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08. Juli 2012 20:59 Uhr

Heimsieg

Sabine Spitz holt ihren elften deutschen Meistertitel

Mountainbikerin Sabine Spitz aus Murg-Niederhof hat den elften deutschen Meistertitel in Folge geholt. Bei den Männern siegte Manuel Fumic aus Kirchheim/Teck. Der Freiburger Europameister Moritz Milatz musste aufgeben.

  1. Deutscher Meister: Manuel Fumic aus Kirchheim/Teck Foto: dpa

Man kann sich schwer ausmalen, was passiert wäre, hätte Sabine Spitz dieses Rennen nicht gewonnen. Sicher, es waren auch ein paar Fans von der Freiburger Olympiastarterin Adelheid Morath an die Strecke gekommen. Manche hatten sogar Schilder gebastelt, um die 28-Jährige anzufeuern, die nun deutsche Vize-Meisterin ist. Sie hätten sich wahrscheinlich gefreut, wenn das eingetreten wäre, was sich niemand vorstellen konnte: dass die Lokalmatadorin in Sabine Spitz das Rennen verliert. Aber eine Niederlage hier, an diesem Tag?

Seit 2001 ist die 40-Jährige elf Mal deutsche Meisterin geworden. Sie ist Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Die Strecke in Bad Säckingen, auf der das Rennen ausgetragen wurde, hat ihr Ehemann und Manager Ralf Schäuble maßgeblich konzipiert. Der Wettkampf am Wochenende wurde trug sogar ihren Namen: die KMC Gold Trophy Sabine Spitz. Eine Niederlage? Kaum vorstellbar.

Genau solche Rennen seien aber häufig die schwierigsten, erklärte Ralf Schäuble – nachdem seine Frau den Titel gewonnen hat. Sabine Spitz hatte sich da bereits den Matsch von den Beinen gewaschen und eine frische Hose angezogen. Sie gibt Autogramme und lässt sich mit ihren Fans fotografieren. "Sabine ist schnell wie eine Biene", ist auf einigen T-Shirts zu lesen.

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Schon vor dem Rennen zog Spitz alle Aufmerksamkeit auf sich. Im Pavillon ihres Teams fuhr sie sich auf einer Rolle ein. Den Blick auf den Boden geheftet, die Ohren mit Kopfhörern verschlossen. Die Fans stellten sich trotzdem an die Absperrung und posierten für ein Foto. Vorne der Zuschauer, hinten eine hochkonzentrierte Mountainbike-Fahrerin.

Beim Rennen führte die dann auch von Anfang an das Feld an. Sie jagte souverän über die 3,9 Kilometer lange Strecke, die fünf Mal gefahren werden musste. Wenn andere Fahrerinnen im sogenannten Pump Track, einem mit Hügeln und Steilkurven gespickten Teilstück, im Matsch wegrutschten oder gar von vorneherein abstiegen, war bei Spitz kaum ein Wackler auszumachen. Lediglich Äste, die sich im Rad verhedderten, und ein sogenannter Kettenklemmer bremsten sie zwischendurch. Bedenklich nahe kamen die Konkurrentinnen aber nie. Und so wurde Spitz von ihren Fans nicht nur im komfortablen Start-Ziel-Bereich gefeiert. Etliche kraxelten durch den von einem Unwetter am Morgen aufgeweichten Wald, um sie überall an der Strecke mit Jubel oder einer La Ola zu empfangen. "Es war schon supertoll, vor heimischem Publikum so ein Rennen zu fahren", sagte Spitz später. Gerade bei den rutschigen Bedingungen seien Fahrgefühl und die Technik gefordert – das sei ein Vorteil für sie gewesen.

Ob dies nun ein gutes Omen für die Olympischen Spiele sei, will Spitz nicht sagen. "Auf dem Kurs in London können viele gut fahren. Und die Leistungsdichte ist ohnehin gestiegen. 14 Fahrerinnen haben das Potenzial, eine Medaille zu gewinnen, und ich bin eine von ihnen. Letztlich werden Nuancen eine Rolle spielen", sagt Spitz. Die zweite deutsche Olympiastarterin, Adelheid Morath aus Freiburg, übernahm in Runde drei den Platz hinter Spitz und kam schließlich mit 49 Sekunden Verspätung ins Ziel.

Moritz Milatz stürzt und gibt auf

Von gesundheitlichen Problemen geplagt war Moritz Milatz. Der Freiburger litt unlängst unter einer Erkältung und brach das Rennen am Sonntag nach einem Sturz ab. Um deutscher Meister zu werden, hätte er sich an diesem Tag ohnehin mit einem nahezu unschlagbaren Manuel Fumic duellieren müssen. Der 30-Jährige gewann mit 3:01 Minuten Vorsprung auf Jochen Käß aus Bietenhausen.

Zufrieden sein konnten auch südbadische U-23-Fahrer. Bei den Frauen wurde zum ersten Mal ein deutscher Meistertitel in dieser Kategorie ausgefahren. Mit fast acht Minuten Vorsprung holte sich diesen Helen Grobert aus Remetschwiel, die für das Kirchzartener Lexware-Team fährt. Ihr Teamkollege Marcel Fleschhut wurde bei den U-23-Männern Dritter, Platz zwei belegte Christian Pfäffle vom St. Märgener Team Rothaus-Poison. Schneller als die beiden war nur Markus Schulte-Lünzum aus Haltern am See.

Als die Bierbänke am Wurststand sich langsam leerten und auf dem Siegerpodest Bierfässchen und Weinflaschen für die Platzierten bereitstanden, wurde die Frau des Tages noch immer von Fans belagert. Vielleicht könne sie am Abend noch ein bisschen mit der Familie zusammensitzen, sagte Sabine Spitz. Doch dann geht es schon wieder weiter, ins Höhentrainingslager ins Engadin. Schließlich steht Olympia vor der Tür.

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Autor: Laetitia Obergföll