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26. November 2010
"Der Tod sagt nie: Warte ab"
Jürgen Fliege, der aus dem Fernsehen bekannte Pfarrer, begeistert mit seinem Vortrag auch das Publikum in Rust .
RUST. Was ist der Sinn des Lebens? Mit nichts geringerem als dieser zentralen Frage eines jeden Menschen hat sich Deutschlands wohl bekanntester Pfarrer Jürgen Fliege bei seinem Vortrag am Dienstagabend in Rust beschäftigt. Seine Antwort nach einer Stunde intensiver und dabei doch höchst unterhaltsamer Suche: Das Leben und die Liebe, die wir empfangen haben, weiter zu geben.
Mit weit zur Seite hin ausgestreckten Armen steht Jürgen Fliege zum Schluss seines Vortrags vor seinem Publikum, um dieses Weitergeben zu symbolisieren. Von der empfangenen Hand reicht er die Gabe weiter an die gebende Hand. "Wenn Deine Gabe zur Aufgabe wird" lautete das ihm gestellte Thema, zu dem er in Marianne Macks Vortragsreihe Neue Perspektiven in den mit gut 700 Zuhörern fast ausverkauften Ballsaal Berlin des Europa-Parks gekommen ist.Sein Thema geht Jürgen Fliege – evangelischer Pfarrer, Autor zahlreicher Bücher, bekannt aber vor allem aus der ARD ("Fliege – die Talkshow") – mit profunder Namensforschung an. Seiner Überzeugung nach manifestiert sich die Aufgabe eines jeden von uns schon mit dem ihm gegebenen Vornamen. Die Frage "Wie heißt du?" bedeute nichts anderes als die Frage nach der Verheißung oder anders ausgedrückt, die Frage "nach dem Marschbefehl". Nur wer seine wirkliche Aufgabe, seine Bestimmung finde, empfinde das Glücksgefühl, das ihn zum Sinn des Lebens führe.
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Der 63-jährige Pfarrer lieferte eine Menge Beispiele für seine Behauptung, unter anderem ("Roland? So werden Züge und Lokomotiven genannt") ging er auch seinem eigenen Namen auf den Grund. Jürgen sei die niederdeutsche Form von Georg und das heiße nichts anderes als erdverbunden. "Das bin ich ohne Zweifel. Ich sitze gerne auf dem Boden, auf der Mutter Erde. Auch in meinen Sendungen, und dort bete ich. Ich glaube, ich bin ein guter Beter", sagte Fliege.
Wie aber kann man seine wahre Aufgabe erkennen? Das sei oft nicht einfach. Ein mancher finde dies erst im hohen Alter. Jürgen Fliege berichtete von seinen Erfahrungen aus Hospiz-Besuchen: "Die Gespräche ähneln sich, wenn der Tod anklopft. Oft klagen die Menschen: Ach, ich war nicht liebevoll genug und nicht mutig." Um nicht so lange warten zu müssen, bis der Tod tatsächlich anklopft, rät Fliege zu einem Trick: "Reden Sie jetzt mit ihm. Der Tod wird ihnen immer sagen: Sei liebevoll und mutig. Er sagt nie: Warte ab." Auch schwere Krankheiten könnten zu den großen Fragen des Lebens führen. So gesehen seien Krankheiten sinnstiftend und sollten als Chance und als Weg empfunden werden, zu seiner Lebensmitte zurück zu kehren.
Mit der Vortragsreihe unterstützt der Förderverein Santa Isabel Kinder und deren Familien in besonders schwierigen Lebenssituationen. Einige Jugendliche der Diakonie Kehl-Kork, die im vergangenen Jahr Geld für Musikinstrumente erhalten hat, bedankten sich an diesem Abend mit zwei Musikstücken.
Autor: Hagen Späth
