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04. April 2012

Rugby im Rolli

In Köln fand das weltgrößte Turnier im Rollstuhlrugby statt – mit einem Team aus Freiburg.

  1. Die Freiburgerin Christine Cecala sitzt nach einem Autounfall im Rollstuhl. Rugbyspielen ist ihre Leidenschaft. Foto: Annika Westphal

KÖLN/FREIBURG. Beim weltweit größten Rollstuhlrugby-Turnier traten am Wochenende in Köln Mannschaften aus zwölf Nationen gegeneinander an. Mit dabei war auch ein Team aus Freiburg.

Sie rasen aufeinander zu, nehmen eine knallende Kollision gerne in Kauf. Sie blocken, prellen, passen und versuchen sich gegenseitig den Ball abzuluchsen. In der Halle vermischen sich Trainerrufe und Fangesänge. Es knallt und zischt. Wieder einmal hat es einen Reifen getroffen, der innerhalb von zwei Minuten gewechselt werden muss. Der schnelle Einsatz des Technikpersonals erinnert an einen Boxenstop bei der Formel 1. Aber hier wird ein ganz anderer Wettkampf ausgetragen: Rugby im Rollstuhl.

Unter dem Motto "Rugby – or not to be" trafen bei der 14. Auflage des Bernd-Best-Turniers am vergangenen Wochenende 48 Rollstuhlrugby-Mannschaften aufeinander. Das Turnier – benannt nach einem bekannten Rollstuhlrugby-Spieler, der 1971 mit 27 Jahren starb – ist der weltweit größte Rollstuhlrugby-Wettkampf. Gespielt wurde in vier Leistungsklassen – von der Basic-League bis zur Champions-League mit internationaler Top-Besetzung. Unter den 16 Teams der Basic-League waren auch die Freiburger Dragons, die zum dritten Mal dabei waren.

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Beim ersten Kontakt zur Mannschaft von Thomas Moser fällt eine dunkelhaarige Frau auf. Gerade noch saß die Groß- und Außenhandelskauffrau in ihrem Merdinger Büro. Während der kommenden Tage wird Christine Cecala Computer, Telefon und Terminkalender gegen ein Basketballfeld und einen griffigen Volleyball tauschen, um ihrer Leidenschaft, dem Rugbyspielen, nachzugehen. In der Umkleidekabine wechselt sie ihren Alltagsrollstuhl gegen ein sportliches Kampfgerät, zieht Gummihandschuhe an und fixiert diese mit Tape an ihren Armen. Cecala ist zwar die einzige Frau zwischen ihren acht Mannschaftskameraden, was ihr bei den Gegnern aber keinen Freundlichkeits-Bonus bringt. Zumindest nicht im Spiel. Direkter Körperkontakt ist zwar verboten und wird mit einem Ballverlust, beziehungsweise mit einer Strafminute auf der Bank geahndet. Dennoch werden regelmäßig Spieler ausgehebelt und krachen zu Boden. "Außer ein paar Blessuren habe ich aber noch nicht viel mit nach Hause nehmen müssen", betont die 0,5- Punkte-Spielerin. Die Punkte beziehen sich darauf, wie gut sich ein Sportler bewegen kann (siehe Hintergrund). "Noch vor einigen Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, überhaupt wieder Sport treiben zu können", sagt die 40-jährige Cecala, die mit 18 Jahren bei einem Autounfall schwer verletzt wurde und seither auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Bei der Reha hat die Freiburgerin eine Rollstuhlrugby-Mannschaft kennengelernt. Die Spieler überredeten sie, sich in einen Rugbyrollstuhl zu setzen. Aus dieser Sitzprobe wurden drei Wochen Training.

Da es damals in Freiburg noch keine Mannschaft gab, organisierte Cecala im Oktober 2007 mit dem damals frisch verunglückten Alexander Butz einen Rugby-Workshop, aus dem sich eine feste Mannschaft zusammenfand. Unterstützung bekamen sie vom Fachbereich Rollstuhlrugby des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands sowie vom Ringsport Freiburg, für den Verein startete Cecala nun auch in Köln. Nach fünf Spielen, von denen die Dragons zwei gewonnen haben, gab sich Trainer und Mitspieler Moser zufrieden: "Wir haben den zehnten Platz erreicht. Und das, obwohl wir alle berufstätig sind, nur einmal die Woche trainieren können und zwei neue Spieler dabei waren".

Von dem Rugby-Wochenende, da sind sich Cecala und Moser einig, konnten sie jede Menge Erfahrungen, internationalen Austausch und ein gestärktes Mannschaftsgefüge mitnehmen. Nach dem Turnier hatten die beiden außerdem noch etwas anderes zu feiern: Vor genau vier Jahren, als Cecala noch Zuschauerin und Moser Ersatzspieler einer anderen Mannschaft war, haben sie sich nämlich auf dem Bernd-Best-Turnier kennen und lieben gelernt.

Autor: Annika Westphal