Entwarnung

Der Ascheregen beim Brand im Europa-Park war ungefährlich, sagt das Gesundheitsamt

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Mi, 22. August 2018 um 17:27 Uhr

Rust

Das Gesundheitsamt hat die Asche untersucht, die nach dem Brand im Europa-Park in Rheinhausen niedergegangen war und gibt Entwarnung. Verschmutztes Obst und Gemüse sollte dennoch gewaschen werden.

Die Aschestücke, die nach dem Brand im Europa-Park Rust Ende Mai auf Rheinhausener Gemarkung gefunden wurden, waren laut Gesundheitsamt harmlos: Eine Gefährdung, heißt es in einem Schreiben der Behörde an das Rheinhausener Rathaus, sei "höchst unwahrscheinlich und tatsächlich nicht realistisch." Umweltschützer Axel Mayer sieht die erhöhte Konzentration des Elementes Antimon als Problem – und appelliert an Architekten und Planer, nur mit ungiftigen Stoffen zu bauen.

Einige Fetzen waren ganz klein. Andere nicht. "Da war alles dabei, bis zu Stücken in der Größe eines DIN-A4-Blattes", erzählt Rheinhausens Bürgermeister Jürgen Louis. Nach dem Großbrand am 26. Mai hätten sich viele Bürger bei ihm und seinen Kollegen wegen der verdächtigen Funde gemeldet. "Das ging ja flächendeckend in Rheinhausen nieder", sagt der Rathauschef. Im Herbolzheimer Rathaus wiederum blieben die Telefone still – dort meldete niemand Asche auf dem Acker.

Günstige Luftströmung

Die Polizei hatte Anwohner während des Brandes gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Behörde für Immissionsschutz im Landratsamt Offenburg hatte früh Entwarnung gegeben, Messtrupps der Feuerwehr – unter anderem war das Kenzinger ABC-Erkundungsfahrzeug im Einsatz – hatten keine Giftstoffe entdeckt. Laut Aussage des Offenburger Kreisbrandmeisters Bernhard Frei hatte die günstige Luftströmung die Rauchwolke schnell nach oben geweht.

Die Rheinhausener blieben skeptisch, Louis schaltete das Emmendinger Gesundheitsamt ein. Die Mitarbeiter sahen sich vor Ort um, nahmen Bodenproben und beauftragten ein Labor, sich die Aschestücke anzusehen. Wochen später übermittelte Behördenchef Armin Dietz die Ergebnisse nach Rheinhausen, die Gemeinde hat das Schreiben auch auf ihrer Webseite veröffentlicht. "Die nun vollumfänglich vorliegenden Ergebnisse dieser Analysen sind sehr erfreulich", schreibt Dietz. "Die Besorgnis einer relevanten Belastung oder Gefährdung hat sich nicht bestätigt."

Antimon-Grenzwert überschritten

Giftige Stoffe wie Dioxine, PCB oder Asbestfasern hätten die Experten entweder gar nicht oder nur in unbedenklichen Mengen nachweisen können. Minimal erhöhte Konzentrationen stellte das Labor für Antimon, Cadmium, Kupfer und Zink fest – wobei nur für Antimon eine geringfügige Überschreitung der Grenzwerte um das 2,5-Fache festzustellen sei. "Mit der Ablagerung der Flugasche auf dem Boden", schreibt Dietz weiter, fänden aber weitere Prozesse wie "beispielsweise eine erhebliche Verdünnung" statt. Eine Ablagerung der schädlichen Metalle in Ernteprodukte sei deshalb nicht zu erwarten, die Lebensmittel seien sicher. "Ein Reinigen von sichtbar mit Asche beschmutztem Gemüse oder Salat mit Trinkwasser, wie es der allgemeinen Lebenserfahrung entspricht, genügt sicherlich."

Axel Mayer, Geschäftsführer des Bundes Umwelt und Naturschutz-Regionalverbandes in Freiburg, bezeichnet auf BZ-Nachfrage vor allem die erhöhte Konzentration von Antimon als "Problemfeld". Aus Sicht des BUND sei nun eine stichprobenartige Analyse der Feldfrüchte noch sinnvoll. Tatsächlich schienen bei dem Feuer sowohl die Menschen im Park als auch die umliegenden Gemeinden mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Der Vorfall in Rust bestätige aber eine alte BUND-Forderung: Wer baut, solle nur mit Materialien arbeiten, die im Brandfall ungiftig sind. "Diese Forderung", erklärt Mayer, "gilt selbstverständlich auch für die Aufbauarbeiten im Europa-Park."

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