Ärger um eine Antibabypille

Rückruf von Trigoa: Was sollen betroffene Frauen jetzt tun?

dpa

Von dpa

Mo, 10. Dezember 2018 um 19:50 Uhr

Panorama

Ein Experte kritisiert Pfizers Rückruf des Verhütungsmittels Trigoa: Frauen seien zu spät informiert worden.

Der US-Pharmakonzern Pfizer hat jüngst einen Rückruf für seine Antibabypille Trigoa veröffentlicht. Jetzt stellt sich heraus: Betroffen sind Tausende Packungen. Der Hersteller rief diese zurück, weil Anwenderinnen bei der Einnahme Fehler machen und schwanger werden könnten.

Nach dem Rückruf von Trigoa wegen falsch bedruckter Tablettenverpackungen bleibt die Zahl der betroffenen Frauen unklar. An Apotheken und Großhandel seien bundesweit 2700 Packungen der betroffenen Chargen ausgeliefert worden, teilte die zuständige Berliner Aufsichtsbehörde auf Anfrage mit – das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). Den Rückruf habe Pfizer am 3. und 4. Dezember an Apotheken und Großhandel kommuniziert. Der Konzern hatte am Wochenende erklärt, der Rückruf betreffe "eine niedrige Anzahl" von Packungen.

Der Pharmaexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen kritisierte angesichts der Behördenwarnung vor ungewollten Schwangerschaften die Kommunikationspolitik des Herstellers. "Gerade unter dem Aspekt der eingeschränkten Zuverlässigkeit der Verhütung sollte mit dem Rückruf eine öffentliche Warnung einhergehen", sagte der Wissenschaftler. Erst am Montagnachmittag und damit eine Woche nach der Information an Apotheken und Großhandel waren auf der Internetseite von Pfizer allgemeine Angaben zu dem Rückruf zu finden. Hinweise zur weiteren Einnahme der Pille für betroffene Anwenderinnen gab es nicht.

Die Berliner Behörde hatte den Rückruf am Freitag in einer Pressemitteilung publik gemacht, aber kaum Details genannt. Eine Sprecherin Pfizers erklärte auf Anfrage: "Die Information zum Rückruf von drei Trigoa-Chargen ist in Abstimmung mit den hier zuständigen Behörden erfolgt. Unsere Informationen erfolgen in Einklang mit dieser Abstimmung." So seien Ärzte und Apotheken in ganz Deutschland aktiv informiert worden. Weitere Informationen seien nicht geplant.

Experte Glaeske betonte, im Fall von Schwangerschaften sei der Hersteller "haftbar zu machen für Folgen mangelnder Produktqualität". Fehler wie falsch bedruckte Durchdrückverpackungen müssten aus seiner Sicht in der Qualitätssicherung des Herstellers auffallen.

Trigoa ist ein Dreiphasenpräparat, das bereits seit vielen Jahren auf dem Markt ist. Die Dragees sind unterschiedlich hoch dosiert und haben verschiedene Farben. Laut Anleitung werden zuerst die sechs hellbraunen, dann die fünf weißen und schließlich die zehn ockerfarbenen Dragees eingenommen. Bei den Chargen X34106, X51153 und W98332 war die Beschriftung falsch. Es könne zu Anwendungsfehlern und ungewollter Schwangerschaft kommen, so das Lageso.

Frauenärzte rechnen nicht mit reihenweise Schwangerschaften. Die in der Pille enthaltenen synthetischen Hormone seien "zu jedem Zeitpunkt ausreichend hoch dosiert, um einen Eisprung zu verhindern, auch dann, wenn die Dragees in einer falschen Reihenfolge eingenommen werden", erklärte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring. "Das gilt, solange eine regelmäßige, tägliche Einnahme alle 24 Stunden gesichert ist." Folgen für den Hormonhaushalt der Frauen waren unklar.