Kunst

Michael Beutlers monumentale Installation "Pipeline Field" im Frac Alsace in Sélestat

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Fr, 07. Juli 2017

Sélestat

Michael Beutlers monumentale Installation "Pipeline Field" im Frac Alsace in Sélestat.

In der traditionellen Ästhetik markiert die Sphäre der Kunst den Gegenpol zur Arbeitswelt, wenngleich seit der Moderne gern von ‚Kunstwerken‘ als ‚Arbeiten‘ die Rede ist und darin der Entstehungsprozess von Kunst stillschweigend als eine Form von Arbeit – vielleicht eine mehr spielerische – ausgewiesen wird. In der Tat ist in der ästhetischen Theorie von Schiller bis Adorno Kunst dem kindlichen Spiel viel näher als der beruflichen Arbeit, für die erst der russische Konstruktivismus einen utopischen Begriff entwickelte.

Michael Beutler sieht in der Entstehung eines Kunstwerks einen kreativen Prozess, in dem humane Möglichkeiten moderner Arbeitswelt selbst aufscheinen können. Seine monumentale Rauminstallation "Pipeline Field" im Frac Alsace in Sélestat erinnert an eine industrielle Produktions- und Lagerhalle. Die Ausstellung ist Teil eines Gemeinschaftsprojekts, in dem sich die drei Frac-Zentren der Region Grand Est Aspekten von Arbeit in ihren unterschiedlichen Formen widmen.

Mit einfachsten Materialien und Hilfsmitteln haben Beutler und sein Montageteam aus Studenten und freiwilligen Helfern eine skulpturale Pipeline geschaffen, deren Bestandteile den Raum füllen. Abweichungen, Fehler und Zufälle flossen als kreatives Moment in den Produktionsprozess ein. Letzterer ist für den Künstler ein wichtiger Teil des Werks: kein menschliches Produkt ohne soziale Beziehungen, Kooperation, kollektive Erfahrung. Eine Ausstellung als Reflexion über die moderne Arbeitswelt und Kritik an entmenschlichter Produktion.

Termine: Frac Alsace, 1 route de Marckolsheim, Sélestat. Bis 5. Nov., Mo, Di, Do,
Fr 8.30–12 Uhr und 14–17 Uhr,
Mi nur 8.30–12 Uhr