Welten verschmelzen

Reiner Kobe

Von Reiner Kobe

Di, 03. Juli 2018

Rock & Pop

BZ-PORTRÄT: Johannes Maikranz erhält den ZMF-Preis und hat zuletzt mit orchestralem Jazz auf sich aufmerksam gemacht .

"Sein Engagement und sein künstlerisches Schaffen sowie seine Verbundenheit mit dem ZMF zeichnen ihn als Preisträger 2018 aus", heißt es anerkennend in der Begründung, warum Johannes Maikranz beim bevorstehenden 36. Zelt-Musik-Festival in Freiburg ausgezeichnet wird. Der Freiburger Gitarrist, gebürtig aus Emmendingen, hat tatsächlich "richtig viel Zeit dort verbracht", wie er bekennt, "viele tolle Konzerte erlebt und hier und da auch immer wieder auftreten können". So sei er stolz, "Nachfolger von vielen tollen Musikern zu sein, die den Preis auch schon bekommen haben". Eine Ehre für den 30-Jährigen.

Künstlerisch ist der Preis allemal verdient. Freilich hat Maikranz das große Publikum noch nicht gefunden, gilt aber unter Insidern als Shooting Star. Nachdem er bereits mit seinem vor fünf Jahren gegründeten Sextett mit eigenen Kompositionen und Arrangements Aufnahmen machen konnte, erschien 2017 das Debüt-Album seines Zeitbloom Orchestra. Veröffentlicht beim großen deutschen Jazz-Label Enja, landete es auf der Longlist des Preises der Deutschen Schallplattenkritik – nicht schlecht für ein Erstlingswerk.

Dass das Orchester zur Hälfte mit klassischen Musikern besetzt ist, hat mit der Biografie von Maikranz zu tun. "Zu Hause lief meist klassische Musik", erzählt er und schränkt ein: "Manchmal auch die Beatles". Er sollte Cello lernen, begann aber mit Schlagzeug und wechselte mit neun Jahren zur Gitarre. In den ersten Bands, in denen er sich als Jugendlicher versuchte, "entdeckte ich die Improvisation, die mich zum Jazz brachte".

So studierte Johannes Maikranz dann Gitarre bei einem angesehenen Exponenten der Jazz-Gitarre, dem Österreicher Wolfgang Muthspiel. An der Musikhochschule Basel entdeckte der Freiburger auch das Komponieren und Arrangieren, das er im Nebenfach erlernte. Später bekam er noch Unterricht in klassischer Komposition bei Qiming Yuan. "Wir besprachen Partituren von Händel, Bach und Brahms aber auch von modernen Komponisten wie Riehm und Schönberg. Bei meiner Bigband-CD habe ich versucht, diese Welten mit einfließen zu lassen. Ich finde, dass es viele interessante Dinge gibt im Bereich der Harmonik, die man im Jazz einbeziehen kann, gerade durch die auskomponierten Passagen ist dies im orchestralen Jazz gut möglich."

In seiner Bigband flossen zwei Genres ineinander. Benannt ist das Ensemble nach dem Ich-Erzähler Serenus Zeitblom in Thomas Manns Roman "Doktor Faustus". Er handelt von einem Komponisten, der seine Seele dem Teufel verkauft – eine Anspielung auf Arnold Schönberg, den Zwölftonmeister. "Aus Zeitblom wurde bei mir das englische Zeitbloom. Das Wort gefällt mir, und die Mischung aus Englisch und Deutsch fand ich passend." Anfang des nächsten Jahres kann man Zeitbloom im Rahmen eines Bigband-Festivals in Basel erleben.

Beim Festival am Mundenhof tritt Johannes Maikranz am 22. Juli bei der Philharmonischen ZMF-Gala in kleinerem Format mit einem Sextett auf – und mit den All Stars, die sich aus Musikern zusammensetzen, die jüngst auf einer ZMF-Tour in New York und Trinidad gastierten. Mit beiden Bands wird je ein Song gespielt. Neben seinen Bigband- und Sextett-Aktivitäten hat sich Johannes Maikranz mit Cécile Verny zusammengetan. Die Jazz-Sängerin, sagt er, "hatte den Wunsch, auch einmal mit einem Gitarristen zusammenzuarbeiten und kam dabei zu meinem Glück auf mich".

Die beiden arbeiten derzeit an einem kompletten Programm auf Deutsch: an Liedgut "von Schubert, Marlene Dietrich bis hin zu Volksliedern", heißt es. Im Herbst soll es zu Aufnahmen kommen.

ZMF-Gala: "A Life on Stage", So, 22. Juli, Zirkuszelt, 19 Uhr.

Vorverkauf beim BZ-Karten-Service (bz-ticket.de/karten oder Tel. 0761 / 496-8888) und bei allen BZ-Geschäftsstellen.