Über den Tellerrand

Reiner Kobe

Von Reiner Kobe

Mi, 13. Dezember 2017

Rock & Pop

Das Freiburger Akkordeon-Orchester mit "Auf!Bruch?".

Mit einer knappen Fanfare startete das Freiburger Akkordeon-Orchester im Historischen Kaufhaus sein Weihnachtsprojekt mit dem sinnigen Titel "Auf!Bruch?". Entsprechend war das Programm, das scheinbar mühelos Grenzen sprengte. Das Programmblatt ließ keinerlei Zweifel aufkommen – es ging darum, "über den Tellerrand zu schauen, Neuland zu betreten, alte Gewohnheiten aufzubrechen".

Unüberhörbar geschah das schon mit der Kombination alter und neuer Kompositionen: von Michael Kiedaischs "Terra incognita" mit Claude Debussys "Des pas sur la neige" sowie John Cages "Harmony" mit John Dowlands "Captain Digorie Piper his Galiard". Beeindruckend, wie sich Neues mit Altem verzahnt, und wie geschickt das 13-köpfige Akkordeon-Orchester, schwungvoll und eindringlich dirigiert von Volker Rausenberger, diese schwierigen Klippen nimmt. Ein zarter Anfang steigert sich unmerklich im Crescendo, Tonschichtungen werden gelegt, zwischen die sich Kiedaischs mit dem Bogen über Blumentöpfen gestrichene Klänge mischen. Dann wiederum findet sich eine rhythmisch dominierte Cage-Komposition, von Gegenstimmern generiert, im 17. Jahrhundert Dowlands. Famos!

Freilich kommt auch die Akkordeon-Tradition nicht zu kurz, wie mit Friedrich Haags "Rhapsodischem Walzer" oder Paul Kühmstedts "Vieille chanson". Ein dem langjährigen Orchesterleiter Roland Kiesel gewidmetes Stück, das Rausenberger solistisch spielt, packt das Publikum. Auch im Duo mit Michael Kiedaisch brilliert der Orchesterchef in zwei fröhlich tänzelnden Stücken. Herausragend die eigenwillige Interpretation von Kraftwerks "The Robots", mit fulminantem Gesamtklang Michael Nymans "Chasing sheep is best left für shepherds".

Sympathisch ins Gesamtkonzept fügt sich das aus engagierten, jungen Musikschülern bestehende Ensemble variabile, mit dem das Orchester einen Kooperationsvertrag hat: Klarinetten, Akkordeons, Fagott und Rahmentrommeln passen in den Rahmen. Der als Gast geladene Michael Kiedaisch, in Jazz und Neuer Musik gleichermaßen bewandert, beschließt das facettenreiche, fast dreistündige Konzert mit seinem Stück "Alchimia", bei dem er flirrende Vibraphonklänge über die repetitiven Figuren des erneut auftrumpfenden Akkordeon-Orchesters legt. Der lang anhaltende Beifall im nicht ganz ausverkauften Kaufhaus wird mit einer Zugabe belohnt.