Tradition und Zeitgeist

Reiner Kobe

Von Reiner Kobe

So, 16. Dezember 2018

Rock & Pop

Der Sonntag Die Echoes of Swing kommen nach Lörrach.

Die Echoes of Swing sind mit der Geschichte des Jazz bestens vertraut. Sie haben vor 20 Jahren Aufnahmen bedeutender Jazzgrößen der 20er bis 40er Jahre für sich entdeckt, deren reichhaltige musikalische Substanz erkannt und sie ohne zu kopieren oder nostalgisch zu verklären am Leben erhalten. Das Quartett aus dem Kohlenpott will, gibt Pianist Bernd Lhotzky gegenüber dem Magazin Jazz Podium zu verstehen, "dass klassischer Jazz, wie wir ihn spielen, nicht als etwas Altbackenes und Altmodisches wahrgenommen wird, sondern als etwas Kunstvolles, Zeitloses, Lebendiges".

Klassischer Jazz, nicht Oldtime oder Dixieland wohlgemerkt, der manchem in den Sinn kommen mag. "Es ist ein furchtbares Wort, mit dem wir nichts anfangen können", heißt es weiter. Das erste Album der Band, "Harlem Reflections", war vom Geist des Swing erfüllt, wie ihn Musiker wie Fats Waller und Duke Ellington, Komponisten wie Irving Berlin oder Cole Poter pflegten.

Echoes of Swing, das sind vier Musiker, die sich vor exakt 20 Jahren trafen und bis heute in unveränderter Besetzung spielen. "Es hat mit Freundschaft zu tun, dass wir so eng korrespondieren. Wir sind schon so viel gereist, seitdem wir zusammen sind. Wir haben nur so viel gespielt, weil das so eng verzahnt ist", so Bernd Lhotzky im Jazz Podium . Diese vier Freunde, das sind die beiden Bläser, Trompeter Colin Dawson, in den 70er Jahren Schüler des Louis-Armstrong-Rivalen Jabbo Smith, sowie Altsaxofonist Chris Hopkins, Pianist Bernd Lhotzky, der mühelos den Kontrabass an den Tasten ersetzt, und schließlich Schlagzeuger Oliver Mewes, der für den rhythmischen Groove sorgt.

Vier flexible, vielseitig einsetzbare Solisten, die auch mit eigenen Stücken und oftmals überraschenden Arrangements zum Repertoire beitragen. Dieses hat sich im Lauf der Jahre deutlich gewandelt. Spätestens seit dem Wechsel zum deutschen Label ACT vor sechs Jahren, als unter dem historischen Etikett "Good Time Jazz" auf humorvolle Art und mit ansteckender Spiellaune beste Unterhaltung geboten wurde.

Mit der aktuellen CD "Travelin’" wurden Erlebnisse und Eindrücke aus fernen Ländern festgehalten, die das Repertoire nochmals erweitern. Die Reise beginnt mit einer Gavotte von Bach, überquert dann den Atlantik und landet mit Nick La Roccas "Dixieland One Step" von 1917 in New York, anschließend in Harlem während der Roaring Twenties mit einem Stride Piano, im Krieg schließlich mit der Mitternachtsserenade Glenn Millers, um bei Cole Porters "Totentanz" zu enden.

Somit sind Swing und andere alte Jazzstile ebenso präsent wie Klassik und – nicht zu vergessen – eigene Kompositionen. Die Echoes of Swing haben, sagt Trompeter Colin Dawson, "einen gemeinsamen Jazz-Ansatz entwickelt, der Traditionsbewusstsein mit jazzmusikalischem Zeitgeist in Verbindung bringt, um Neues zu schaffen".

In der Tat ein ernstzunehmender Anspruch, der bis heute Gültigkeit besitzt, selbstkritische Bedenken, die mit den Anfangsjahren der Band zu tun haben, jedoch nicht außer Acht lässt. "Wir versuchen, grundsätzlich Sachen zu machen, die das Publikum ansprechen. Wir wollen nicht, dass die Musik nicht mehr unterhält. Wenn man aus der traditionellen Jazz-Szene kommt und weitergeht, bleiben ein paar auf der Strecke." Mit dem neuen Album, meint Dawson im Jazz Podium , "werden wir sicherlich ein paar Leute verlieren, die ganz auf das Traditionelle und Konventionelle eingeschworen sind, wo man vorhersieht, was passiert. Aber wir werden auch ganz viele dazu- bekommen."

Die Überzeugung, "stilistisch so offen wie möglich zu sein", gilt nach wie vor. Nur so konnte das Quartett zwei Jahrzehnte bestehen. Das Echo des Swing wird nachhallen, dessen Fahnen wehen, dank eigener Bearbeitungen der Band. Letztendlich ist es die für eine hohe musikalische Qualität bürgende persönliche Handschrift der vier Musiker, die zu überzeugen versteht.
Reiner Kobe
Echoes of Swing Donnerstag, 20. Dezember, 20 Uhr im Burghof Lörrach. Karten zu 27 Euro unter 0761/496 88 88 oder http://www.bz-ticket.de