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24. Oktober 2009

"WM in der eigenen Stadt – cool"

BZ-INTERVIEW zu den Welttitelkämpfen der Rollkunstläufer vom 10. bis 21. November in Freiburg

  1. Vier Rollen, die die Welt bedeuten für Lars Clad, Frank Albiez und Michael Obrecht (von links) Foto: PATRICK SEEGER

FREIBURG. Für die Freiburger Turnerschaft ist sie das größte Ereignis des Jahrzehnts, für Bundestrainer Michael Obrecht die Erfüllung eines Traums: Bis zu 1000 Sportlerinnen und Sportler aus 30 Nationen treten vom 10. bis 21. November bei der Weltmeisterschaft der Rollkunstläufer an. Was die Sportfans dann erwartet, schildern Obrecht, der ehemalige Freiburger Doppel-Weltmeister Frank Albiez und der aktuelle Europameister Lars Clad im Gespräch mit BZ-Redakteur Andreas Strepenick.

BZ: Erst einmal dürfen Sie schwärmen: Was ist das Schöne am Rollkunstlauf?
Obrecht: Die Mischung aus Sport, Musik und Kunst. Das fand ich immer toll.
Albiez: Rollkunstlauf ist abwechslungsreich und man bekommt viel mit – sportlich, aber auch durch die Reisen in viele Länder. Viele Freundschaften entstehen.
Clad: Die Geschwindigkeit ist cool, und es ist auch schön, Menschen bei Meisterschaften kennenzulernen und dann immer wiederzusehen.

BZ: Wie konnte sich Freiburg zu einer Hochburg des Rollkunstlaufs entwickeln?

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Obrecht: Wir waren der erste Standort mit einer reinen Rollkunstlaufhalle in Deutschland. Stahlfabrikant Schauenberg und andere Sponsoren halfen uns vor vier Jahrzehnten. In Deutschland ist das Wetter so unbeständig, dass Du zwingend eine Halle für unseren Sport brauchst. In der Folge zogen viele Spitzensportler nach Freiburg. Es gab Zeiten, da kamen zwei Drittel der deutschen Nationalmannschaft aus Freiburg. Dadurch, dass wir noch immer alleiniger Hausherr sind, ist ein Trainingspensum möglich, das viele andere Vereine nicht haben.
Albiez: Viele Sportler kommen natürlich auch deshalb nach Freiburg, weil ihnen die Universität viele Studienmöglichkeiten bietet.

BZ: Jetzt kommt die WM nach Freiburg, Herr Obrecht. Erfüllt sich damit Ihr größter Lebenstraum?
Obrecht: Das würde vielen anderen Veranstaltungen, die wir hier schon hatten, nicht gerecht werden, wenn ich das sage. Es ist für uns eine große Ehre, dass wir die WM ausrichten dürfen. Sie reiht sich ein in viele andere tolle Veranstaltungen, die wir durchgezogen haben. Natürlich weiß man, dass man so etwas wahrscheinlich nur einmal erleben wird.
"Vielleicht haben wir ja

am 21. November

einen neuen Weltmeister?"

Bundestrainer Michael Obrecht
BZ: Sie haben nun die WM, aber Sie haben erstmals seit Jahrzehnten keine Weltmeister mehr in Freiburg. Die Müller-Brüder haben ihre Karrieren beendet, Frank Albiez ebenso. Neue Spitzenläufer wachsen erst nach. Kommen die Titelkämpfe zeitlich ein wenig unglücklich?
Obrecht (lacht): Das weiß man nicht. Vielleicht haben wir ja am 21. November einen neuen Weltmeister?
BZ: Herr Albiez, Sie waren Weltmeister im Pflichtlauf, also im absolut präzisen Nachfahren von vorgezeichneten Linien, und in der Kombination, also in der gemeinsamen Wertung aus Pflicht und Kür. 2006 haben Sie aufgehört. Wäre die WM nicht ein Anreiz gewesen, bis 2009 durchzuhalten?
Albiez: Also ich habe mir das wirklich lange überlegt. Eine WM in der eigenen Stadt wäre für einen Läufer natürlich super. Aber irgendwann stellte sich die Frage nach dem Beruf und der Familie. Ich bin jetzt Betriebsleiter in einem Fitnessstudio. Und natürlich kam auch der Zeitpunkt, an dem es körperlich nicht mehr weiterging. Drei Jahre hätte ich in diesem Sport nicht mehr durchgehalten.
BZ: Dabei sind Sie erst 29. Sie, Herr Clad, haben jetzt als 23-Jähriger im portugiesischen Nazaré die Europameisterschaft im Pflichtlauf gewonnen. Was rechnen Sie sich für die WM aus?
Clad: Darüber möchte ich mir wenig Gedanken machen, weil mich das nur unter Druck setzt. Natürlich wäre eine Medaille unglaublich cool, aber erstmal möchte ich für mich einen guten Wettkampf laufen und dann schauen, was rauskommt.

BZ: Die Läuferinnen und Läufer Italiens werden die WM dominieren, dort ist Rollkunst Volkssport. Welche Chancen, Herr Obrecht, rechnen Sie sich für die deutschen Teilnehmer aus?
Obrecht: Ich sehe eine ganze Reihe von Medaillenchancen, insgesamt könnten es vielleicht zehn werden.
BZ: Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie in Schauenberg- und Messehalle?
Obrecht: Der Schlusstag in der Messe ist schon ausverkauft, allein dort werden es 3000 bis 3500 Zuschauer sein.
BZ: Kann die Wettkämpfe auch derjenige genießen, der den dreifachen Toeloop nicht vom dreifachen Rittberger unterscheiden kann?
Obrecht (lacht): Das kann so mancher Wettkampfrichter auch nicht… Nein, im Ernst: Natürlich lohnt es sich hinzugehen. Der Rollkunstlauf ist ja dem Eiskunstlauf sehr verwandt, und dafür begeistern sich Millionen.
Clad: Natürlich ist die WM auch für Außenstehende attraktiv. Da ist für jeden etwas dabei. Formations- oder Paarlauf sind auch ohne intime Fachkenntnisse schön anzusehen. Die Weltspitze kommt nach Freiburg. Das sollte man sich nicht entgehen lassen!
BZ: Was wollen Sie am Ende der elf Wettkampftage in Freiburg sagen können?
Obrecht: Dass es die tollste WM war, die es im Rollkunstlauf je gegeben hat.
Albiez: Dass ich mich als Ex-Athlet zurücklehnen und sagen kann: Schön, das auch mal von der anderen Seite zu sehen.
Clad: Ich hoffe, dass ich mit mir selbst zufrieden sein werde. Und eine WM in der eigenen Stadt – was gibt es Cooleres?
Informationen und Karten auf www.freiburg2009.com

Autor: str