Nachts und auf 100 Metern Tempo 30

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Mi, 03. Dezember 2014

Rümmingen

Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes macht den Weg frei für Geschwindigkeitsbegrenzung in der unteren Lörracher Straße.

RÜMMINGEN. Für viele Rümminger hört es sich an wie ein Schildbürgerstreich: Die Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes (LRA) Lörrach macht den Weg frei für die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 in der Lörracher Straße in Rümmingen – aber nur auf einer Länge von 100 Metern und nur nachts. "Besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, sprich besser schon mal ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Verkehrsberuhigung als gar nichts", so Bürgermeisterin Daniela Meier.

Deshalb beschloss der Rat einstimmig, den Vorschlag aus dem Verkehrsgutachten des LRA, Tempo 30 auf der Lörracher Straße auf dem Streckenabschnitt zwischen der Einmündung der L 134 und der Hausnummer 14 einzuführen, auf den Weg zu bringen. Damit kann die Straßenverkehrsbehörde die Zustimmung des Regierungspräsidiums für die verkehrsberuhigende Maßnahme einholen.

Freunde werden viele Anwohner einer der meistbefahrenen Rümminger Straßen und die Verantwortlichen in der Behörde wohl auf lange Zeit nicht mehr. Weder wird es die von der Gemeinde gewünschten fest installierten Geschwindigkeitskontrollen, noch einen Zebrastreifen, noch die durchgängig gültige 30er-Zone in der gesamten Lörracher Straße geben. Die vielen Zuhörer im Rathaussaal reagierten während der Gemeinderatssitzung auf das aus dem Lärmgutachten resultierende Ergebnis der Verkehrsbehörden, das Bürgermeisterin Daniela Meier mitteilte, mit Sarkasmus und Unglauben. Am meisten erboste die Bürger, dass noch nicht einmal Geschwindigkeit und Dezibelzahlen (wegen der Lärmbelastung) direkt vor Ort gemessen wurden, sondern sich die Empfehlung fürs nächtliche Tempo 30 auf einem kurzen Straßenabschnitt aus Berechnungen herleiten, die mit einem Computerprogramm namens "Sound Plan" aufgestellt werden können. Zugrunde gelegt wurden dabei Zahlen aus dem Jahr 2012. "Seitdem hat sich der Verkehr aber weiter verstärkt", hielten gleich mehrere Anwohner fest.

Zudem hatte Zuhörer Winfried Heinrich selbst mit einem geeichten Gerät vor Ort die Dezibelzahlen ermittelt, und kam in den Spitzenzeiten auf deutlich höhere Werte als die Behörde und damit auf Überschreitungen der Dezibelgrenzen. Im Gutachten seien tagsüber 68 Dezibel ermittelt worden, er aber habe allein tags schon mehrfach 73 Dezibel gemessen, sagte er. Bei 70 dB(A) liegt der Grenzwert für geschwindigkeitsbegrenzende Maßnahmen tagsüber, bei 60 dB(A) nachts. "30 km/h nur nachts und nur auf einer kurzen Strecke, wo 60 dB(A) überschritten sind, ist ein Witz – morgens von 6 bis gegen 8 Uhr und nachmittags von 16 bis 19 Uhr ist in der Lörracher Straße das meiste los – und der meiste Lärm", machte er seinem Ärger Luft. Hinzu kommt, dass, sobald Tempo 30 aufgehoben wird, Auto- und Motorradfahrer Gas geben – dann vor allem Richtung Lucke. "Das ist ein Berg, da drücken alle aufs Pedal und das macht einfach Lärm – bis noch was Schlimmes passiert", meinte ein Bürger. Vor allem hatten Räte und Zuhörer darauf gesetzt, dass bei durchgängig gültigem Tempo 30 auf der Lörracher Straße, "endlich alle mal wenigstens nur noch 40 km/h fahren", so Meier. Man müsse sich auch an die eigene Nase packen, waren sich viele Autofahrer im Rund einig.

"Unser Landkreis erklärt uns immer wieder, was alles nicht geht, in anderen Landkreisen, zum Beispiel im Schwäbischen, ist offenbar der Ermessensspielraum nach der Einführung der neuen Landesrichtlinien, die es Gemeinden erleichtern sollen, die Geschwindigkeit innerorts zu reduzieren, viel größer", formulierte Daniela Meier dazu vieldeutig. Die Bürgermeisterin spielte damit auf den Schlusssatz in der Lärmkartierung an, die die Rapp Trans AG erstellte. Dort heißt es: "Eine weitere Ausdehnung der Beschränkung wäre grundsätzlich als Lärmminderungsmaßnahme sinnvoll. Die rechtlichen Voraussetzungen der StVO (Straßenverkehrsordnung) liegen hierfür jedoch nicht vor." Der Gemeinderat will das Thema weiter verfolgen, nicht klein beigeben und Tempo 30 auf einen längeren Streckenabschnitt ausgedehnt sehen – zusätzlich rücken dann wohl auch die Wittlinger und die Binzener Straße noch mehr in den Fokus.