Lokalgeschichte

Roman Herzog hat die Niederrotweiler Orgel gerettet

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Mi, 11. Januar 2017 um 16:49 Uhr

Vogtsburg

Der frühere Bundespräsident kam gern in den Kaiserstuhl: Er setzte sich für die Restaurierung der über 300 Jahre alten Orgel in Vogtsburg ein und feierte seinen 60. Geburtstag in Oberbergen.

Roman Herzog, der am Dienstag im Alter von 82 Jahren verstorbene ehemalige Bundespräsident, besuchte gerne den Kaiserstuhl. Kurz vor seinem Amtsantritt feierte er am 4. Juni 1994 in Niederrotweil und Oberbergen seinen 60. Geburtstag und seinen Abschied von den Kollegen des Bundesverfassungsgerichts. Zudem war es dem ersten Mann im Staat zu verdanken, dass die berühmte Orgel der kleinen Michaelskirche in Niederrotweil restauriert werden konnte.

Fleischer hatte seine Finger im Spiel

60 Jahre alt wurde der 1934 im bayerischen Landshut geborene Herzog wohl bereits am 5. April 1994. Da dieses Datum jedoch auf den Dienstag nach Ostern fiel, entschloss sich der damalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, die Geburtstagsfeier später auszurichten. Dass er dafür Vogtsburg wählte, hing mit seiner Bekanntschaft mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Gundolf Fleischer und mit der Restaurierung der Niederrotweiler Orgel zusammen.

Die Orgel lag auf dem Speicher

1981 war Herzog noch Innenminister von Baden-Württemberg. In dieser Zeit erreichte ihn über Fleischer ein Hilferuf aus Vogtsburg. Dort hatte man durch Zufall auf dem Speicher der St. Michaelskirche die in Einzelteile zerlegte Orgel des Gotteshauses gefunden. Wie Herzog bei seinem Besuch in Vogtsburg erzählte, wurde die Restaurierung auf rund 250 000 Mark geschätzt. Fleischer gelang es, wie Herzog weiter sagte, ihn nach "Niederrotweil zu verschleppen", wo ihn der Kirchensachverständige Professor Hermann Brommer aus Merdingen von der Dringlichkeit des Vorhabens überzeugte.

Wie ein Teppichhändler

Als Innenminister war Herzog damals auch für den Denkmalschutz zuständig. Nach dem Vortrag von Brommer war er von dem Projekt und dem kleinen Kirchlein so beeindruckt, dass er den sonst üblichen Zuschuss des Landes für die Sanierung von einem Drittel gleich verdoppelte. Doch damit nicht genug: Mit "den Methoden eines Teppichhändlers", wie Herzog erläuterte, habe er in verschiedenen Gesprächen, unter anderem mit der Diözese, die Finanzierungslücke von rund 80 000 Euro schließen können.

Weine aus Vogtsburg als Geschenk

Bei der Feier seines 60. Geburtstages gut zehn Jahre später konnte sich Herzog beim Empfang im Vogtsburger Rathaus noch sehr gut an das Vorhaben erinnern, "da es im Leben eines Politikers und Richters nur wenige Dinge gibt, die man beginnen und auch vollenden darf". Bevor er sich ins goldene Buch der Stadt eintrug, bedankte er sich beim damaligen Vogtsburger Bürgermeister Gabriel Schweizer herzlich für die Hilfe bei der Organisation der Geburtstagsfeier. Schweizer wiederum zeigte sich dankbar für die Unterstützung bei der Restaurierung der Orgel und erläuterte Herzog ausführlich die Besonderheiten von Vogtsburg. Als Geschenk gab es eine große Holzkiste mit Weinen aus allen sieben Vogtsburger Stadtteilen und ein großes Stück Weinstein.

Auch das Badnerlied erklang

Die Geburtstagsfeier hatte um 15.30 Uhr mit dem Empfang im Vogtsburger Rathaus begonnen. Die Winzerkapelle schmetterte das Badnerlied und Herzog stimmte freudig mit ein. Danach wurden die Gäste mit dem Bus zur Michaelskirche nach Niederrotweil gefahren, wo Hermann Brommer den Besuchern erläuterte, dass die Orgel 1758 in Burkheim von dem französischen Orgelbauer Adrien Pottier hergestellt worden ist. Sie sei damit die älteste Orgel des Breisgaus. Dass sich die Renovierung des Kleinods gelohnt hat, zeigte danach der ehemalige Freiburger Münsterorganist Ludwig Doerr bei einem rund halbstündigen Konzert, in dem er unter anderem Werke von Bach und Mozart spielte.

Feier im "Schwarzen Adler"

Zum Abschluss des offiziellen Teils gab die Winzerkapelle Oberbergen im Hof des Gasthauses "Schwarzer Adler" in Oberbergen für die Festgesellschaft ein Platzkonzert. Danach begab sich Herzog mit seinen Gästen, zu denen auch Jutta Limbach, seine Nachfolgerin am Bundesverfassungsgericht, gehörte, zu der privaten Feier in das Sterne-Lokal. Dort wurden dann unter anderem verschiedene Edelfische, Spargel und luftgetrockneter Bergschinken serviert.

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