Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
08. Oktober 2008
Geschmackvoller Jazz zum Mitnehmen
Der Basler Club "The Bird’s Eye" hat eine eigene CD-Reihe – "Ballads" ist das jüngste Album
Dass Basel eine Reise wert sei, ist – zugegeben – eine Binsenweisheit. Zu den Gründen zählen nicht nur die bekannten (schöne Altstadt, hübsche Rheinpromenade, Schweizer Großstadt-Feeling), sondern auch "The Bird’s Eye". Der Jazzclub, in unmittelbarer Nähe des Barfüsserplatzes mitten in der Altstadt gelegen, ist eine gute Adresse für alle Freunde der improvisierten Musik. Der Name ist dem Zeichen für die Fermate nachempfunden; jenem musikalischen Symbol also, das die Länge einer Note der Phantasie des Musizierenden überlässt.
Die Musik, die im Club gespielt wird, kann man aber nicht nur vor Ort genießen. Das "Bird’s Eye" hat auch eine eigene CD-Reihe mit Konzertaufnahmen. Neun Alben sind darin bisher erschienen. Obertitel jeder CD: "Live at the Bird’s Eye". Untertitel der ersten CD: "Sommertrios 2000". Einige Alben sind schlicht Sampler mit diversen Künstlern. Andere sind einem Genre gewidmet: "Piano Trios", "Singers" oder "Strings on Top".
Das jüngste Album ist ein Wagnis: "Live at the Bird’s Eye Jazz Club – Volume 9, Ballads". Also leise, langsame, ruhige Stücke. Und, offen gestanden, der Funke springt nicht gleich über. Weil man sich einlassen, regelrecht heruntertouren muss auf die weltabgeschiedenen Töne dieser CD. Das vorausgesetzt, funktioniert es dann: "Ballads" ist eine passende Begleitmusik zu allen Tagen, die eher zum Zu-Hause-, wenn nicht gar zum Im-Bett-Bleiben animiert als zum Draußen-Herumstreifen.
Werbung
Sieben Nummern lang, insgesamt eine knappe Stunde, dauert die CD. Sieben Formationen sind zu hören, die Aufnahmen entstanden in den Jahren 2002 bis 2007. Zu den eingängigen Stücken im üblichen Sinn zählt "Magone" mit dem Bert-Joris-Quartett (Bert Joris, Trompete, Dado Maroni, Klavier, Ira Coleman, Bass, Dré Pallemaerts, Schlagzeug). Andere Stücke wirken schwieriger, fordern den Hörenden mehr, etwa "Color of water" von der Formation The Endgrad mit Johannes Enders am Saxofon, der den Titel auch geschrieben hat.
Bassist Stephan Kurmann, Geschäftsführer und musikalischer Leiter des Clubs, favorisiert "Magone". Er teilt auch den Eindruck, dass die Scheibe aus seinem Haus eher eine der leisen Sorte ist; aber "Hintergrundmusik", sagt er, sei sie auch nicht. Unter Musikern seien Balladen beliebter, als man gemeinhin glaube, lässt er durchblicken. Auf die Frage, welche der CDs aus dem Klub er für die beste halte, kommt von Stephan Kurmann nichts Unerwartetes: Die neueste, sagt er, sei "immer am besten".
Die Club-eigenen Alben erscheinen in einer Auflage von 600 Stück. Die Hälfte der Auflage bekommt ein Sponsor zum Weitergeben, die andere Hälfte wird frei verkauft. Aber in die Läden gehen die CDs nicht – man will Konkurrenz mit den eigenen Produktionen der Gruppen vermeiden. Erwerben kann man sie im Club oder über die Website. Kurmann: "Wenn wir hundert verkaufen, ist es schon viel."
– The Bird's Eye Jazz Club,
Kohlenberg 20, Basel
http://www.birdseye.ch
Autor: Frank Berno Timm
