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25. Januar 2012
Burghof Lörrach
Hubert von Goisern - Rock auf dem Akkordeon
Er ist vermutlich der Erfinder des Alpenrocks. Und wer das für eine behäbig-bierselige Biedermusik hält, der kennt Hubert von Goisern nicht. Jetzt spielte er mit seiner Band in Lörrach.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt er sich mit der Dekonstruktion von Volksmusik, er setzt sie neu zusammen und stellt sie in ein neues Umfeld, vermischt sie mit Rock’n’Roll, und was dabei herauskommt, das ist nicht nur musikalisch spannend, es strahlt auch so viel Lebensechtheit aus, dass man als Zuhörer gefangen genommen ist von der urwüchsigen Kraft dieser Musik. Kein Wunder, dass der Lörracher Burghof, wo Hubert von Goisern am Montagabend zum wiederholten Mal aufgetreten ist, mit mehr als 1100 Besuchern ausverkauft war, wobei das Publikum altersmäßig sehr gemischt war.
Nach einem ruhigen Eröffnungsstück legten Hubert von Goisern und seine drei Bandmitglieder mit knackigem Rock los, ein volksmusikalischer Melodieschnipsel wurde unversehens zum Rock-Riff, und das Publikum ging sogleich mit. Das Akkordeon ist kein Instrument der Rockmusik, und doch spielt Hubert von Goisern es so draufgängerisch, dass es eines wird. Er entlockt ihm Melodien von mitreißendem Schwung, er streichelt und fordert sein Instrument. Eine tolle Band sorgte für munteren Groove, mit dem Gitarristen Severin Trogbacher, dem Bassisten Helmut Schartlmüller und dem Drummer Alexander Pohn hat er ausgezeichnete Mitspieler dabei. Doch Hubert von Goisern könnte alleine eine Band ersetzen, das Akkordeon tauschte er gegen die elektrische, die akustische Gitarre und eine Hawaii-Gitarre, für die eigens ein Gestell gebastelt wurde, damit er nicht im Sitzen spielen muss. Auf das Gestell passt dann auch ein Keyboard, Mundharmonika spielt er auch noch, und sogar Klarinette, die er als junger Bub in einer Blaskapelle seines Heimatortes nur widerwillig spielte, wie er erzählte.
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Die Songs des Hubert von Goisern sind von mitreißender Authentizität, häufig sang das Publikum im Burghof mit, und das mache ihm im Gegensatz zu früher auch gar nichts mehr aus, verriet er. "Es kommt mir vor wie Urlaub, wenn ich nach Lörrach komme", sagte er und bedauerte, meist nicht genügend Zeit zu haben. Es stimme nämlich gar nicht, dass es überall schön sei. Aber alles sei natürlich kein Vergleich zu Goisern, woraufhin Hubert Achleitner, wie er mit bürgerlichen Namen heißt, ein Lied über seinen Heimatort sang.
Songs von seinem jüngsten Album "Entwederundoder" gehörten zum Programm, etwa "Indianer", nach der rockigen Abteilung folgten Blues und Balladen, "Mercedes Benz" von Janis Joplin sang er auf österreichisch mit einem Reggae-Rhythmus unterlegt und mit Akkordeon begleitet. Immer wieder verband er die urwüchsige Kraft unverkitschter Volksmusik mit dem Power des Rock’n’Roll, und immer gelang diese Verbindung sehr eindrucksvoll.
Als zweite von insgesamt vier Zugaben spielt er seinen schon älteren Hit "Weit, weit weg", vom Publikum schon bei den ersten Tönen begeistert beklatscht, um sich ganz am Ende nach zwei Stunden Konzert mit einem Jodelstück und der Hoffnung zu verabschieden, dass es nicht das letzte Mal war, dass er in Lörrach gewesen ist. Das wünschte sich das begeisterte Publikum auch.
Autor: Thomas Loisl Mink
