen Auftakt schwierigen zweiten Auftritt absolviert der seit knapp 40 Jahren in Deutschland Steve Baker, unterstützt von den Blues- & Boogiekings aus Hannover und Berlin. Niels von der Leyen am Piano, Jan Hirte an der Gitarre und Andreas Bock am Schlagzeug halten sich mal dezent im Hintergrund, mal setzen sie selber zu Soloeinlagen an. In "She Used To Be Beautiful (but she lived her Life to fast)" erweist Baker dem weitgehend vergessenen Forrest City Joe seine Reverenz. Bei eigenen Stücken wie dem als Lehrstück komponierten "Double-Crossed and Blue" läuft der sympathisch radebrechende Brite zu Höchstform auf, die Zuschauer in dem mittlerweile aus allen Nähten platzenden Keller spenden frenetischen Beifall ob der mal brachialen, mal sanften Klänge, die Baker seinem Instrument entlockt.

Zum Abschluss einer erstmals in drei Abschnitte eingeteilten Bluesnacht trat Mitch Kashmar auf die Bühne. Ebenfalls von den Blues- & Boogiekings unterstützt zeigt er, warum er in den USA zu beliebtesten Gästen auf Bluesfestivals gezählt wird. So seelenvoll, so energiegeladen und voller Leidenschaft hat man Evergreens wie Robert Johnsons "Ramble on my Mind" selten gehört. Kashmar steigert sich in die Soli hinein, spielt sich mit geschlossenen Augen in Ekstase. Frenetischer Beifall ist ihm dafür sicher.

Zum Abschluss kommt es zu dem versprochenen Gipfeltreffen: Baker, Kashmar sowie Cumellas und Talavera treten gemeinsam mit den Blues- & Boogiekings auf. Die Binsenweisheit von den vielen Köchen, die den Brei verderben, stimmt in diesem Fall nicht, denn die drei Bluesharp-Virtuosen gönnen einander Soloeinlagen und spielen zugleich traumwandlerisch sicher gemeinsam, wobei sie sich einen Spaß daraus machen, verschiedene Rockklassiker als Zitate einzustreuen. Nach der Zugabe "Drinking Beer" erhalten sie nicht nur das titelgebende Hopfengetränk, sondern auch Standing Ovations.

Autor: Adrian Steineck