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16. Juli 2012 00:01 Uhr
Jugendprojekt
"Romeo feat. Julia": Begegnung ohne Brüche
Dieser Abend macht glücklich. Er begeistert und bewegt. Er öffnet die Ohren und die Augen. Das Jugendprojekt "Romeo feat. Julia" des SWR-Sinfonieorchesters ist ein Gesamtkunstwerk.
Jugendprojekte von Sinfonieorchestern sind künstlerisch nicht immer besonders wertvoll. Oft wird der Weg zum Ziel erklärt und die Begeisterung der Mitwirkenden zum Maßstab.
Bei "Romeo feat. Julia", dem großen Jugendprojekt des SWR-Sinfonieorchesters in der mit schwarzen Vorhängen verdunkelten alten Lokhalle am Freiburger Güterbahnhof, ist das anders. Die zweistündige Aufführung, bei der Klassik und HipHop, Profis und Laien, Erwachsene und Kinder, Schauspiel und Tanz aufeinandertreffen, ist ein Gesamtkunstwerk, das Heterogenes ganz selbstverständlich miteinander vereint. Schon die Grundidee des Abends überzeugt. Die Musik von Sergej Prokofjew entwirft vom "Morgentanz" über "Tybalt und Mercutios Kampf" bis zu "Julias Begräbnis" einen großen Spannungsbogen von Shakespeares Liebesdrama, bringt den Ball der Montagues zum Klingen und charakterisiert Romeo und Julia. Die fehlende Handlung wird zwischen den aus dem Ballett ausgewählten Sätzen als Rap erzählt. Prokofjew bleibt Prokofjew, HipHop bleibt HipHop. Diese grundsätzliche Trennung der Stile ist gut.
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Die Welten begegnen sich aber auch im Tanz, wenn die entzückenden kleinen Amoretten (Paul-Hindemith-Grundschule, Wentzinger Schulen, Montessori Zentrum Angell) und die Mitglieder der Dance Academy Freiburg sich im Hip-Hop-Style zur Musik Prokofjews bewegen wie beim Tanz mit Mandolinen. Auch die Konflikte zwischen den blauen Montagues und roten Capulets (Kostüme: Susana Pinto de Lellis) und die tödlichen Duelle zwischen Tybalt und Mercutio und Romeo und Tybalt werden von Regisseurin Sigrun Fritsch als beeindruckend aggressive Tanzszene inszeniert. Fritsch hat das SWR-Orchester als Herzstück in der Mitte postiert und lässt das Geschehen drum herum ablaufen. Die alte Lokhalle selbst wird zum Bühnenbild, wenn sich die Amoretten in den großen Fenstern tummeln und Videoprojektionen die Landschaft um Verona entstehen lassen.
Es liegt auch und vor allem an den deutschlandweit gecasteten Hauptdarstellern, dass diese Produktion so überragend gelingt. Janina (Julia) und Kelvyn (Romeo) sind ein berührendes Liebespaar, Lennart (Tybalt) und Booz (Mercutio) Anführer mit einer beängstigenden Präsenz. Auch Robin (Benvolio), Hani (Graf Paris), Billi als breakdancender Prinz und Anna, die als Amor das Geschehen immer wieder vorantreibt, verleihen dem Abend ein unverwechselbares Gesicht. Die Schauspieler Annette Huber (Amme) und Christoph Kopp (Lorenzo) repräsentieren die Erwachsenenwelt. Die Todesszene lässt Sigrun Fritsch vor der nackten Wand spielen. Romeo hat sich aus Gram getötet, Julia, aufgewacht aus ihrem Schlaf, ebenfalls. Dann bewegen sich die verfeindeten Anführer Tybalt und Mercutio kopfüber, am Drahtseil hängend, aufeinander zu und geben sich die Hand. Und Romeo und Julia erheben sich und gehen miteinander in den Horizont. Die Liebe lebt weiter.
– SWR2 Radiodoku, 19.7., 15.05 Uhr; SWR Fernsehen, 30.9., 9.45 Uhr; KiKA, 20-teilige Doku, ab. 1. Okt 2012, montags bis freitags, 15 Uhr.
Autor: Georg Rudiger





