Lieder über Liebe, das Trinken und den Blues

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Do, 06. Dezember 2018

Rock & Pop

Die US-amerikanische Sängerin und Jazz-Interpretin Madeleine Peyroux war in Freiburg zu Gast.

"Careless Love" ist ein eher trauriger, uralter Folkschunkler, den auch Jazzer ganz gern im Programm haben. Legionen von Musikern haben das Lied adaptiert, darunter Größen wie Louis Armstrong, Bing Crosby bis hin zu Bob Dylan und Bessie Smith. Und natürlich hat auch Billie Holiday das Lied gesungen. Jene 1959 gestorbene Jazz-Interpretin, die vielen bis heute als die Beste ihres Faches gilt. Jetzt wurde "Careless Love" zum gefeierten Höhepunkt des Auftritts von Madeleine Peyroux im luftig gefüllten Freiburger Jazzhaus. Peyroux wird nachgesagt, in ihrer stimmlichen Phrasierung Holiday sehr nahe zu kommen, weshalb sie bei Experten und Publikum hohe Wertschätzung genießt. Ihre Platten, von denen mit "Anthem" vor kurzem ihre mittlerweile neunte erschien, erfreuen sich denn auch recht stabiler Verkaufszahlen.

Die mittlerweile 44 Jahre alte Chanteuse, die in Brooklyn groß geworden ist und später in Paris und New York auch als Straßenmusikerin ihren Unterhalt verdiente, bot "Careless Love" als Rausschmeißer dar, bei dem insbesondere die vier Begleiter ihre Virtuosität aufblitzen ließen. Andy Ezrin an den Tasten und Gitarrist Jon Herington boten das, was insbesondere die Besucher im gesetzteren Alter begeisterte: lange, druckvolle und melodiöse Soli. Großer Beifall.

Den größten Teil der Setlist hatte Peyroux für die Songs von "Anthem" reserviert, für das sie unter anderem mit Larry Klein und Dean Parks auch einige US-Studiogrößen hatte gewinnen können – und mit denen zusammen sie erstmals quasi alle Titel auch selbst schrieb. Nur "Anthem" selbst stammt aus der Feder von Leonard Cohen. Einem, wie sie sagt, "meiner großen Vorbilder".

Thematisch kreisen Peyrouxs Lieder um Liebe, das Trinken und den Blues. Um die Bausteine also, um die sich das Leben vieler Musiker dreht. Wobei sie sich stets um Stil bemüht. Nie wird es auf der Bühne unangenehm laut, es gibt kein Posing und auch sonst keine Mätzchen. Peyroux widmet sich ganz ihrer Musik, die melodisch fließt und wunderbar entspannt. Kaminzimmeratmosphäre im Kellerclub.

Der gut zweistündige Ausflug durch ihr breitgefächertes, gleichwohl kompositorisch doch eher ein bisschen gleichförmiges Repertoire gleitet dank der auf hohem Niveau musizierenden Band nie ins Banale ab. "Isn’t this a lovely day?", fragt Peyroux zum Ende hin das Publikum, in dem sie den alten Song aus dem Film "Top Hat", den auch Ella Fitzgerald und Diane Krall im Programm hatten beziehungsweise haben, zu Gehör bringt. Für das Publikum in Freiburg keine Frage: Der Tag oder besser dieser Abend – er war ein Genuss.