Kulinarische Kreationen vom Kap der guten Hoffnung

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Sa, 11. August 2012

Rust

HINTER DEN KULISSEN DES EUROPA-PARKS: Die Spitzenköchin Anita Roux begeistert bei den Südafrikanischen Wochen mit Spezialitäten aus ihrem Heimatland.

RUST. Donnerstag, 11 Uhr, Treffpunkt ist die Küche neben dem Ballsaal Berlin an der Deutschen Allee im Europa-Park: Noch für die nächsten zwei Wochen hat hier Anita Roux das Sagen. Denn hier entstehen die Boboties (Aufläufe) oder Breddles (Eintöpfe), die Chutneys oder scharfen Gewürzmischungen wie Masala, werden die Braai ( Steaks) und Lachsfilets im Buchenspan vorbereitet, um später am Abend auf dem Schwenkgrill vor den Augen der Gäste gegart zu werden. Es sind wieder Südafrikanische Wochen im Colonial House am großen See im Park – und Anita Roux sorgt dabei für wahre Geschmacksexplosionen.

Die ausgewiesene Spitzenköchin aus Südafrika ist bereits zum zweiten Mal Küchenchefin der Südafrikanischen Wochen und hat mehrere Jahre mit Cass Abrahams zusammengearbeitet, die in der Welt der Köche und Köchinnen als eine der renommiertesten Vertreterin der kap-malaiischen Küche gilt. Cass Abrahams hatte vor fünf Jahren auf Einladung von Thomas Mack, dem Chef für Essen, Trinken und Schlafen im Europa-Park, die Spezialitäten-Küche vom Kap nach Rust gebracht. Anita Roux setzt diese Tradition fort. "Cass hat sich zu alt für die Reise nach Europa gefühlt und mir vor einem Jahr das Angebot gemacht, sie hier zu vertreten. Ich nahm an, auch weil ich neugierig auf Deutschland war", erzählt die Frau im rosafarbenen Doppelreiher. Mit 32 Jahren hat sie den Bürostuhl als Buchhalterin in einem Unternehmen mit dem Platz am Herd eingetauscht. "Mein Vater und meine Mutter soundso haben zu Hause immer gerne gekocht. Daher rührt wohl meine Passion fürs Kochen. Professionell hatte sich in der Familie aber niemand vor mir dem Thema Essen genähert", sagt Anita Roux.

Womöglich ist die familiäre Herangehensweise an das Thema auch die Basis für Roux’ Kochstil. Denn die Südafrikanerin hat von Anfang an keine Karriere in einem Sternerestaurant angestrebt. Roux: "Das Fine-Dining war nie mein Ziel. Ich wollte nicht jeden Tag unter dem Druck von Standards stehen, sondern in der Küche experimentieren dürfen, jeden Tag aufs Neue. Das geht nur, wenn du frei bist, wenn das Bobotie heute mit Sultaninen und Aprikosen etwas süßlich schmecken und morgen etwas schärfer sein darf." Und so reagiert sie auch nicht entsetzt, wenn man ihre Küche als "etwas rustikal" bezeichnet:. "Nein, nein, genauso sehe ich meine Küche auch. Und ich lerne jeden Tag hinzu. Mit der Entwicklung bist du nie am Ende".

Zu Hause in Stellenboch/Südafrika betreibt Anita Roux einen Catering-Service, bestückt Buffets bei Hochzeiten, Firmenevents oder Empfängen der Provinzregierung. Sie hat es in der Branche inzwischen zu Anerkennung gebracht, denn von der Galerie Lavayette in Paris war sie schon eingeladen, um südafrikanische Küche vorzustellen, bewirtete im Auftrag des südafrikanischen Finanzministeriums in der Botschaft in London Diplomaten und Wirtschaftsbosse oder stellte den Finnen im Lord-Hotel in Helsinki Spezialitäten aus ihrer Heimat vor.

Und jetzt also Deutschland. Damit verbindet die Südafrikanerin inzwischen perfekte Organisation und auch ein wenig das Gefühl von Urlaub. "Das tolle hier ist, dass ich mich um die Rohmaterialien nicht kümmern muss. Ich sage, was ich brauche, und der Europa-Park besorgt es", sagt sie. So ganz ohne Einschränkungen geht’s dennoch nicht. Wegen der Vogelgrippe und der Importsanktionen findet sich in diesem Jahr am Buffet kein Strauß-Fleisch. Und dass sich hinter dem eingelegten Springbock wie er auf der Karte steht, tatsächlich deutsches Rotwild verbirgt, wer will hier aufbegehren, wo das Fleisch am Vorspeisenbuffet doch ebenso zart ist. "Hoffentlich verzeihen mir die Gäste aber, dass ich immer noch nicht weiß, wie ein deutscher Hirsch eigentlich aussieht", scherzt Anita Roux.

Um diese Wissenslücke zu schließen, bleibt ihr nach dem Vier-Wochen-Job im Europa-Park noch Zeit. Vor einem Jahr war sie im Anschluss an ihr Engagement in Rust mit dem Rucksack noch in der Schweiz und in Italien unterwegs, wo sie in Imola spontan auf einem italienischen Bauerhof mehrere Tage zubrachte und viel über Wein und italienischer Küche erfuhr. Für dieses Jahr hat sie nach den Arbeitswochen im Park eine Tour nach München, Salzburg und Wien geplant. "Aber ich mache mir da keinen Stress. Wenn’s mir irgendwo wieder gut gefällt, bleibe ich einfach", sagt sie. Eines steht bei ihr aber schon felsenfest: Im nächsten Jahr will sie wieder nach Rust kommen und Boboties, Braai oder Kürbis in Honig servieren. Und: Sie will endlich Deutsch lernen. Roux: "Ich spreche gern mit Gästen über mich, meine Heimat und unser Essen. Das vermisse ich hier in Rust schon. Ich muss unbedingt eure Sprache lernen."