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03. Juni 2013

"Das tödlichste Unternehmen Europas"

Friedensaktivisten konferieren und demonstrieren gegen Waffenhersteller Heckler & Koch.

OBERNDORF. Eine Frau steht im strömenden Regen vor dem Werkstor von Heckler & Koch in Oberndorf und hat Tränen in den Augen. Sie könne es nicht aushalten, sagt sie, vor der Firma zu stehen, die die Waffen herstellt, mit denen jedes Jahr Hunderttausende getötet werden.

Mit ihr sind es 200 Friedensaktivisten, die sich vor Heckler & Koch zusammenfinden, um für eine Welt ohne Waffen zu demonstrieren. Die meisten sind aus Villingen-Schwenningen angereist. Dort tagte von Donnerstag bis Sonntag ein internationaler Kongress gegen den Handel mit Kleinwaffen.

Organisiert hatte ihn der Verein "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW). "Wenn die Waffen erst mal produziert sind, finden sie auch ihren Weg in die Hände derer, die damit töten", sagt Jens Wagner, Arzt aus Hamburg.

"Wenn man sieht, wie viele Menschen in Afrika und anderen Ländern durch deutsche Waffen und mit Zustimmung der Bundesregierung ums Leben kommen, muss man dagegen etwas unternehmen", sagt Günter Baitsch. Er war Chefarzt in Bad Säckingen, hat sich viele Jahre in Afrika engagiert und lebt jetzt in Basel.

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Der Rüstungsgegner Jürgen Grässlin hatte in Villingen über Heckler & Koch informiert. Für ihn ist die Firma "das tödlichste Unternehmen Europas". Seit 1955 seien durch H&K-Waffen mehr als zwei Millionen Menschen ums Leben gekommen, will Grässlin errechnet haben. Mitverantwortlich dafür sei die Bundesregierung mit Kanzlerin Angela Merkel. Grässlin bezeichnet sie als "Marketenderin der Todeswaffen", denn nur mit ihrer Zustimmung und der Genehmigung des Bundessicherheitsrats können Waffen exportiert werden. Diese Exporte haben sich nach Grässlins Recherchen von 2011 bis 2012 fast verdoppelt.

Der Kongressworkshop "Leben in einer Waffenstadt" kritisierte, dass darüber in Oberndorf nicht gesprochen werde. Acht von zehn Familien seien mit Heckler & Koch verbunden sind, dennoch sei die Waffenproduktion in der Stadt ein Tabuthema.

Die Firma zeigte am Samstag keine Reaktion. Zwei Männer vom Werksschutz standen hinter dem Zaun und beobachteten die Szenerie.

Autor: Petra Walheim