Stiftung für Konkrete Kunst

Roland Phleps’ beschwingter Edelstahl

Herbert M. Hurka

Von Herbert M. Hurka

Di, 07. August 2018 um 19:21 Uhr

Kunst

Kein Ausstellungstitel träfe es besser: "Schwünge und Tänze". So nennt Roland Phleps eine Zusammenstellung von Stahlskulpturen im hellen Raum seiner Stiftung für Konkrete Kunst.

Von der Galerie, wo eine Serie kleinformatiger Skulpturen den Rundgang eröffnet, fällt der Blick wie vom Theaterbalkon hinab auf ein Ballett beschwingter Edelstahlfiguren im Hauptraum. Wenn manche dieser Skulpturen den Anschein erwecken, als schwebten sie, dann ist das vom Künstler gewollt wie bei der Konstruktion "Sinus-Kurven-Zweieckpaar", das lanzettförmigen Blättern ähnelt, wobei die unteren Spitzen den Sockel kaum mehr zu berühren scheinen. Die zu glänzenden Spiralen, Schleifen und Wellen geschnittenen Stahlbleche, aus denen die Skulpturen komponiert sind, unterliegen mit ihren gekrümmten Flächen mathematischen Gesetzen.

Auch wenn der inzwischen 94-jährige Künstler im streng umrissenen Feld der Konstruktiven Kunst arbeitet, so war es ihm seit jeher ein Anliegen, in das von ihm selbst als statisch kritisierte Genre Bewegung zu bringen. Die gewölbten Bleche mit den kurvigen Rändern ihrer Zuschnitte wirken stets aerodynamisch, als könnten sie sich schon beim geringsten Luftzug selbstständig machen, besonders augenfällig bei jenen Skulpturen, die sich dank Kugellagern um ihre vertikale Achse drehen, dem Tanz also bereits recht nahe kommen.

Zwar gehört es zum Programm der Konkreten Kunst, auf nichts außerhalb ihrer mathematischen Idealisierungen zu verweisen. Dennoch lassen sich unter dem Eindruck des technizistischen Edelstahls und aerodynamischen Formenrepertoires Assoziationen an Weltliches nur schwer zurückweisen. Egal, ob man sich an Propeller, Schiffsschrauben oder Turbinen erinnert fühlt – diesem Typ technischer Zweckobjekte lässt sich eine gewisse Eleganz nicht absprechen. Und so ist es gerade dieser aus dem Praktischen ausscherende Überschuss, der sich zu Kunstwerken destilliert, sobald die harmonischen Formen von ihrer Funktionalität befreit werden. Wenn wie im Werk von Roland Phleps eine dynamische Geometrie die künstlerische Phantasie beflügelt, sollte es nicht überraschen, wenn selbst auf Sockeln fixierte Skulpturen zu tanzen beginnen.

Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps, Pochgasse 71-73, Freiburg.
Bis 2. September, So 11–13.30 Uhr