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28. Januar 2012 00:03 Uhr
Studioalbum "Old Ideas"
Leonard Cohen: Alte Themen, neue Lieder
Leonard Cohen hat es noch einmal getan: "Old Ideas" heißt sein neues Album. Alte Ideen? Aber ja. Lauter alte Cohen’sche Themen kehren auf der Platte wieder.
Altersweise wirkte er, als er vor vier Jahren beim Stimmenfestival in Lörrach auftrat. Eine elegante Erscheinung in Anzug und Hut, gerne ein selbstironisches Witzchen auf den Lippen, ein Sänger, der sich vor seiner Band verneigte und seinem Publikum seine Liedklassiker in erlesener Instrumentierung kredenzte. Weil seine Managerin ihn ums Vermögen gebracht hatte, hatte Leonard Cohen sich nach langer Pause wieder ins Musikgeschäft begeben müssen. Die Welttournee, die ihn auch nach Südbaden führte, war ein großer Erfolg.
Die nachgereichten DVD- und CD-Dokumentationen schienen wie die Krönung eines Lebenswerkes: Songs wie "Suzanne", "So long Marianne" und "Hallelujah" in Fassungen letzter Zunge, wenn man so sagen will. Der große melancholische Sänger aus Kanada, der in den 60ern und 70ern die Liebeskrankheit und später die spirituelle Suche besungen hatte wie kein Zweiter, hatte sich selbst zum großen Alten der Singer/Songwriter gemacht. Ein neues Studioalbum war da nicht unbedingt mehr zu erwarten. Und es wurde auch gar nicht unbedingt gewünscht, seinen Verehrern hat Cohen längst genug gegeben.
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Nun aber hat der 77-Jährige es doch noch einmal getan: "Old Ideas" heißt das Album, das gestern auf den Markt kam. Alte Ideen? Aber ja. Die Vergeblichkeit der Gefühle, die Versklavung des Verehrenden, die Vergebung der Schuld – lauter alte Cohen’sche Themen kehren hier wieder. Liebe und Religion, Trauer und Heilung werden in Songs besungen, die Titel wie "Crazy to Love You" und "Amen", "Anyhow" und "Come Healing" tragen. Es sind allesamt Stücke, die sich nahtlos in das Werk von Cohen fügen.
Mal ist der Sänger ein Bittsteller, der sich von seinem Gegenüber wünscht, es möge ihm sagen, dass es ihn will, oder es möge ihm verzeihen, auch wenn er weiß, dass das nicht geht. Dann wieder ist er ein Ankläger, der weiß, dass er und sein Gegenüber beide an Regeln glauben, der aber den Ton des Gegenübers gar nicht mag. Der ergreifendste Text aber ist der des ersten Liedes, "Going Home". In dem singt Cohen von sich selber in der dritten Person: "he’s a sportsman and a shepherd / he’s a lazy bastard / living in a suit." Und weil er auch von einem Heimkommen singt, mit dem er alle Last und Sorge hinter sich lassen will, klingt es wie ein Abschied von sich selbst. Der Stimme Cohens, diesem dunklen Raunen, wie immer ganz nah aufgenommen, antwortet ein engelsgleicher Chor – als ginge der Sänger schon in den Himmel ein.
Überhaupt die Sängerinnen. Seine Tourvokalistinnen Sharon Robinson und die Schwestern Hattie und Charley Webb, dazu Dana Glover und Jennifer Warnes – wieder sind die Frauen Cohens unentbehrliche Begleiterinnen, mit sehr schönen, von ihnen selbst arrangierten Parts. Die Begegnungen mit dem anderen Geschlecht, die er besingt, inszeniert Cohen auch musikalisch.
Was die Arrangements angeht, ist er von den Modernismen einiger früherer Alben zum Glück wieder abgekommen. Die Musik auf "Old Ideas" klingt so zeitlos wie die Texte. In den sparsamen Arrangements setzen hier ein Banjo (einer der Songs handelt auch von einem solchen, einem zerbrochenen allerdings), dort eine Geige und woanders ein Flügelhorn Akzente. Auf drei Stücken spielt der Sänger selbst seine Akustikgitarre. Cohens unglaubliche Live-Band, die ihn damals auch in Lörrach begleitete, ist leider nur bei einem Stück dabei, bei "Darkness". Dieser drängende Blues mit Orgelsolo ist einer der Höhepunkte. Wenn man sich nach "Old Ideas", diesem schönen Album, nun vielleicht doch noch ein weiteres wünschte, wäre es eines mit diesem Nonett.
– Leonard Cohen: Old Ideas (Columbia/Sony)
Autor: Thomas Steiner
