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07. Juli 2012

Unterm Strich

Rückwärts rein in Triberg

Wie die Schwarzwaldgemeinde ihre Parkgarage füllen will / Von Stefan Hupka.

Der Parkhauspfeiler gehört zu den unterschätzten Zeugnissen künstlerischer Ausdruckskraft. Was daran – zumal in länger nicht mehr renovierten Tiefgaragen – an Farb- und Liniengebung, Vielfalt des applizierten Materials und physischer Energie des Auftrags zu bewundern ist, dafür hat erst die Satiresendung "Stenkelfeld" dem Kunstliebhaber die Augen geöffnet. Aus Gletschergraumetallic, Karmesinrot und immer wieder auch Dumpfgummischwarz komponiert, zeigen sich da dekorative, wenn auch anonyme Hinterlassenschaften fahrerischen, pardon, künstlerischen Könnens. Allerdings sind die Entdecker der Kotflügelkulturerbes im Verruf, weil sie sich ausschließlich um Pfeiler zwischen Frauenparkplätzen gekümmert haben. Ihre Absicht war durchschaut. Hier sollte ja nur wieder das altbackenste aller Klischees bedient werden: dass Frauen zwar immer dickere Schlitten fahren, aber damit immer weniger einparken können, schon gar nicht rückwärts.

Das hindert die mit sinkenden Übernachtungszahlen kämpfende Schwarzwaldgemeinde Triberg nicht daran, ihre Bekanntheit mit folgendem Einfall zu steigern: Sie hat die zwei schwierigsten, weil nur rückwärts einnehmbaren Stellplätze ihrer Tiefgarage als Männerparkplätze gekennzeichnet. Grundsätzlich keine schlechte Idee. Bei immer neuen Zweckbindungen des öffentlichen Raums – mit Parkplätzen für Behinderte, Frauen, Elektroautos, Mutter und Kind, Hausmeisterin, Filialleiterin – ist es einmal höchste Zeit für den Männerparkplatz. Schon aus Minderheitenschutz. Der "tolle Marketing-Gag", über den Tribergs Bürgermeister Strobel frohlockt, kann aber nach hinten losgehen. Zwar bietet der Kavalier alter Schule generös an: "Natürlich dürfen da auch Frauen parken." Aber der Ehrgeiz der Herren ist geweckt. Wenn die sich alle zum Wettparken treffen, kann Triberg das Parkhaus dichtmachen. Auch ist das Einparken vor lauter neumodischem Kram wie Abstandssensoren und Rückfahrkameras eines sowieso nicht mehr – eine Kunst. Schade um den Parkhauspfeiler.

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Autor: hup