Ein ziemlich alter Mann, der richtig loslegt

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 14. März 2016

Rock & Pop

Der Bluesmusiker Jimmy Johnson im Gewölbekeller Weil am Rhein.

Es war ein Erlebnis, einen der Altmeister des Chicago Blues live zu erleben, und das in der familiären Atmosphäre des Gewölbekellers im Alten Rathaus. Jimmy Johnson war mit seiner Band bei der Weiler Bluesnacht zu Gast, und Klaus Deuss, der für das Programm mitverantwortlich zeichnet, nannte ihn eine Legende. 87 Jahre ist Jimmy Johnson alt, doch der Gitarrist und Sänger, der im Gewölbekeller auf die Bühne stieg, wirkte keineswegs wie ein alter Mann. Nachdem die Band das erste Stück ohne ihn gespielt hatte, kam er auf die Bühne, hängte sich die elektrische Gitarre um und legte los. Mit knackigem, rockigem Chicago-Blues sorgte das Quartett von Anfang an für Stimmung. Dabei erwies sich Jimmy Johnson als erstaunlich vital, flink und wendig an der Gitarre und seine Stimme war kraftvoll und zupackend wie die eines jungen Mannes.

Eigentlich wurde Jimmy Johnson unter dem Namen James Thompson im November 1928 im Süden geboren, in Mississippi, wo er früh schon Gospels sang. 1950 zog er nach Chicago, um in der Fabrik zu arbeiten, sang aber weiter Gospel und lernte Gitarre zu spielen. Er knüpfte Kontakte zur Bluesszene, spielte mit anderen Musikern und als Bandleader in Chicagoer Clubs. Anfang der 1970er Jahre wandte er sich ganz dem Blues zu, spielte mit Jimmy Dawkins, Otis Rush, Freddy King und anderen, bevor er 1978 – als 50-Jähriger – sein erstes eigenes Album herausbrachte. Vor fast genau 20 Jahren, im April 1996, war Jimmy Johnson schon einmal in Weil am Rhein, damals bei der von Dieter Brunow mitorganisierten Reihe "Jazz in Weil" vor knapp 300 Besuchern in der Altrheinhalle in Märkt.

Nun trat er im Gewölbekeller auf, der mit 120 Besuchern schon im Vorfeld ausverkauft war. Zusammen mit einer tollen Band präsentierte Johnson einen Querschnitt durch sein Werk, eine Mischung aus eigenen und gecoverten Songs. Dabei zeichnen sich seine Stücke durch schöne Melodien aus, zu denen die Musiker einen munteren Groove spielten. Voller Spielfreude und zu Scherzen aufgelegt begeisterte Jimmy Johnson sein Publikum, lobte es aber auch, weil es nicht herumhüpfte, sondern dasaß und zuhörte. Dieser Mann hat den Blues im Blut, und das Alter tut ihm keinen Abbruch. Dass er in jüngeren Jahren auch Gospel und Soul gespielt und gesungen hat, war indessen zu spüren. Kraftvoll, aber auch soulig klang seine Stimme, und ein Stück kündigte er an, es sei eine Art Kirchenlied: "People Get Ready" von Curtis Mayfield. Auch die Gitarre spielte er nach wie vor eindrucksvoll und lieferte sich mit seinem zweiten Gitarristen ein spaßiges, improvisiertes Call-and-Response-Duett. Der Bassist sorgte für einen druckvollen, rollenden Groove, der Schlagzeuger unterlegte ihn mit einem federnden Rhythmus.

Als Vorband hatte das Duo Acoustic Blues Drifter aus der Schweiz mit dem Mundharmonikaspieler Walter Baumgartner und dem Gitarristen Joe Schwach einen fetzigen und virtuosen Mix aus eigenen Songs und Coverversionen wie "Ol’ 55" von Tom Waits gespielt. Gegen Ende seines zweistündigen Konzerts holte Jimmy Johnson Walter Baumgartner auf die Bühne zurück, der mit gefühlvollem, melodiösem und virtuos improvisiertem Mundharmonikaspiel Johnsons Songs bereicherte. Das Publikum war begeistert, gab sich nicht ohne Zugabe zufrieden und feierte diesen älteren Herrn, der lässig, locker und gekonnt frischen und vitalen Blues spielte.