Ortenaukreis

15 Menschen bei Chlorgas-Unfall im Europa-Park verletzt

Bastian Bernhardt, Christian Kramberg, Klaus Fischer, Karl Heidegger

Von Bastian Bernhardt, Christian Kramberg, Klaus Fischer & Karl Heidegger

Di, 07. Juni 2016 um 17:23 Uhr

Rust

Für einige Gäste und Mitarbeiter endet der Tag im Europa-Park im Krankenhaus. An einer Wasserbahn war Chlorgas ausgetreten. Ursache ist wohl ein falsch eingesetztes Mittel

Der Zwischenfall ereignete sich nach Informationen der Badischen Zeitung am Dienstag gegen 14 Uhr. Betroffen ist die Fjord-Rafting-Attraktion im skandinavischen Bereich.

Dort kam es nach Angaben des Europa-Parks zu zu einer hohen Konzentration von Chlor im Wasser. Zehn Besucher, die in den Raftingbooten unterwegs waren, klagten den Angaben zufolge über Augen- und Hautreizungen, Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen. Dabei handelt es sich um neun Erwachsene und ein fünfjähriges Kind. Zudem haben sich fünf Park-Mitarbeiter bei den Sanitätern gemeldet.

Europa-Park-Betrieb läuft normal weiter

In weiten Teilen des Freizeitparks blieb der Zwischenfall im Island-Areal vollkommen unbemerkt. Der Betrieb im Europa-Park läuft ganz normal weiter. Lediglich das betroffene Fahrgeschäft bleibt bis zum Abschluss der Untersuchungen geschlossen, wie die Polizei am Dienstagnachmittag meldet. Das Polizeipräsidium Offenburg habe Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung aufgenommen.

Wie der für den Parkbetrieb verantwortliche Direktor Volker Klaiber der Badischen Zeitung mitteilte, war menschliches Versagen die Ursache für den Unfall. Demnach setzte ein Parkmitarbeiter während des laufenden Betriebs dem Wasser in der Anlage "Fjord-Rafting" ein Mittel zur Algenreduzierung bei. Zusätzlich setzte er ein falsches Mittel, nämlich Chlor, dem Wasser bei. Nach Auskunft von Klaiber wird allerdings für die Wasseraufbereitung gewöhnlich Wasserstoffperoxid eingesetzt.

Sanitätszentrum des Europa-Parks behandelt die Verletzten

Die Chlor-Substanz wurde dem Wasser im Einstiegsbereich des Fahrgeschäfts zugesetzt. Dieser Bereich ist überdacht. "Weil dadurch kaum Luftbewegung stattfinden konnte und zusätzlich das drückende Wetter für eine Konzentration des zugesetzten Gases sorgte, bildete sich eine erhöhte Gaskonzentrationen in dem Bereich", so Klaiber gegenüber der Badischen Zeitung. Es seien wohl zwei Wagen durch die entsprechende Passage geschwommen.

Die betroffenen Menschen wurden zunächst im Sanitätszentrum des Europa-Parks behandelt. Nach Polizeiangaben wurden schließlich zehn Verletzte mit Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen in umliegende Krankenhäuser gebracht. Dort werden sie weiter untersucht. Fünf weitere Menschen wurden vor Ort behandelt.

Weil ein Notruf über den Mobilfunk abgesetzt wurde, rückten am Europa-Park zahlreiche Einsatzkräfte an. Unter anderem waren Polizei, Rettungsdienste und der Gefahrgutzug von Lahr vor Ort. Außerdem war ein Rettungshubschrauber im Einsatz.

Frischwasser senkt die Chlor-Konzentration

Nach Auskunft von Volker Klaiber wurde die Bahn nach den Beschwerden der Parkbesucher sofort außer Betrieb gesetzt. Mitarbeiter sorgten dafür, dass Parkbesucher sich der Bahn nicht nähern konnten. Nach Klaibers Einschätzung wäre ein die zentrale Alarmierung der Rettungskräfte nicht notwendig gewesen. Der Park verfüge selbst über ausreichend Rettungspersonal und geeignete Behandlungsräume.

Chlor ist eine Chemikalie, die vor allem in Schwimmbädern – aber auch in anderen öffentlichen Einrichtungen – zur Desinfektion verwendet wird. In niedriger Konzentration ist es harmlos, in höherer Dosierung gesundheitsschädlich.

Im Europa-Park wurde das Problem beim Fjord Rafting gelöst, indem der Anlage Frischwasser zugeführt wurde. Dadurch wurde das Wasser verdünnt – und die Chlor-Konzentration gesenkt.

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