James Hunter Six

SOUL: Ungeschliffene Tugenden

Stefan Franzen

Von Stefan Franzen

Mi, 14. Februar 2018

Rock & Pop

Kein Wunder, dass James Hunter für die Retrowelle im Soul nur ein müdes Grinsen übrig hat. Denn das Genre ist seit 30 Jahren die Domäne des Briten. Fast logisch, dass er auf Daptone landen musste, der Heimstatt der 2016 gestorbenen Sharon Jones. "Whatever It Takes", das zweite Werk für das Label, bringt durch analoge Studiokunst alle ungeschliffenen Tugenden des Sängers und seiner Musiker zum Glänzen. Die nicht einmal halbstündige Tour durch eine Soundästhetik der späten 1950er zwischen Sam Cooke und Bobby Blue Bland lebt von wunderbar s(w)ingenden Riffs auf doppelt besetztem Saxophon, von glimmender Orgel, grandiosen Drum-Fills. Neben seiner Gesangsrolle versucht sich der Protagonist nach langer Zeit auch mal wieder an einer Soloeinlage auf der Les Paul "(Blisters"), die wunderbar knistert und rappelt. Er liefert wie ein frisch Verliebter eine bezwingende Ballade, deren Refrain nur aus einem genießerischen "Mm-Hmm" besteht, lädt im Titelstück zu einem Cha-Cha-Cha. Und im Finale von "I Got Eyes" explodiert er förmlich mit schreiendem Falsett.

The James Hunter Six: Whatever It Takes (Daptone/Groove Attack).