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13. Oktober 2016

Ein Woodstock-Veteran, der sein Feuer bewahrt hat

Gitarrist Miller Anderson im ausverkauften Weiler Kesselhaus.

  1. Miller Anderson (vorne) und Bassist Janni Schmidt Foto: Adrian Steineck

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass im Dreiländereck ein Musiker gastiert, der bereits beim Woodstock-Festival auf der Bühne stand. Am Dienstag war es so weit: Im Gitarristen und Sänger Miller Anderson trat bei der ersten von neun Weiler Bluesnächten der neuen Saison ein Künstler auf, der das legendäre Hippie-Festival 1969 als Mitglied der Keef Hartley Band miterlebt hat. Nun sind Verdienste der Vergangenheit noch kein Garant für einen magischen Konzertabend in der Gegenwart. Wenn sich aber ein Veteran wie Miller Anderson, der in diesem Jahr 71 geworden ist, sein Feuer bewahrt hat und junge Musiker um sich schart, die ihn kongenial unterstützen, dann sind wie im vollbesetzten Kesselhaus in Weil-Friedlingen alle Zutaten vorhanden für einen denkwürdigen Abend.

Die Band startet mit einem Song des Albums "Bluesheart" (2003). Bereits hier spielt der Keyboarder Frank Tischer, dessen expressive, mitunter manisch anmutende Mimik allein schon sehenswert ist, ein Hammondorgelsolo, für das er frenetischen Szenenapplaus erntet. Bei dem unter anderem von den Rolling Stones eingespielten Klassiker "Route 66" übernimmt der Tastenmann dann erstmals den Hintergrundgesang. Zu seiner Linken glänzt der "junge Mann of the Band", wie Miller Anderson den Bassisten Janni Schmidt nennt, mit rasanten Bassläufen, die den Stücken mitunter ihre mitreißenden Funk-Einsprengsel verleihen wie bei "Little Man Dancing", dem Abschluss der ersten Konzerthälfte, der sich zum mehr als zehnminütigen Parforceritt entwickelt. Schlagzeuger Tommy Fischer beherrscht sein Arsenal an Perkussionsinstrumenten virtuos und bearbeitet die Felle auch schon einmal im wuchtigen Stil des Led Zeppelin-Schlagzeugers John Bonham.

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Miller Anderson selbst präsentiert sich abgeklärt, ohne gelangweilt zu wirken. Er hat es nicht nötig, mit seiner Ausrüstung zu imponieren. Zwei Gitarren und das überlegt genutzte Wah-Wah-Effektpedal reichen ihm. In aller Seelenruhe sucht er sich für seine Bluesharp-Einlagen das passende Instrument aus, wohl wissend, dass da eine virtuose Band in seinem Rücken agiert. Bezeichnend ist eine Szene bei "Route 66": Miller Anderson spielt ein Bluesharp-Solo, das ob seiner Rasanz Szenenapplaus erntet. Der Bandleiter aber winkt nur dankbar lächelnd ab und zeigt auf seinen Keyboarder, der gerade zu einem Pianosolo ansetzt: Ihm solle doch bitte jetzt die Aufmerksamkeit gelten.

Am Tag zuvor trat die Miller Anderson Band bereits im Berggasthof Waldhaus in Schopfheim auf. "Da war kein Ton so wie gestern", schwärmt ein begeisterter Besucher beider Konzerte. In Weil gehen die mehr als 70 Besucher bei Klassikern wie "Help Me" von Sonny Boy Williamson begeistert mit, vor allem als Miller Anderson den Mittelteil von Bob Marleys "Buffalo Soldier" einbaut. Auch zwischen den Songs erweist der Bluesrocker anderen Musikern seine Reverenz – und sei es in Form einer Parodie, so bei den markanten Stimmen von Johnny Cash und Bob Dylan, die er stilgenau trifft.

Zum Ende des gut zweieinhalbstündigen Konzerts gerät "Hey Joe" in der Jimi-Hendrix-Version zum Fanal an der E-Gitarre. Kaum vorstellbar, was jetzt noch kommen könnte. Aber es kommt noch etwas als Zugabe – als Hommage an den Deep-Purple-Keyboarder Jon Lord "When a Blind Man Cries". Hier erschlägt Anderson etwas die Subtilitäten des Songs. Das aber vermag an den überwältigenden Gesamteindruck dieses Konzertabends auch nichts mehr zu ändern.

Nächste Weiler Bluesnacht: Dienstag, 8. November, 20 Uhr, mit Tee Dee Young und der Henry Carpaneto Band

Autor: Adrian Steineck