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31. Oktober 2008
Klangkraft, edler Ton und kesse Sohle
Mädchenchor des Gymnasiums der Künste aus Minsk beeindruckte Publikum in der Ruster Kirche
RUST. Ein besonderes Gastspiel hat in der Kirche in Rust stattgefunden: Dort gab der Mädchenchor des Gymnasiums der Künste im weißrussischen Minsk mit rund 40 Sängerinnen ein Konzert. Und das Publikum kam überaus zahlreich.
Klangkraft, sehr edler Ton, nahezu perfekte Intonation, ein genaues Wissen davon, was Steigerungen, Spannungsbögen bedeuten – dies waren die Merkmale des großen Mädchenchores. Dazu kommen der enge Kontakt zur Dirigentin Maria Bulat und nicht zuletzt eine weite Spanne im Repertoire von Frühbarock über (weiß-) russische Volksmusik bis hin zum 20. Jahrhundert. Da machte es nichts, dass ein Feuerwerk im nahen Europa-Park unüberhörbar ins Konzert platzte. Und die Tatsache, dass ein gedrucktes Programm fehlte, machten zwei der Sängerinnen mit ihrer Moderation auf Deutsch wett.
Dass sich der Chor auf hohem Niveau bewegt, zeigte schon das eingangs gesungene Halleluja – "Velikaja beloruskoje" (Großes Weißrussland). Der Chor maß gleichsam, unisono und aufmerksam seiner Dirigentin Maria Bulat folgend, die Akustik des Kirchenraums aus. Henry Purcell ging dann Trojanowsky voraus: einem Te Deum moderneren Klangs, während dem die (leider nur mit einem schnöden E-Piano bediente) Pianistin Olga Maslowa an ein Klangholz wechselte. Das ebenfalls moderne "Ave Maria" musste sich des erwähnten Feuerwerks erwehren – die Sängerinnen reagierten professionell und sangen weiter, Organisatorin Claudia Scherer von der Frauengemeinschaft Rust musste das Programm nicht unterbrechen. Immer wieder traten Mädchen für Soli aus dem Chor – mit teils ausgezeichneten Stimmen. Nicht überhörbar und einleuchtend ist die Liebe zur (weiß-)russischen Musik. Umso überraschender dann Gershwin: Sein "Embrace me" kam mit allen nur denkbaren Verlängerungen und Verkürzungen der Töne, auf der Schwelle zum Jazz und mit zwei Solistinnen daher – die Dirigentin präsentierte eine hochintelligente Interpretation. Einfach wunderbar.
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Nach der Pause zogen die Mädchen singend wieder in den Altarraum ein. Im zweiten Teil standen einmal mehr – zum Teil äußerst diffizile – Volksliedsätze auf dem Programm; sogar eine weißrussische Polka erklang. Im Lied "Ein Zweiglein" hörte man die Vöglein so richtig zwitschern. Sehr viel Beifall zum Schluss. Als Dank legten die Mädchen ihre Noten beiseite (die Dirigentin bestritt das Konzert komplett auswendig) und legten eine ziemlich kesse Sohle aufs Parkett. Ein tolles Konzert.
Autor: fbt
