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06. April 2013

"Ich möchte nicht mehr planen"

BZ-INTERVIEW: Peter Plate über das Ende des Popduos Rosenstolz und sein erstes Soloalbum "Schüchtern ist mein Glück" .

  1. „Wer weiß, was die Zukunft bringt“: Peter Plate Foto: Ferran Casanova

Im Leben von Peter Plate, 45, stapeln sich die Neuanfänge. Zuerst kam die Burnout-Erkrankung, die er im Jahr 2009 publik machte. Plate und Sängerin Anna R. legten daraufhin ihr erfolgreiches Popduo Rosenstolz auf Eis. Es folgte der private Neuanfang. Plate und sein langjähriger Lebensgefährte Ulf Sommer trennten sich. Die beiden machen allerdings weiterhin gemeinsam Musik. Dann gab es 2011 ein Comeback mit Rosenstolz. Doch bald war der Motor wieder abgewürgt. Nun der vierte Neuanfang: Peter Plates erstes Soloalbum "Schüchtern ist mein Glück". Steffen Rüth sprach mit Plate darüber.

BZ: Peter Plate, ist es ein langgehegter Plan oder ein spontaner Entschluss gewesen, Ihr Soloalbum "Schüchtern ist mein Glück" aufzunehmen?
Peter Plate: Beides. Ein Traum war es immer, aber mehr so ein Traum, von dem ich nie dachte, dass ich ihn verwirklichen würde. Die Frage war: Wie geht es nach Rosenstolz jetzt weiter? Produziere ich andere Künstler? Schreibe ich ein Musical? Oder mache ich was für mich? Und dann ist das einfach so passiert. Ich werkelte so vor mich hin und ziemlich plötzlich dachte ich mir: "Warum mache ich jetzt nicht mal etwas Eigenes?"

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BZ: An allen Liedern war wieder Ihr langjähriger Rosenstolz-Mitstreiter und Ex-Lebenspartner Ulf Sommer beteiligt, wie lief das trotz Ihrer Trennung?
Plate: Ulf und ich arbeiten seit 20 Jahren zusammen. Es hat mich ein bisschen Überzeugungsarbeit gekostet, aber es war mir unheimlich wichtig, dass er dabei ist. Viele der Songs haben wir auf Mallorca in einem Häuschen geschrieben. Das war so idyllisch, wie es sich anhört. Ulf, der Co-Autor Daniel Faust, ich und unsere Partner lebten dort alle unter einem Dach. Ganz in Ruhe nur mit akustischer Gitarre und meiner kleinen Stimme haben wir die Lieder entwickelt.
BZ: Im CD-Booklet danken Sie ihrer "kleinen eigenen Family: Lucky, Lee und Jam!" Wer ist wer?
Plate: Lucky ist der Kater, Lee der Mann und Jam der Hund. Ein Beagle, erst acht Monate alt, unser jüngster Familienzuwachs. Anders als der Kater braucht der Hund sehr viel Aufmerksamkeit und strukturiert den Tag. Das war keine Hauruck-Entscheidung, wir haben uns ein ganzes Jahr lang überlegt, ob wir uns einen Hund anschaffen wollen, und ich merke, der Hund tut mir sehr gut.
BZ: Stichwort Hauruck-Entscheidung. Im vergangenen Jahr haben Sie gemeinsam mit Anna R. verkündet, dass Rosenstolz nach mehr als 20 gemeinsamen Jahren auf unbestimmte Zeit pausieren werden. Dabei war gerade erst das Comeback-Album veröffentlicht worden. Warum also?
Plate: (schweigt lange) Es hat einfach nicht mehr ... geprickelt. Und dann ist es nur ehrlich, wenn man sagt, dann lässt man es erst mal.
BZ: War es das jetzt mit Rosentolz? Anna hat ja mit Gleis 8 auch eine neue Band.
Plate: Das lassen wir auf uns zukommen, und wir lassen uns bei unseren gegenseitigen Abenteuern in Ruhe. Wer weiß, was die Zukunft bringt.
BZ: Ist das Ende einer Band-Beziehung vergleichbar mit dem Ende einer Liebesbeziehung?
Plate: Ja, das kann man so sagen. Ich glaube, es hat noch kein Paar geschafft, sich zu trennen und zu sagen "Das war genau der richtige Zeitpunkt". Man verpasst praktisch immer den besten Moment.
BZ: Haben Sie für sich selbst jetzt andere Songs geschrieben als für Rosenstolz?
Plate: Na klar. Ich kann keine Lieder singen, die über drei Oktaven gehen, so eine Riesenstimme habe ich natürlich nicht. Ich musste für mich selbst eine Tonlage finden, ich habe ja höchstens mal hier und da bei Rosenstolz gesungen. Jetzt weiß ich: Zu meiner Stimme passt melancholischer Pop, aber eben: Pop.
BZ: "Wir beide sind Musik", die Single, erinnert an "Viva la Vida" von Coldplay. Absicht?
Plate: Ohhh, danke. Das ist mein Welthit des Jahrzehnts. Es gibt kaum einen Song, den ich in meinem Leben öfter gehört habe als "Viva la Vida".
BZ: Sie haben bisher ein einziges kleines Solokonzert gegeben. Planen Sie eine richtige Tournee?
Plate: Seitdem ich erwachsen bin, habe ich immer vorgeplant: Tour, Album, Tour, Album, Krise, Album, neue Krise...(lacht). Ich möchte nicht mehr planen. Wenn wir live spielen, dann erst mal klein, ich weiß ja auch überhaupt nicht, ob da jemand kommen möchte. Zuerst aber will ich auf mich selbst aufpassen. Ich lasse mich nicht mehr verrückt machen. Ich wäre ja auch dumm, wenn ich diese Lektion noch nicht gelernt hätte.

– Peter Plate: Schüchtern ist mein Glück (Island/Universal)

Autor: rüth