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02. August 2012

Leitartikel

Romney auf Reisen: Verpasste Gelegenheit

Selber gewinnen kann Romney die Wahl nicht, aber Obama kann sie verlieren

Manchmal ist man einfach froh, wegzukommen. Mitt Romneys Reise nach Europa und Israel war mehr als der traditionelle Auslandstrip, mit dem Präsidentschaftsbewerber in den USA ihre Eignung als Staatsmann beweisen. Sie sollte auch von den Schwierigkeiten daheim ablenken, wo Romney sich partout weigert, Steuererklärungen aus der Zeit offenzulegen, als er noch kein Kandidat war. Das Ergebnis ist gemischt.

Mit Großbritannien, Israel und Polen hatte Romney unbeirrbare Verbündete ausgesucht. Die Pressefragen waren limitiert, es gab Fernsehinszenierungen vor symbolträchtigen Bauten, was konnte da schiefgehen? In London bot sich dem Kandidaten sogar die Gelegenheit, elegant an seine Verdienste als Olympia-Manager von Salt Lake City zu erinnern.

Stattdessen schaffte er es, seine Gastgeber so zu beleidigen, dass Premierminister David Cameron sich zu einer Retourkutsche veranlasst sah. Obwohl Romney sich in London drei Tage aufhielt, hatte er den wichtigsten Verbündeten der USA keine besondere Botschaft mitgebracht. Das ließ den US-Medien Zeit, sich mit dem Dressurpferd der schwerreichen Familie und mit den Schlagzeilen der britischen Kollegen zu beschäftigen ("Mitt, der Tölpel", "Wer hat den Spaßverderber eingeladen?").

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Israelischen Geldgebern erklärte Romney anschließend das Wohlstandsgefälle zwischen ihrem Land und demjenigen der Palästinenser mit der unterschiedlichen "Kultur" der Bewohner. Seine Kampagne brauchte Stunden, um zurückzurudern; dabei hatte sie gerade erst ein Statement von Romneys Team weichgespült, das Israel zum Erstschlag gegen Iran einzuladen schien.

Romneys Reise hat ihm Bilder gebracht, die polnischstämmigen Wählern, Juden, Katholiken, und Evangelikalen in den USA gefallen dürften. In Israel hat er Spenden gesammelt und Lob von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eingeheimst, in Polen gute Wünsche von Nationalheld Lech Walesa. Aber insgesamt reagierten selbst konservative US-Kommentatoren mit einer Mischung aus Unglauben und Resignation.

Außenpolitik ist bei dieser Wahl allerdings so unwichtig, wie lange nicht mehr, in Umfragen liegt Romney mit Präsident Barack Obama weiter Kopf an Kopf. Sein Hauptproblem ist, dass die Ausrutscher auf dieser PR-Reise kein Einzelfall waren: Naivität, fehlendes Gespür für Benachteiligte und ein Mangel an Botschaft haben seine Kampagne schon bisher gekennzeichnet.

Romneys Wahlkampf lebt vom Wirtschaftsthema, aber selbst da bleiben die Pläne vage. Darüber hinaus gibt es keinen Entwurf für die Zukunft des Landes, der Kandidat persönlich bleibt ebenfalls farblos. Noch weniger als über soziale Themen oder die Konflikte der USA spricht Romney über sich selbst. Sogar seine Qualifikation als Wirtschaftsmann ist tabu, seit die Obama-Kampagne darauf verweist, dass Romney als Investmentbanker Jobs ins Ausland verlagert hat. Die US-Bürger sollen einen Präsidenten wählen, der sich ihnen nach Kräften entzieht.

Obamas Leute haben in den vergangenen Monaten erfolgreich daran gearbeitet, dieses Vakuum mit unvorteilhaften Informationen zu füllen. Die Auslandsreise war eine verpasste Gelegenheit, dem zu begegnen. Stattdessen begrüßte der Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Senat, Harry Reid, den Heimkehrer mit dem Verdacht, dass Romney zehn Jahre lang überhaupt keine Steuern bezahlt habe. Noch am Tag seiner Ankunft stand er damit wieder da, wo er abgeflogen war – unter Druck.

Aktiv gewinnen, sagen inzwischen selbst Republikaner, kann dieser Kandidat die Wahl kaum. Aber Obama kann sie noch immer verlieren: Seit dem Zweiten Weltkrieg ist kein Präsident mit vergleichbar hohen Arbeitslosenzahlen wiedergewählt worden.

Autor: Jens Schmitz


7 Kommentare

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Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

02. August 2012 - 10:26 Uhr

Pressesprecher Rick Gorka, der in Polen Journalisten mit einem "Leck mich am Arsch" und "Du kannst mich mal" abkanzelte, sollte nicht unerwähnt bleiben.

http://www.tagesschau.de/ausland/romney198.html

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2547

02. August 2012 - 11:47 Uhr

Nicht unerwähnt sollte ebenfalls bleiben, dass man in Polen die Presse erst gar nicht zu Romney vor lies, auch nicht die Vertreter des eigenen Haussenders Fox News:

http://gretawire.foxnewsinsider.com/2012/07/30/notes-from-travel-with-gov-romney-in-poland/

Weiteres pikantes Detail am Rande. Der selbsternannte Retter der Nation soll zehn Jahre keine Steuern gezahlt haben:

http://www.washingtonpost.com/blogs/2chambers/post/harry-reid-mitt-romney-didnt-pay-taxes-for-10-years/2012/07/31/gJQADXkSNX_blog.html

Für mich ist er schlicht eine Sockenpuppe der Wall Street, aber viele Amerikaner sind einfach zu dumm, das zu erkennen.

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Wolfgang Philipp

Registriert seit: 26.07.2010

Kommentare: 106

02. August 2012 - 23:00 Uhr

Der Bible-Belt und seine i.d.R. geistig-minderbemittelten Repräsentanten des mittleren US-Westens ist mindestens so gefährlich wie Iran&Israel oder die Chinesen; jeder auf seine Art, aber weltweit gefährlich !

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Roland Hellbardt

Registriert seit: 08.12.2010

Kommentare: 742

02. August 2012 - 23:46 Uhr

"mindestens so gefährlich wie Iran&Israel oder die Chinesen"
Herr Philipp, erkläre er mir dieses! Das mit Israel und Iran wage ich fast zu verstehen, weil dort auch nicht viel gehen würde, würde USA nicht den Konflikt mit steuern. Aber China? Gefährlich? Nein, eigentlich verstehe ich beide Einlassungen nicht.
Bitte eine Erläuterung!
Danke

Und was ich noch nie verstanden habe ist, warum die Amis Wahlkampf auf einer Auslandstournee machen! Wozu? Wenn nicht zu dem im Artikel geschriebenen Nebensatz, von den Problemen im eigenen Land abzulenken!

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Roland Hellbardt

Registriert seit: 08.12.2010

Kommentare: 742

02. August 2012 - 23:48 Uhr

"Für mich ist er schlicht eine Sockenpuppe der Wall Street, aber viele Amerikaner sind einfach zu dumm, das zu erkennen."
Herr Bender, sind sie das da nicht alle? Lenken tun andere.
Nicht das mit zu dumm ... aber das mit der Sockenpuppe. Zu dem zu dumm kommen wir wahrscheinlich später.

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Bert Pavel

Registriert seit: 19.07.2012

Kommentare: 339

03. August 2012 - 14:48 Uhr

Ein Kandidat den die meisten Amis nicht anders verdient haben, hoch lebe
das Gefühl des "wilden Westens"!
Leider hat der Rest der Welt dann mit solch einem Präsidenten mit seiner
grandiosen Überheblichkeit größte Schwierigkeiten!
Wohin das führen kann?????

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Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

05. August 2012 - 12:54 Uhr

Bei aller berechtigten Kritik an Romney muss sich der Westen aber auch fragen, ob Obama den in ihn gesetzen Erwartungen, die teilweise mit erheblichen Vorschußlorbeeren einhergingen, denkt man nur an den Friedensnobelpreis, auch nur ansatzweise gerecht geworden ist.

Die FAZ hat die Frage nach der Friedfertigkeit des Präsidenten gesetellt: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/obamas-drohnenkrieg-lizenz-zum-toeten-11843805.html

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