Workshop in Rust

Selbstversuch: Wie werde ich ein guter Nikolaus?

Olaf Michel

Von Olaf Michel

So, 02. Dezember 2018 um 15:14 Uhr

Rust

Wenn Nikolaus der Freund der Kinder ist, wie war das dann mit der Rute? Was ist ein Zingulum und wie bindet man es? BZ-Mitarbeiter Olaf Michel drückte einen Tag die "Nikolaus-Schulbank", um hinter das Geheimnis eines guten Nikolauses zu kommen.

Ein guter Nikolausbesuch ist mehr als eine "nette Attraktion". Was sollten die Darsteller des heiligen Nikolaus also vom "Bischof von Myra" wissen? Was sollte für einen gelingenden Besuch berücksichtigt werden? Diesen Fragen widmete sich jetzt ein Workshop im Europa-Park in Rust, den das Bonifatiuswerk zusammen mit dem Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg und der "Kirche im Europa-Park Rust" veranstaltet hat. BZ-Mitarbeiter Olaf Michel, mit einem nikolauswürdigen Rauschebart gesegnet, war beim Kurs diese Woche dabei. Hier seine Erfahrungen:

Vor einem Jahr wurde ich von einer Freundin gefragt, ob ich in ihrem Verein zum 6. Dezember den Nikolaus mimen würde. Ich verneinte, weil der naturgewachsene Vollbart fehlte. Die Aufgabe jedoch hatte ihren Reiz, ein fehlender Bart sollte für die "Nikolaussaison 2018" kein Grund für eine Absage mehr sein. Seit dem Frühjahr wuchs der Bart und nahm eine stattliche Form an. Blieb aber die Frage: Was wird von mir als Nikolausdarsteller gefordert? Internetrecherche! Treffer: Die Erzdiözese Freiburg, das Bonifatius Werk und die Kirche im Europa-Park bieten einen Workshop an. Die Anmeldeformalitäten waren schnell erledigt, zur Eröffnung der Wintersaison im Park war es soweit.

30 Gleichgesinnte wollten mehr über Nikolaus wissen

Unter den Wartenden am Haupteingang des Parks ein bekanntes Gesicht: Thomas Feger aus Münchweier hatte Gleiches im Sinn. Mit 30 Gleichgesinnten aus Augsburg, Karlsruhe oder der Schweiz und unter Führung von Europa-Park-Seelsorger und Diakon Andreas Wilhelm ging es in den Park in das "Petit Strasbourg" im französischen Themenbereich. Notizblock, Kugelschreiber und ein in Folie eingepacktes Nikolausbuch lagen schon bereit und die Workshop-Leiter Tobias Adliger und Julian Heese stellten sich vor. Wie es sich gehört, wurde der Workshop mit dem Lied "Lasst uns Froh und Munter sein" begonnen. Es war wohl das Signal für den "echten" Nikolaus, der plötzlich mitten im Raum stand. Pastoralreferent Christoph Müller führte den "Nikolaus-Lehrlingen" vor, was am Ende des Workshops unser Standard sein sollte.

In einer Vorstellungsrunde fühlte ich mich dann unter Profis. Manche erklärten, sie hätten schon 30 Jahre "Berufserfahrung". Unter den Teilnehmern war auch Schauspieler Martin Wangler, bekannt aus der Serie "Die Fallers". Auch er schlüpft schon einige Jahre in die Rolle und wollte im Workshop sein Auftreten perfektionieren, wie er sagte.

Dann gab’s Theorie und Geschichte von Julian Heese, Referent Missionarische und diakonische Pastoral. Wer war eigentlich der Heilige Nikolaus, beziehungsweise der Bischof von Myra? Ich erfuhr so beispielsweise, dass der Nikolaus deshalb als ein heiliger Mann angesehen wurde, weil er den Legenden nach Wunder vollbracht haben soll. Außerdem gelte er als Patron der Gefangenen, der Kaufleute, der Pilger oder der Seeleute. Einige Orte, wie etwa Cuxhaven, haben den Nikolaus in ihrem Stadtwappen.

Die Kinder sollen einen freundlichen Nikolaus erleben

Meine wichtigste Erkenntnis: Der Nikolaus ist der Freund der Kinder und nicht wie oft dargestellt, ein Mann, der nur die schlimmen Taten der Kinder aufzählt. Selbst Knecht Ruprecht werde falsch dargestellt, hieß es. Seine Rute sei ursprünglich zum Verteilen von Weihwasser gedacht gewesen.

Nach so viel Theorie kam die Mittagspause gerade recht. Mit einem "Sei gegrüßt, lieber Nikolaus" ging es nachmittags weiter. Neues Thema: Was gehört zum Gewand des Nikolaus? Da schien ich im von meiner Frau Annette genähten Gewand schon ganz gut ausgestattet. Amik, Albe, Stola, Zingulum, Brustkreuz, Chormantel, Mitra und Stab sind die wichtigsten zu tragenden Symbole. Wie die Zingulum – ein weißes Band, dass das Gewand hält – gebunden wird, interessierte nicht nur mich, da wurden auch die schon erfahrenen Nikoläuse aufgeklärt. Ein spezieller, aber dennoch einfacher Knoten war die Lösung.

Ein Nikolaus bleibt immer cool

In Gruppen aufgeteilt, gingen wir den Fragen nach "Was ist die Botschaft des Nikolaus, wie organisiere ich den Auftritt oder welche Überraschungen können beim Auftritt auf uns warten?" Danach wurde es ernst: Jetzt ging es an die Umsetzung, an das "Schauspielen". Begrüßen, Gespräch mit den Kindern, was erzähle ich ihnen und vor allem, wie begegne ich ihnen. Wichtig: Immer cool bleiben.

Zum Abschluss ging es dann als Nikolaus verkleidet quer durch den Europa-Park, mit würdigem Schritt und aufrechtem Gang. Ein schönes Gefühl, für einen Moment die ganze Aufmerksamkeit von Erwachsenen und Kindern auf sich zu ziehen. Nächste Woche wird es dann ernst: Mein erstes Engagement als Nikolaus ist bereits abgemacht. Premierenfieber? Ein bisschen!

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