Hart und kraftvoll geht es zur Sache

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Do, 01. Februar 2018

Rock & Pop

Guy King mit Band bei der Weiler Blues-Nacht im Kesselhaus.

Es war ein heißer, harter und elektrischer Blues, den Guy King am Dienstagabend bei der Weiler Blues-Nacht im fast ausverkauften Kesselhaus in Friedlingen spielte. Druckvoller, urbaner Blues im Chicago-Stil, zelebriert von einem glänzenden Gitarristen und einer Band, die munter und kraftvoll groovte. In den USA hat es Guy King durch unzählige Konzerte und als Opener vor Konzerten von B. B. King oder Buddy Guy bereits zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Sein aktuelles Album "Truth" ist nominiert für den Blues Award 2017 in der Kategorie "Best Emerging Artist Album".

In Deutschland ist er zum ersten Mal unterwegs, nach einem Konzert am Vortag war sein Auftritt in Weil am Rhein der zweite, den er je in Deutschland gab. Deshalb entschuldigte er sich auch für sein "nicht existierendes Deutsch". Man verstand den in Israel geborenen und seit Langem in den USA lebenden Musiker auch auf Englisch, und er kommunizierte reichlich mit dem Publikum, sprachlich ebenso wie musikalisch, animierte die Leute zum Mitsingen und Mitklatschen. Der intime Rahmen im Kesselhaus, der unmittelbare Kontakt zum Publikum machte ihm sichtlich Spaß. So fühlte er sich auch ermuntert, die intime Geschichte eines seiner Songs zu erzählen, den er für eine Frau geschrieben, in die er sich verliebt hat, und die, ohne zu wissen, dass der Song für sie ist, einwilligte, ihn im Duett mit ihm zu singen. Zwei Jahre später sei sie seine Ehefrau gewesen, heute haben sie eine neun Monate alte Tochter, erzählte er.

Guy King spielte eine Mischung aus eigenen Stücken und Blues-Klassikern wie "Born under a bad sign", "Georgia on my mind", das er als sehr getragenen Slow-Blues mit einem zärtlichen Gitarrensolo im Mittelteil spielte, oder "Gangster of love" von Johnny Guitar Watson, eigentlich eine R&B-Nummer. Aber Anklänge an R&B waren durchaus in Kings Musik enthalten, und jedes Stück leitete er mit einem feinen, virtuosen, meist ruhigen und konzertanten und sehr vom Jazz inspirierten Gitarrensolo ein. Danach folgten aber meist kraftvolle und zupackende Blues-Nummern.

Schneidende Gitarrensoli

Begleitet von einer mächtig groovenden Band aus Frankreich, die schon mit JJ Thames im Kesselhaus war, spielte Guy King eine mitreißende und ohne Zweifel tanzbare Party-Musik, die dennoch hohe musikalische Qualitäten aufwies. King ist nicht nur ein kraftvoller Blues-Sänger mit prägnanter Stimme, er ist auch ein bemerkenswerter Gitarrist. Seine schneidenden, rasanten und brillant gespielten Soli erhielten viel Applaus. Als während eines Stücks eine Saite seiner Gitarre riss, spielte er auf fünf Saiten weiter und bemerkte hinterher: "Ich habe euch gesagt, wir spielen hart heute Abend!" Dass es ihm das Publikum nicht übel nahm, dass er auf offener Bühne eine neue Saite aufzog, freute ihn besonders, und nicht minder hart und kraftvoll ging es danach weiter. Guy King gab ein musikalisch spannendes, energiegeladenes Konzert mit packendem, urbanen und modernen Blues und begeisterte immer wieder durch seine virtuosen Gitarrenkünste. Zur Zugabe drehte die Band nochmals richtig auf.