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05. September 2010 16:43 Uhr
Ganter Open Air
Runrig in Freiburg: Der Schlag der Trommel
Schottland ist die Heimat von Runrig – und dieser Heimat hat die sechsköpfige Band beim Ganter Open Air in Freiburg nicht nur musikalisch gehuldigt. Sie zeigte sie auch auf einer großen Leinwand.
Ihre Themen sind die Liebe, Glück, Verlust und Tod. Wie bei vielen Rockbands. Aber Runrig singen und spielen auch von der Sehnsucht nach einem bestimmten Fleckchen Erde im Norden Europas und erinnern an seine wechselvolle Geschichte, geprägt von dem Kampf um Unabhängigkeit. Tiefe Täler, von schmalen Flüssen durchzogen, langgestreckte Seen wie der Loch Lomond, kahle Bergrücken und ein Himmel, dessen strahlendes Blau fast immer vom Schneeweiß der vielen kleinen und großen Wolken untermalt wird. Schottland ist die Heimat von Runrig – und diese Heimat besang und bespielte die sechsköpfige Band am Samstagabend beim Ganter Open Air in Freiburg nicht nur: Sie zeigte sie auch auf einer großen Leinwand.
Solche Momente, wo das Akustische sich mit dem Visuellen vereint, sind die stärksten im zweistündigen Konzert: Wenn die 1973 von Rory und Calum Macdonald gegründete Band, die über weite Strecken soliden, erdigen Rock unter gleißendem weißen und blauen Scheinwerferlicht zelebriert, sich an ihre Folk-Wurzeln erinnert. Großartig der schottische Marsch mit vier Trommeln am Bühnenrand. Tief rührt die auf gälisch gesungene Hymne "Siol Ghoraidh" an oder der Schlag der Trommel, der wie ein Herzschlag klingt – lonely and strong ("Beat the Drum"). Ein Höhepunkt, wenn Keyborder Brian Hurren mit klarer Stimme die Ballade "In Search of Angels" singt – und nicht fehlen darf natürlich die inoffizielle schottische Nationalhymne: "Loch Lomond", der Folksong aus dem 18. Jahrhundert, der dank Runrig wieder zu einem Riesenhit wurde. Nur schade, dass es keine echten "Pipes" mehr auf der Bühne gibt.
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Runrig hat eine Fangemeinde in Deutschland und tourt hier regelmäßig. Zuletzt spielten die Musiker um Frontman Bruce Guthro (der Kanadier aus Neuschottland löste den charismatischen schottischen Sänger Donnie Munro vor zwölf Jahren ab) vor zwei Jahren auf dem ZMF im ausverkauften Zirkuszelt. Auf dem Ganter-Gelände hätten diesmal noch ein paar Hundert Zuhörer mehr Platz gehabt, aber so war die Stimmung sehr angenehm: Einige Fans kamen dem Anlass angemessen im Kilt, vereinzelt wurden blau-weiße Flaggen geschwenkt, fleißig wurde geklatscht und mitgesungen.
Guthro bedankte sich artig auf Deutsch – "es ist wunderschön, wieder in Freiburg zu sein" und beschränkte sich ansonsten meist auf die Kommunikation mit seinen fünf spielfreudigen Musikern. Mit dem sehnsuchtsvollen "Going Home" verabschiedete sich die Band vom Freiburger Publikum – man darf das wörtlich nehmen, denn Freiburg war die letzte Station der Tour 2010 in Deutschland.
Autor: Heidi Ossenberg
