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19. Mai 2017

Lebenswerk Scherers wurde in seiner Heimat lange Zeit verkannt

BZ-SERIE 1250 JAHRE RÜMMINGEN (TEIL 2): Heute erinnern in Rümmingen ein Brunnen und eine Straße an den berühmten Sohn / Geburtshaus wurde abgerissen.

  1. Seite 2014 erinnert eine Straße an den berühmten Sohn Rümmingens. Foto: Horst Donner

  2. Der 1984 von Rudolf Scheurer gestaltete Scherer-Brunnen mit der Gedenktafel. Foto: DONNER

RÜMMINGEN (don). Zum Auftakt der BZ-Serie aus Anlass des 1250-jährigen Bestehens von Rümmingen skizzierten wir den Lebensweg des Künstlers Hermann Scherer. Im heutigen Beitrag gehen wir darauf ein, wie seine Kunstwerke heute in der Region und in seiner Heimatgemeinde wahrgenommen werden. Während er damals in Basel als Maler und Bildhauer starke Beachtung fand, zeigte seine Heimatgemeinde an seinem künstlerischen Schaffen kein Interesse. Es gab auch kaum Kontakte.

"Gibt es einen berühmten Rümminger Bürger?", fragte der Haltinger Hansjörg Hunkler als Autor eines Beitrages im Buch von Rolf Frei "d’r Chander no". Seine Antwort: "Hier wäre neben dem Revolutionär Friedrich Neff der Bildhauer und Maler Hermann Scherer zu nennen." Aber wie so oft gilt der Prophet im eigenen Land nichts. Für Hunkler hat "der Rümminger Bauernsohn Hermann Scherer die europäische Kunstgeschichte bereichert". Sein früher Tod im Alter von erst 34 Jahren habe Entwicklungen und Perspektiven beendet, über die man nur spekulieren könne.

In der Schweiz, aber auch in Stuttgart (1988), in Köln und Los Angeles oder 1994 in der einstigen städtischen Galerie Lörrach (Villa Aichele) wurden Ausstellungen mit Scherers Werken organisiert. In manchen Biographien wird Lörrach als sein Geburtsort genannt. Erst in den 1990er Jahren wurde Rümmingen auf ihn aufmerksam. Bürgermeisterin Daniela Meier räumt denn auch ein, dass die Kandertalgemeinde das Lebenswerk Scherers lange Zeit verkannte. Immerhin habe man ihm zum Abschluss der Dorfsanierung 1984 mit dem von Rudolf Scheurer gestalteten Brunnen ein kleines Denkmal gesetzt. Im Neubaugebiet "Unter der Lörracher Straße" erinnert die Hermann-Scherer-Straße an den berühmten Künstler.

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Die Bürgermeisterin sieht in Verbindung mit der 1250-Jahr-Feier die Chance, "Geschichte erlebbar zu machen" und sich mit den bedeutenden Persönlichkeiten des Dorfes zu befassen. Das geschieht beispielsweise beim historischen Dorfrundgang. Im Rathaus hängt ein Holzschnitt Scherers mit einer Tessiner Landschaft als Motiv.

Bedauern empfindet Meier für den Abriss des Geburtshauses Scherers an der Ecke Binzener Straße/Schallbacher Straße im Frühjahr 2014. "Aber die Gemeinde konnte dies nicht verhindern." 118 Kunstwerke, vorwiegend Druckgrafiken und eindrucksvolle expressionistische Schwarzweiß-Drucke, befinden sich im Depot des Dreiländermuseums Lörrach. Museumsleiter Markus Moehring ist stolz auf den Besitz eines Hauptwerkes von Scherer: das großformatige Ölbild mit Otto Steiger, einem Künstlerkollegen des Rümmingers. Moehring schließt nicht aus, im nächsten Jahr aus Anlass des 125. Geburtstages Scherers im Hebel-Saal eine kleine Ausstellung zu arrangieren. In den Sammlungen des Müllheimer Museums, im Neuen Museum Freiburg und vor allem im Basler Kunstmuseum zählen Kunstwerke Scherers zu den wertvollen Exponaten.

Hermann Scherer war nicht verheiratet. Direkte Nachkommen gibt es nicht. Um den Nachlass kümmerte sich sein in Binzen gebürtiger und in Efringen-Kirchen lebender Neffe Karl-Heinz Scherer. Er starb im Jahre 2008. Auch er genoss als Maler großes Ansehen. Engagiert setzte er sich, unterstützt von Kunstkennern, für den Erhalt der in ihrem Wert steigenden Kunstwerke seines Onkels ein. In seinem Sinne kümmern sich jetzt seine Frau Margret und der Künstler Peter Bosshart um den Nachlass. Sie beabsichtigen, das Werksverzeichnis zu aktualisieren. Neben den Museen und Galerien wissen auch viele private Liebhaber Hermann Scherers Kunstwerke zu schätzen.

Der nächste Teil der Serie beschäftigt sich mit der Ortsgeschichte.

Autor: don